04. Februar 2020 / 11:18 Uhr

Kommentar zum Spielverbot für Ilsanker, Selke und Uth: Diese Klauseln gehören verboten

Kommentar zum Spielverbot für Ilsanker, Selke und Uth: Diese Klauseln gehören verboten

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Vereinbarungen, dass Mark Uth, Stefan Ilsanker oder Davie Selke nicht gegen ihre Ex-Klubs auflaufen dürfen, gehören abgeschafft, meint SPORTBUZZER-Redakteur Tim Lüddecke.
Vereinbarungen, dass Mark Uth, Stefan Ilsanker oder Davie Selke nicht gegen ihre Ex-Klubs auflaufen dürfen, gehören abgeschafft, meint SPORTBUZZER-Redakteur Tim Lüddecke. © imago/Montage
Anzeige

Dass Fußball-Spieler nach einem Vereinswechsel nicht gegen den alten Arbeitgeber auflaufen dürfen, gerät immer mehr in Mode. Dabei stellen diese Vereinbarungen nicht nur ein Zeichen von Schwäche dar, sondern auch schlichtweg eine Wettbewerbsverzerrung.

Anzeige

Ist ein Transfer erstmal offiziell abgewickelt, gibt es ja immer noch viel zu tun. Zum Beispiel: Das Ganze so öffentlichkeitswirksam wie möglich zu inszenieren. Auf den Social-Media-Kanälen wird zumeist ein Foto mit dem neuen Trikot (gerne: die Vertragslaufzeit als Rückennummer) veröffentlicht, ein Video, in dem sich der Neuzugang vorstellt, und, und, und… Als Eintracht Frankfurt zum Ende der Wintertransferperiode nun also Stefan Ilsanker von RB Leipzig verpflichtete, dauerte es auch nicht lange, bis ein Portrait des Spielers mit der Überschrift „Ohne Wenn und Aber“ online ging. Es sollte auf seine kompromisslose Art anspielen. Dabei gibt es sehr wohl ein ganz beträchtliches „Aber“ bei diesem Wechsel.

Wenn die Eintracht nämlich am Dienstagabend im DFB-Pokal auf Leipzig trifft, wird Ilsanker nicht dabei sein (dürfen). Ein getroffenes Abkommen zwischen seinem neuen und alten Arbeitgeber besagt, dass der Österreicher gegen seinen Ex-Klub nicht mitwirken darf. Selbst dem Verfasser des Portraits aus der Frankfurter Medienabteilung schien dieses entscheidende Detail nicht bewusst gewesen zu sein, heißt es dort doch abschließend: „Entscheidend is auf'm Platz… Und ab Dienstag im Stadtwald. Im DFB-Pokal gegen Leipzig.“

Mehr vom SPORTBUZZER

Dass Spieler gegen ihren ehemaligen Verein nicht auflaufen dürfen, kommt offensichtlich immer mehr in Mode. In dem gerade abgelaufenen Transferfenster war das auch bei den Ausleih-Geschäften von Mark Uth (von Schalke 04 zum 1. FC Köln) und Davie Selke (von Hertha BSC zu Werder Bremen) so. Zuvor hatte es eine solche Sperre bereits beim Wechsel von Vincenzo Grifo (von 1899 Hoffenheim zum SC Freiburg) gegeben. Es handelt sich dabei zwar „nur“ um eine Art Gentlemens Agreement (wenn auch vertraglich festgelegt), weil die Richtlinien von DFL und DFB einen Einsatz niemals unterbinden würden. Trotzdem fragt man sich doch: Was soll das eigentlich?

Spielverbot legt den Verdacht der Angst nahe

Entschließt sich ein Verein dazu, einen Spieler abzugeben, sollte das doch auch mit aller Konsequenz passieren. „Ohne Wenn und Aber.“ Wenn jedoch Werder-Sportchef Frank Baumann erklärt, dass „die Klausel eine von Hertha BSC gestellte Bedingung war, ohne die der Transfer nicht zustande gekommen wäre“, legt das nun mal den Verdacht nahe, dass die Berliner vor Ex-Spieler Selke (weil er womöglich besonders motiviert ist?) Angst haben. Es ist ein Zeichen von Schwäche. Real Madrid, das in der Vergangenheit ebenfalls von diesen Klauseln Gebrauch gemacht hat, entschied sich dazu, sie abzuschaffen – um dem öffentlichen Gespött zu entgehen. Und: Vorwürfen der Wettbewerbsverzerrung.

Transfers: Die Winter-Zugänge der Bundesliga-Klubs 2019/20

Erling Haaland, Emre Can, Krzysztof Piatek und Dani Olmo (v.l.) spielen künftig in der Bundesliga. Der <b>SPORT</b>BUZZER wirft einen Blick auf die Wintertransfers der Vereine. Zur Galerie
Erling Haaland, Emre Can, Krzysztof Piatek und Dani Olmo (v.l.) spielen künftig in der Bundesliga. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf die Wintertransfers der Vereine. ©

Damit wäre übrigens auch das triftigste Argument geliefert, warum diese Vereinbarungen schlichtweg verboten gehören. Beziehungsweise: Dass eine einheitliche Regel gefunden werden muss. In der Premier League wird es so gehandhabt, dass Leihspieler nicht gegen ihren „eigentlichen“ Klub spielen dürfen. In Deutschland hingegen sorgen die willkürlichen Vereinbarungen für unterschiedliche Vor- und Nachteile für gewisse Klubs. In den DFL-Statuten heißt es: "Ein Klub darf keine Verträge eingehen, die dem anderen Klub und umgekehrt oder einer Drittpartei die Möglichkeit einräumen, in Arbeitsverhältnissen oder Transfersachen seine Unabhängigkeit, seine Politik oder die Leistung seiner Teams zu beeinflussen." Wenn die Sperre eines Spielers nicht in diese Dinge eingreift, was dann? Die Verbände (DFL und DFB) müssen endlich reagieren!

So, wie auch die Uefa eingegriffen hat, als im Champions-League-Halbfinale 2014 der FC Chelsea auf Atlético Madrid traf - mit Thibaut Courtois im Tor, der aus London an die Spanier ausgeliehen war. Angeblich sollte sich die Leihsumme mit jedem Einsatz gegen seinen Ex-Klub um drei Millionen Euro erhöhen. Courtois wurde in den Spielen übrigens zum Garant für den Finaleinzug Atléticos.