22. November 2021 / 20:00 Uhr

Sport-Lockdown trifft Sachsens Amateure: „Situation lähmt, es ist unfassbar“

Sport-Lockdown trifft Sachsens Amateure: „Situation lähmt, es ist unfassbar“

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
lockdown
Der Sport in Sachsen ist bis auf wenige Ausnahmen zum wiederholten Mal zum Stillstand gekommen. © Modla / dpa
Anzeige

Der seit Montag geltende Lockdown für den sächsischen Sport erhitzt die Gemüter. Zahlreiche Teams kämpfen um eine Anerkennung als Profis, damit sie zumindest weiter trainieren können - in anderen Sportarten fehlt das Verständnis für ein Verbot gänzlich.

Leipzig. Die Erst- und Zweitligisten in Sachsen kämpfen in diesen Tagen um ihre Profi-Anerkennung. Im Handball und Volleyball war dies schon im letzten Lockdown der Fall. Aktuell bemühen sich unter anderem die Tischtennis-Frauen der Leutzscher Füchse (2. Bundesliga) über eine solche Einstufung – sie hatten bereits im vergangenen Winter weitertrainiert. Vor einem riesigen Problem stehen die Leipziger Bundesliga-Floorballer, deren Nationalspieler sich aufgrund der am 4. Dezember beginnenden Weltmeisterschaft keine Trainingspause erlauben können – und im Sinne einer optimalen WM-Vorbereitung im Teamverbund üben müssen. Auch hier ist der Verband aktiv, um eine Genehmigung zu erwirken.

Anzeige

Für die Bundesliga-Handballer des SC DHfK sind wie bei den RB-Kickern und den IceFighters die Geisterspiele mit ihren Einnahmeverlusten und der fehlenden Stimmung das Hauptproblem. DHfK-Manager Karsten Günther betont: „Fakt ist, dass wir alle zusammen in diesem üblen Schlamassel stecken. Jetzt muss jeder seinen Beitrag leisten, damit wir da wieder rauskommen. Wenn unserer ist, dass wir wieder Geisterspiele machen, ist das bitter. Natürlich hätten wir uns eine fairere Verteilung gewünscht, dass alle um 40 Prozent herunterfahren und nicht einige um 100 Prozent und andere gar nicht.“ Statt nur zu hoffen, dass alles besser wird, gelte es jetzt, die Infrastruktur für flächendeckende Tests und ausreichend Impfungen zur Verfügung zu stellen.

Mehr zu den Lockdowns

IceFighters-Chef Sven Gerike ergänzt: „Die Situation lähmt, es ist unfassbar, was gerade los ist. Aber ich bin dankbar, dass wir spielen dürfen. Wir müssen demütig sein, dass wir Hobby und Beruf wleiterhin ausführen dürfen.“

„Mehr Abstand geht nicht“

Die Vereine organisieren seit Tagen ihr Nachwuchstraining bis 16 Jahre, das erlaubt ist. Für den Cut ab 16 ernten die Politiker Kritik. So meint Werner Scholz, Vorstand des USC Leipzig: „Für bedenklich halte ich den Umstand, dass unsere geimpften Erwachsenen auf ein wichtiges Stück Lebensqualität verzichten müssen.“

Besonders viel Unverständnis herrscht bei den Golf- und Tennisspielern, die in ihrem Sport kaum Kontakte zu anderen haben. „Die Schließung sämtlicher Sportanlagen ist für uns unbegreiflich und bringt die Gemüter in Wallung“, sagt Ekkehard Becher vom 1. Golfclub Leipzig. „Nach unserem Hygienekonzept gehen maximal vier Spieler alle zehn Minuten aufs Grün. Mehr Abstand an der frischen Luft geht nicht – das ist sicherer als Spazierengehen im Park.“ Die Mitglieder würden nun 35 Kilometer Luftlinie entfernt in Halle spielen.

Dierk Scheinert, Präsident des Tennisleistungszentrums Espenhain und Arzt, sagt: „Medizinisch betrachtet war die Entscheidung zu Lockdown-ähnlichen Maßnahmen alternativlos – sogar zu spät. Es ist schade, dass die Einschränkungen wenig differenziert getroffen worden sind. Im Tennis wurden die Einzel nicht separat betrachtet, das hätten wir uns aber gewünscht.“ Daher spricht er von einem „schmerzlichen Einschnitt.“


Mit Tilman Kortenhaus und Stephanie Riedel