29. August 2020 / 08:42 Uhr

Sport in Dresden und Sachsen: Fan-Rückkehr weiter offen

Sport in Dresden und Sachsen: Fan-Rückkehr weiter offen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spiele vor leeren Rängen im Harbig-Stadion sind für Dynamos Funktionäre, Spieler und vor allem die Fans ein Grauen.
Spiele vor leeren Rängen im Harbig-Stadion sind für Dynamos Funktionäre, Spieler und vor allem die Fans ein Grauen. © Dennis Hetzschold
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Ohne Zuschauer sind die Clubs im Handball, Basketball, Eishockey und auch im unterklassigen Fußball bedroht. Sie fordern Planungssicherheit.

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Berlin/Leipzig/Dresden. Existenzängste statt Planbarkeit: Das erneuerte Verbot von Großveranstaltungen bringt den deutschen Sport noch mehr in die Bredouille und hat Enttäuschung und neue Unsicherheit hervorgerufen. „Soll nach der Wirtschaft jetzt auch das Vereinsleben platt gemacht werden?“, fragte der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV), Hermann Winkler, mit Bezug auf Ostdeutschland provokant. Für viele Sportvereine, die akribisch an Sicherheits- und Hygienekonzepten für baldige Wettkämpfe vor Fans gearbeitet haben, sind die jüngsten Nachrichten aus der Politik ein herber Dämpfer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs hatten entschieden, eine Arbeitsgruppe erst Ende Oktober über die Wiederzulassung von größeren Zuschauermengen befinden zu lassen. Daniel Hopp, Gesellschafter von Eishockey-Club Adler Mannheim, sprach in diesem Zusammenhang von einem „Schlag in die Magengrube“ und sagte dem „Mannheimer Morgen“ (Samstag): „Der Politik muss klar sein, welche gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung auch der Profisport hat. Die Fußball-Bundesliga ist das wichtigste Produkt, aber das ist mir dann doch ein bisschen zu kurz gesprungen. Auch wir sind systemrelevant.“

Vereine im Osten besonders auf Kartenverkauf angewiesen

Während der Anteil der Zuschauereinnahmen am Gesamtumsatz in der Fußball-Bundesliga noch vergleichsweise überschaubar ist, sind die unteren Ligen, kleine Sportarten sowie beispielsweise die Handball-, Basketball- und Eishockey-Clubs extrem von den Erlösen rund um die Spiele abhängig. Dass sich die Hoffnungen der Top-Ligen auf gefüllte Tribünen zum Saisonstart wohl nicht erfüllen, stellt die Vereine vor entsprechend große Probleme. Winkler, der auch Vizepräsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes NOFV ist, verwies auf die für Vereine und Verbände elementar wichtigen Zuschauereinnahmen. „Dies trifft gerade Ostdeutschland. Hier gibt es nicht die Pharma- und Autokonzerne, die den Sport unterstützen. Hier sind es Handwerker, Einzelhandel und Reisebüros, die durch drastische Corona-Maßnahmen schon leiden“, so Winkler.

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Die sich abzeichnende wochenlange Unklarheit macht den Club-Vertretern und Verbandsfunktionären zu schaffen. „Natürlich steht die Gesundheit weiter über allem“, sagte der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL), Stefan Holz, der Deutschen Presse-Agentur. „Aber es wäre schon wichtig, dass allmählich mal verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, mit denen man planen kann.“ Die BBL peilt einen Saisonstart am 6. November an. Auf Vorgaben der Arbeitsgruppe, die ja erst kurz zuvor entscheiden könnte, kann sie da bei weiteren Planungen kaum warten.

Zeitproblem auch bei den Eishockey-Ligen

Ein ähnliches Zeitproblem haben die Kollegen beim Eishockey. Die DEL hatte ihren Saisonstart bereits von Mitte September auf den 13. November verschoben. Wirtschaftlich darstellbar ist der Ligabetrieb eigentlich nur mit Zuschauern, so dass intern nun schon über einen späteren Start beraten wird. Neue Richtlinien der Arbeitsgruppe bis Ende Oktober kämen für die DEL zu spät, um dann noch kurzfristig den Ligastart zwei Wochen später entsprechend organisieren zu können.

