21. Dezember 2021 / 22:07 Uhr

Spitzenspiel, Dramatik, 3:2: Wieder packen die Grizzlys Wolfsburg die Eisbären Berlin

Spitzenspiel, Dramatik, 3:2: Wieder packen die Grizzlys Wolfsburg die Eisbären Berlin

Jürgen Braun und Sven Grosche
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Packender geht es nicht! Erneut war das Eishockey-Spitzenspiel zwischen Vizemeister Grizzlys Wolfsburg und Meister und Tabellenführer Eisbären Berlin ein dramatisches Duell. Und wieder triumphierte Wolfsburg - mit 3:2 nach Penaltys.

Der Meister beim Vizemeister, wieder wurde es ein packendes Duell zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den Eisbären Berlin. Wie in den zwei Saisonduellen zuvor ging es in die Overtime. Und diesmal sogar ins Penaltyschießen. Der Sieger war wieder Wolfsburg. Das Eishockey-Spitzenspiel endete 3:2 (1:0, 0:2, 1:0) n. P.. Jordan Murray und Chris DeSousa trafen für die Gastgeber in regulärer Zeit. Im Penaltyschießen trafen alle drei Wolfsburger, den Game Winner markierte Trevor Mingoia.

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Es war das vorerst vorletzte Spiel der Grizzlys Wolfsburg vor Zuschauern. Was sich angedeutet hatte, wurde gestern nach der Ministerpräsidentenkonferenz verkündet: Überregionale Großveranstaltungen finden ab dem 28. Dezember ohne Zuschauer statt. Bei den Grizzlys betrifft das auf jeden Fall die Heimspiele gegen Mannheim am 28. Dezember und am 2. Januar gegen München. In der ersten Januarwoche wollen die Ministerpräsidenten wieder beraten. Wegen der niedersächsischen Weihnachtsruhe wollten die Wolfsburger zu den genannten beiden Terminen ohnehin nur noch Dauerkartenbesitzer zulassen. Am 7. Januar gegen Krefeld hätten die Grizzlys das nächste Heimspiel nach München.

Personal

Überraschungen bei den Grizzlys: Ein Comeback und eine Premiere. Die Premiere hatte Lars Finke, der 19-Jährige aus der U20 saß als Ersatztorwart auf der Bank, nicht allerdings der seit Saisonbeginn als dritter Keeper im Kader geführte Leon Grote. Denn der war privat verhindert. Die Nummer 1, Dustin Strahlmeier, war krank (kein Corona, so der Klub), im Tor stand Chet Pickard.

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Mittelstürmer Tyler Gaudet war fit, rückte in Reihe zwei, Gerrit Fauser spielte im Block mit Luis Schinko und Phil Hungerecker. Durch die Rückkehr von Gaudet musste gegenüber dem Spiel in Düsseldorf ein Ü23-Akteur weichen - es traf Verteidiger Armin Wurm. Überzählig war außerdem Außenstürmer Valentin Busch, Fabio Pfohl ist noch im Aufbau, Sebastian Furchner angeschlagen.

Berlin begann stark, dominierte, Blaine Byron traf nur den Pfosten. Dann gab es wechselweise Gänsehaut für die Fan-Lager. Berlins Leo Pföderl hatte Pickard fast schon ausgespielt, doch Wolfsburgs Keeper wehrte den Puck doch noch klasse ab. Darren Archibald lief im direkten Gegenzug allein auf Mathias Niederberger, wurde gefoult, Strafe Berlin. Frank Hördler musste nur neun Sekunden absitzen. Dann hatte Murray in Überzahl schon - gar nicht so hart, aber punktgenau - von der blauen Linie ins Berliner Netz getroffen. Danach drängte Berlin wieder, hatte reichlich Schüsse, die Grizzlys blockten ein Dutzend von ihnen. Die dickste Chance hatte aber Toto Rech, der bei seinem Break nach Murrays Traumpass mit der Rückhand vorbeischoss. Zum Ende des Drittels konnte sich Wolfsburg besser Berlins Druck entziehen. Verteidiger Janik Möser wusste aber: "Wir müssen schneller am Mann sein, die Scheibe schneller hinten raus bringen."

