28. März 2020 / 19:13 Uhr

Schon zehn Jahre her: Die Scorpions werden Meister - Boos und Dolak erinnern sich (Teil 1)

Schon zehn Jahre her: Die Scorpions werden Meister - Boos und Dolak erinnern sich (Teil 1)

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Thomas Dolak (links) stemmt in der Tui-Arena den Meisterpokal, Tino Boos präsentierte ihn später in der Scorpions-Stammbar HeimW.
Thomas Dolak (links) stemmt in der Tui-Arena den Meisterpokal, Tino Boos präsentierte ihn später in der Scorpions-Stammbar HeimW. © Jochen Lübke/dpa
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Der 25. April 2010 – die Hannover Scorpions werden unter Trainerlegende Hans Zach sensationell deutscher Meister. Zehn Jahre später blicken wir in einer Serie auf diesen historischen Triumph zurück. Im ersten Teil des großen Doppelinterviews sprechen die damaligen Meister-Helden Tino Boos und Thomas Dolak über Gehaltskürzungen und Geld im Eisfach.

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Tino Boos, Thomas Dolak – die Saison 2009/2010 endete mit dem maximalen Erfolg, begann aber mit Ernüchterung. Was war passiert?

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Tino Boos: Im Sommer hieß es völlig überraschend, dass wir alle 20 Prozent weniger Gehalt bekommen. Als Kompromiss sollte das Gehalt von Eric Schneider, der wegen der Gehaltskürzung nach Frankfurt gewechselt war, an die Mannschaft ausgezahlt werden. Zusätzlich versprach unser Trainer Hans Zach, lieber etwas in die Mannschaftskasse zu zahlen, als auf irgendetwas Ausgemachtes zu verzichten. Im Herbst habe ich Hans daran erinnert – er hat mich aber aus seinem Büro geworfen und gebrüllt: „Bista deppert? Goar nix gibt´s! Tabellenletzter! Und jetzt raus!“ Einen Tag später schlug er vor, dass wir einen vierstelligen Betrag bekommen – aber nur bei Erreichen der Play-offs …

Thomas Dolak: …und dass er das Geld pro Runde verdoppelt. Nach jeder erfolgreichen Runde haben wir das Geld im Trainerbüro in der Tui-Arena bei Hans abgeholt. Aris Brimanis hat das Geld dann immer im Eisfach seines Kühlschranks in einer Fischstäbchen-Box gesammelt.

Boos: Als wir dann im Finale waren, hat Hans schon gemeckert, dass seine Frau ihn umbringt. Aber er hat immer am nächsten Tag gezahlt. Am Ende war es ja ein ordentlicher Betrag, den muss man erstmal auf die Schnelle in bar aufbringen.

Und das alles hätte Thomas Dolak fast nicht mitbekommen. Stimmt es, dass Zach Sie 2009 schon ausgemustert hatte?

Dolak: Das stimmt. Im Abschlussgespräch nach der Saison hat er mir mitgeteilt, dass er nicht mehr mit mir plant. Geschäftsführer Marco Stichnoth hat sich dann für mich eingesetzt. In der Vorbereitung zur neuen Saison hat Hans mich Verteidiger spielen lassen, weil er fand, dass ich das gut mache. Die ersten beiden Saisonspiele haben wir hoch verloren, dann hat er mich wieder nach vorne gestellt. Ich war besonders motiviert, um dem Trainer zu zeigen, dass ich in die Mannschaft gehöre. Für mich war es die beste Saison, die ich je gespielt habe. Wie dann am Ende alles ausgegangen ist, ist ja bekannt…

Die Bilder der Derbys zwischen den Indians und Scorpions:

Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. Zur Galerie
Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. ©

…in der Finalserie gegen Augsburg mit Ihrem Siegtor in der Verlängerung in Spiel 2 und dem späten 3:2 in Spiel 3. Für die Meisterschaft waren Sie der wichtigste Spieler.

Dolak: Im Endeffekt war ich der Glückliche, der die entscheidenden Tore geschossen hat. Für mich war es eine Mannschaftsleistung, in dem Team waren wir viele Freunde.

Boos: Jetzt stellt der Doli sein Licht unter den Scheffel. Er hat mit seiner Reihe super funktioniert, war topfit und zur rechten Zeit am rechten Ort. Das ist eine große Qualität, die man nicht hoch genug anerkennen kann.

Dolak: Das 3:2 in Spiel 3 war zum Ende einer Überzahl. Ich war schon auf dem Eis, dann gab es einen Wechsel – und ich habe den Hans angeguckt und gehofft, dass ich mit meiner Reihe noch mal aufs Eis komme. Denn ich hatte irgendwie ein gutes Gefühl.

Nach diesem Tor gab es noch den Treffer zum 4:2-Endstand durch Tino Boos. Augsburg hatte den Torhüter vom Eis genommen. Wie kommt man auf die Idee, die Scheibe vom Bullypunkt aus direkt über die gesamte Eisfläche ins leere Tor zu schießen?

Boos: In der Nacht davor habe ich genau diese Situation geträumt und ob ich den Mut dazu habe. Und als dann das Bully kam, wollte ich erst das Bully nur gewinnen und die Scheibe mit der Rückhand nach hinten spielen – weil ich mir den Schuss mit der Vorhand nicht zugetraut und Bedenken hatte, dass die Scheibe abgefangen wird. Dann wurde das Bully wiederholt. Ich habe gesehen, dass der eine Verteidiger noch einen Meter rübergeht und an der blauen Linie ein Loch entsteht. Dann habe ich mir gedacht, dass ich es jetzt einfach versuche und den Schläger auf Vorhand umgreife. So ein Tor habe ich noch nie vorher geschossen – dass es dann im Finale passiert, war eine Belohnung für uns alle.

Im Gespräch: Thomas Dolak (links) und Tino Boos (rechts) blicken in Düsseldorf mit Reporter Stephan Hartung auf die Meisterschaft zurück.
Im Gespräch: Thomas Dolak (links) und Tino Boos (rechts) blicken in Düsseldorf mit Reporter Stephan Hartung auf die Meisterschaft zurück. © Stephan Hartung
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Das ist Thomas Dolak

Der 40-Jährige schnürte in 16 Spielzeiten seine Schlittschuhe in der DEL – die Hälfte davon bei den Hannover Scorpions. Dolak belegt in den vereinsinternen Rekordlisten den zweiten Platz bei DEL-Spielen (457), Punkten (306) und Torvorlagen (199) – jeweils hinter Lenny Soccio. Unter Soccio agierte er in der Saison 2013/2014 als Co-Trainer bei den Scorpions in der Oberliga. Heute ist Dolak Assistenzcoach der Düsseldorfer EG.

Die Meister von damals Thomas Dolak (links) und Tino Boos sind heute noch Freunde.
Die Meister von damals Thomas Dolak (links) und Tino Boos sind heute noch Freunde. © Stephan Hartung

Das ist Tino Boos

Von 1992 bis zu seinem Karriereende 2013 spielte der gebürtige Düsseldorfer Tino Boos in der höchsten deutschen Spielklasse, darunter vier Jahre bei den Hannover Scorpions (von 2007 bis 2011). Mit ihm als Kapitän gewannen die Scorpions 2010 die Meisterschaft. Boos leitet heute in der DEL-Geschäftsstelle in Neuss das Game Center. Weiter kümmert sich der 44-Jährige um Teile des Spielbetriebs und die Spielerentwicklung.