Auch im Handball wünscht man sich verbindlichere Aussagen und mehr Planbarkeit. „Wir werden einfach nicht ernst genommen“, wettert Karsten Günther, Manager des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig. „Solche pauschalen Regelungen stürzen uns ins Verderben“, fürchtet er mit Blick auf den Bund-Länder-Beschluss. „Warum soll in einer Sporthalle nicht erlaubt sein, was wir im Supermarkt, Kino, in Gaststätten und in Flugzeugen täglich sehen?“

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Die beiden Kapitäne vor dem Spiel: Dynamos Yannick Stark (links) und Herthas Tony Fuchs Zur Galerie
Die beiden Kapitäne vor dem Spiel: Dynamos Yannick Stark (links) und Herthas Tony Fuchs © Steffen Manig

Die Bundesliga will am 1. Oktober wieder in den Spielbetrieb starten, schon am 26. September sollen Meister THW Kiel und Vizemeister SG Flensburg-Handewitt in Düsseldorf um den Supercup spielen. Die Liga war allerdings davon ausgegangen, wieder mit Publikum in den Hallen planen zu können. Bis zu 50 Prozent des Etats der Vereine kommen über Zuschauereinnahmen. „Sollten bis Jahresende keine Zuschauer erlaubt sein, könnte die Existenz unserer Sportart gefährdet sein“, warnte Geschäftsführerin Jennifer Kettemann von den Rhein-Neckar Löwen.

BVB-Chef Watzke hat Hoffnung für November

Dass noch 2020 wieder Fans in die Stadien zurückkehren können, hofft auch Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Der 61-Jährige deutet die Zeichen aus der Politik nicht so negativ. „Das Positive ist, dass ein klares Signal von der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten gekommen ist. Meiner Meinung nach sind die Beschlüsse ein Zeichen der Politik, dass man ab Anfang November mit Zuschauern spielen möchte“, sagte Watzke der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Freitag).

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) warb in einem Statement für „verantwortungsvolle Stufen-Lösungen je nach Pandemie-Lage“. Mit deren Umsetzung könne im November begonnen werden, „sofern das Infektionsgeschehen dies erlaubt“. Ob und wie viele Fans am Wochenende in den höheren Ligen ins Stadion dürfen, wird sich wohl immer erst am Montag der gleichen Woche entscheiden – abhängig von den aktuellen Infektionszahlen in den einzelnen Regionen.

Wie der Kartenverkauf bei einem vertretbaren Risiko dann geregelt werden könnte, ist auch im Falle des Fußball-Drittligisten Dynamo Dresden unklar. Der Verein hielt sich zum Thema bedeckt, ein Hygienekonzept liege dem Gesundheitsamt vor und werde geprüft. Natürlich hofft man bei den Schwarz-Gelben, dass es genehmigt wird. Bei einem Ja könnte es durchaus Spiele mit weit mehr als 1000 Fans geben.

Petra Köpping sieht in Sachsen keinen Änderungsbedarf

Das sächsische Sozialministerium wies am Freitag darauf hin, dass sich aus der Bund-Länder-Telefonschalte vom Donnerstag für die neue Corona-Schutz-Verordnung im Freistaat kein Änderungsbedarf ergäbe. Ministerin Petra Köpping (SPD) wiederholte am Freitag ausdrücklich, dass in Sachsen in der Kultur und im Sport „Großveranstaltungen mit genehmigtem Hygiene-Konzept und wenn die anderen Bedingungen erfüllt sind“ ab 1. September erlaubt seien. Eine Ausnahme sei lediglich die Fußball-Bundesliga: Hier sei es „notwendig, dass wir in Deutschland einheitliche Regelungen haben. Man kann sich schlecht vorstellen, dass in Sachsen Zuschauer zugelassen sind und in einem anderen Bundesland nicht.“

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Jenseits der Schlagzeile heißt es im Bund-Länder-Beschluss vom Donnerstag denn auch weiter unten, dass Großveranstaltungen nur dann verboten bleiben, wenn „eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygiene-Regelungen nicht möglich“ seien. Nach Auskunft des Sozialministeriums hängt eine Genehmigung darüber hinaus vom Infektionsgeschehen ab: Bei 20 Neuinfektion pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen sei die rote Linie überschritten. Thomas Eßer, Christian Hollmann, Mathias Wöbking und Jochen Leimert