05. Februar 2021 / 10:16 Uhr

"Der Sport übersteht die Krise": Wie wirkt sich die Corona-Pause auf die Mitgliederzahlen aus?

"Der Sport übersteht die Krise": Wie wirkt sich die Corona-Pause auf die Mitgliederzahlen aus?

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wie hart trifft die Corona-Krise den Sport in Hannover? LSB-Vorstand Reinhard Rawe und TKH-Chef Hajo Rosenbrock haben unterschiedliche Einschätzungen.
Wie hart trifft die Corona-Krise den Sport in Hannover? LSB-Vorstand Reinhard Rawe und TKH-Chef Hajo Rosenbrock haben unterschiedliche Einschätzungen. © imago images/Fotostand / Florian Petrow / LSB
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Es ist nichts los auf den Sportanlagen in Hannover. Wegen der Corona-Pandemie steht der Breitensport seit Monaten still - zum zweiten Mal. Während Reinhard Rawe, Vorstandvorsitzender des Landessportbunds, dennoch optimistisch ist, hat der TKH-Vorsitzende Hajo Rosenbrock mit Blick auf die Mitgliederzahlen größere Sorgen.

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Der Sport und die Vereine sind stark genug, um die Corona-Krise zu überstehen. Da ist Reinhard Rawe ganz sicher. „Es ist eine schwierige Situation, aber wir sind halbwegs gut über den Winter gekommen“, sagt der Vorstandvorsitzende des Landessportbundes Niedersachsen. Die neuesten Zahlen stimmen ihn zuversichtlich, der Mitgliederschwund sei nicht so hoch wie erwartet.

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Nur knapp 4 Prozent haben die rund 9500 Vereine eingebüßt. „Das ist zwar kein schönes Ergebnis, aber wir hatten wegen Corona mit 5 Prozent kalkuliert“, so Rawe. Ganz anders sieht Hajo Rosenbrock die Lage, er ist Vorstandsvorsitzender des Turn-Klubbs zu Hannover: „Wie die meisten der 20 größten Sportvereine in Niedersachsen haben auch wir mehr als 10 Prozent unserer Mitglieder verloren.“

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Sporthochschule Köln erhält alarmierendes Resultat

Ende Januar verzeichnete der LSB in seiner Be­stands­auf­nah­me bei 9.104 Klubs, das sind rund 97 Prozent der Vereine, einen Rückgang von rund 3,7 Prozent (minus 95 .591 Mitglieder). „Das ist eine stabile Quote, wir können nun vorsichtig optimistisch in die kommenden Monate blicken“, so Rawe.

Ein derart dramatisches Bild, wie es der von der Deutschen Sporthochschule in Köln vorgelegte Sportentwicklungsbericht zeichnet, kann Rawe nicht erkennen. Mehr als 20.000 Vereine waren im vergangenen Herbst (vom 21. Oktober bis 21. Dezember) befragt worden und dienten der Studie der Sporthochschule. Mehr als die Hälfte, so das alarmierende Resultat, würde aufgrund der abspringenden Mitglieder 2021 eine existenzbedrohliche Lage erwarten.

LSB-Zahlen weniger dramatisch - TKH gebeutelt

Das gäben die Da­ten der LSB-Erhebung bei Weitem nicht her, betont Ra­we: „Das können wir anhand unserer Zahlen nicht bestätigen. Und aktuell habe ich in einer Videoschalte auch aus dem Landesverband Hessen und dem großen Nordrhein-Westfalen mit rund 17.000 Vereinen ähnliche Ergebnisse erfahren. Dort liegen die Austritte auch bei unter 4 Pro­zent. Ich glaube also nicht, dass un­se­re Zahlen in Niedersachsen ein Ausreißer sind.“

Denkbar wäre, dass die Vereinstreue in ländlichen Regionen bei den kleinen bis mittelgroßen Klubs größer ist, weil es dort weniger Freizeitangebote gibt. Der TK Hannover als größter Verein der Landeshauptstadt je­den­falls ist gebeutelt. „Wir konnten zu Jahresbeginn nur 6100 Mitglieder verzeichnen, normalerweise wären dies weit mehr als 7000 ge­we­sen“, sagt Ro­sen­brock. Es seien eben nicht nur die Austritte, der Verein habe durch die Lockdown-Bestimmungen auch kaum Neueintritte. „Damit fehlt der Treibstoff für Innovationen im Sport, und die laufenden Kosten für Kredite und Personal greifen die Grundlagen in vielen uns bekannten Vereinen an“, sagt Rosenbrock.

Zusätzliche Hilfen angefordert

Wenn Klubs durch die Folgen der Pandemie in eine finanzielle Schieflage geraten und das nachweisen können, sagt auf der anderen Seite der LSB-Geschäftsführer, würden sie unterstützt. „Wir haben da­für beim Land 7 Millionen Euro zusätzliches Geld an­ge­for­dert“, sagt Rawe, „da­von haben wir rund 2,5 Millionen an knapp 450 Vereine, Landesfachverbände und Sportbünde ausgegeben, die Hilfe beantragt haben.“ Daher ist die Ende des Jahres ausgelaufene Maßnahme am 1. Februar wieder aufgenommen und bis Ende 2021 verlängert worden, das nicht beantragte Geld steht also weiter bereit.

Ja, es gäbe Probleme, und die seien in Einzelfällen auch groß, räumt Rawe ein. Mit massenhaften Insolvenzen rechnet der LSB allerdings nicht. „Der Sport wird diese Krise überstehen. Mit Schäden zwar, aber er wird sie überstehen“, betont Ra­we.