Szenen vom Spiel der Grizzlys Wolfsburg gegen Eisbären Berlin

Szenen vom Eishockeyspiel der Grizzlys Wolfsburg gegen Eisbären Berlin Zur Galerie
Szenen vom Eishockeyspiel der Grizzlys Wolfsburg gegen Eisbären Berlin © Grizzlys Wolfsburg / City-Press GmbH, Boris Baschin

Genauso gingen es die Gastgeber dann auch im zweiten Abschnitt an. Sie wirkten viel lebhafter, arbeiteten eine Unterzahl ab, der von der Strafbank kommende Julian Melchiori schoss beim Konter genau auf Niederberger. Murray (24.) scheiterte am Pfosten. Der Spitzenreiter drehte aber auf: Simon Despres mit tollem Pass auf Marcel Noebels, Rückhand aus der Drehung - 1:1. Kurz danach parierte Pickard aus Nahdistanz gegen Matt White. Für Wolfsburg hätte Jonas Enlund frei vor Niederberger treffen können. Kälter war da auf der anderen Seite White, der aus Nahdistanz draufhämmerte, als Gerrit Fauser hinter dem eigenen Tor nicht sauber geklärt hatte. 2:1 für den Meister beim Vizemeister. Ärgerlich: Despres traf DeSousa mit hohem Stock im Gesicht, die eigentlich fällige Strafe für den Berliner gab es nicht - Fehlentscheidung.

Die Grizzlys hatten die ersten beiden Saison-Duelle in Overtime für sich entschieden, auch Spiel drei war wieder eng. Der Spitzenreiter allerdings war in den vergangenen Wochen stabiler gewesen als die Niedersachsen. Und das unterstrichen sie im Schlussabschnitt erst einmal. Das Team von Mike Stewart konnte sich nicht durchsetzen. Nach knapp 45 Minuten konnte er dann erneut nur den Kopf schütteln, Murray musste nach einem korrekten Check aufs Sünderbänkchen. 90 Sekunden später waren zum Glück auch die Berliner nur noch zu viert. Pickard musste aber prächtig gegen Kai Wissmann klären.

Wolfsburgs Special Teams hatten zuletzt nicht optimal funktioniert, nun klappte es in Unterzahl - und auch in Überzahl. Erst scheiterte Mingoia, im Nachgang spielte Machacek quer, Liga-Topscorer und -Toptorschütze DeSousa scheiterte an Niederberger, schoss den aber im Nachschuss clever von hinten an - 2:2. Der 21. Saisontreffer für ihn. Es wurde ruppiger. Die Grizzlys bekamen nach Hördlers Foul an Archibald ein weiteres Powerplay, diesmal klappte nichts. Direkt danach durfte sich Berlin nochmal mit einem Mann mehr probieren. Knapp vier Minuten vor Schluss unangenehm aus Wolfsburger Sicht. Doch das Penaltykilling klappte erneut. Knapp zwei Minuten vor Schluss hatten die Grizzlys wieder Überzahl. Mingoia schnupperte am 3:2. Niederberger parierte. Auch das dritte Saison-Duell der besten Teams der vergangenen Spielzeit musste in die Overtime. Und ins Penaltyschießen. Für Berlin war es das erste Mal, die Grizzlys hatten am Sonntag in Düsseldorf schon ein Penaltyschießen (verloren). Diesmal waren die Grizzlys top. Gaudet verwandelte gleich - übrigens seinen dritten von drei Versuchen in dieser Spielzeit. Berlin verschoss, Mingoia legte nach, Nielsen verkürzte, DeSousa machte es klar.

Coach Mike Stewart lobte: „Im letzten Drittel haben wir uns Schritt für Schritt in die Partie zurück gekämpft. Pickard hat für uns bombastisch gehalten, ich freue mich für ihn.“

Am Donnerstag (19.30 Uhr) treten die Wolfsburger in der Eis-Arena gegen die Kölner Haie an.

Statistik

  • Grizzlys: Pickard - Bittner, Melchiori; Möser, Murray; Button, Krupp - Enlund, DeSousa, Archibald; Machacek, Gaudet, Mingoia; Nijenhuis, Festerling, Rech; Schinko, Fauser, Hungerecker; Reichel.
  • Eisbären: Niederberger - Ellis, Mik; Wissmann, Müller; Despres, Hördler; Jensen - Pföderl, Byron, Noebels; Clark, Nielsen, White; Fiore, Zengerle, Veilleux; Baßler, Wiederer, Streu.
  • Schiedsrichter: Kohlmüller/Bruggeman.
  • Zuschauende: 1180. - Strafminuten: Grizzlys 12, Eisbären 12.
  • Tore: 1:0 (8:48) Murray (Mingoia/Archibald - 5:4), 1:1 (26:32) Noebels (Despres), 1:2 (34:13) White (Clark), 2:2 (47:57) DeSousa (Machacek/Mingoia - 5:4), 3:2 (65:00) Mingoia (im Penaltyschießen).