11. April 2020 / 12:50 Uhr

Erinnerung an Meisterschaft: Nader Feyzi ist seit 22 Jahren die gute Scorpions-Seele

Erinnerung an Meisterschaft: Nader Feyzi ist seit 22 Jahren die gute Scorpions-Seele

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Scorpions-Betreuer Nader Feyzi wetzt die Kufen - und das mittlerweile schon seit 22 Jahren für die Mellendorfer.
Scorpions-Betreuer Nader Feyzi wetzt die Kufen - und das mittlerweile schon seit 22 Jahren für die Mellendorfer. © Stephan Hartung
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Am 25. April 2010 wurden die Hannover Scorpions unter Trainerlegende Hans Zach sensationell deutscher Eishockeymeister. Zehn Jahre später blicken wir in einer Serie auf diesen historischen Triumph zurück. Heute: Die gute Seele – Nader Feyzi ist heute immer noch Betreuer.

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Er hat we­der Tore geschossen noch Vorlagen gegeben oder Pucks gefangen – dennoch: Auch Nader Feyzi gewann 2010 die Meisterschaft. Als Betreuer gehörte er zu den Helfern im Hintergrund, ohne die auch bei den Hannover Scorpions der Spielbetrieb nicht funktionieren würde.

Feyzi übt diese Tätigkeit bereits seit 22 Jahren aus, dienstälter ist niemand bei den Scorpions. Von 2004 bis 2014 arbeitete er als hauptamtlicher Betreuer, davor und danach im Nebenjob. Die klassischen Aufgaben: Trikots waschen, Schlittschuhe schleifen, Schläger sortieren, Spielberichtsbogen vorbereiten, Obst portionieren, Ausrüstung reparieren oder Kabine säubern.

„Ob Oberliga wie jetzt oder früher in der DEL – das ist egal, der Aufwand ist gleich“, sagt Feyzi in den Katakomben des Mellendorfer Eisstadions. In diesem Moment hält ihm jemand einen Zettel unter die Nase. „Nader, kannste kurz unterschreiben?“ Nader kann. Schließlich beginnt in zwei Stunden ein Oberligaspiel.

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 „Da ging alles drunter und drüber. Ich konnte nicht mitfeiern und musste aufpassen, dass keine Wertgegenstände wegkommen.“

Den gleichen Aufwand mit anderem Ertrag gab es 2010. „Nach dem Halbfinale hatte ich das Gefühl, jetzt kann uns nichts mehr aufhalten“, erinnert sich der 58-Jährige. Nach dem späteren Erfolg gegen Augsburg stand der Titel fest, in der Kabine herrschte zwischen Sektduschen und Gesängen das völlige Chaos. „Da ging alles drunter und drüber. Ich konnte nicht mitfeiern und musste aufpassen, dass keine Wertgegenstände wegkommen“, erzählt der Betreuer, dessen Vater Iraner und die Mutter Finnin ist. Irgendwann reichte es ihm: „Als Spielverderber musste ich Leute rauswerfen, die mit der Mannschaft nichts zu tun hatten.“ Einen Verlust beklagte er trotzdem: „Das schwarze Meistertrikot von Martin Hlinka ist nie wieder aufgetaucht.“

Nicht nur Spaßbremse, sondern auch Spaßvogel

Natürlich agierte Feyzi nicht nur als Spaßbremse. Als Betreuer ist man gute Seele und Ansprechpartner für die Spieler: „In der Arena hatten wir einen Betreuer-Raum. Mit Niki Goc und Robin Thomson haben wir oft gesprochen, wenn sie nicht verstanden haben, warum sie nicht spielen.“ Bei den Betreuern hielt sich auch Sascha Goc gerne auf – der Routinier be­nö­tig­te aber keinen Zu­spruch, nur Ruhe: „Er hat sich immer hingesetzt mit Brötchen, Kaffee und Zeitung. Dabei durfte man ihn nicht stören.“

Als Betreuer ist man auch der Spaßvogel: „Mein Job ist es, gute Laune zu verbreiten. Dann muss man in der Kabine mal den Clown machen – dann lachen die Jungs und spielen besser.“

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Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. Zur Galerie
Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. ©

„Der beste war Hans Zach – ein angenehmer Mensch, hart, aber fair.“

Bevor der Edelhelfer, der zusätzlich in einer Spielhalle als Servicekraft tätig ist, zu den Scorpions kam, half er zwei Jahre als Betreuer am Pferdeturm beim Indians-Vorgänger Hannover Turtles. Demnach hat er in seiner Funktion mehr als 1000 Partien verfolgt und entsprechend viele Trainer erlebt. „Der beste war Hans Zach – ein angenehmer Mensch, hart, aber fair“, sagt der Hannoveraner über den Meistercoach von 2010 und erinnert sich an Post zu Weihnachten: „Ich habe eine Karte mit Geld bekommen. Und in jedem Jahr wurde es mehr. So etwas habe ich vorher und nachher nie von einem Trainer erhalten.“

Neben Zach wussten auch die Spieler, was sie an Feyzi haben. Sie konnten sich immer auf ihn verlassen. „Ich bin gern sehr früh in der Kabine, lege die ganze Ausrüstung auf die Plätze“, sagt er und zeigt auf die Waschmaschine. Kein Schleudergang mehr? „Ist alles schon erledigt. Ich habe dafür gern meine Ruhe und mache das alles sehr früh.“

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Mit blondierten Haaren im Jahr 2001: Nader Feyzi ist dienstältester Scorpion.
Mit blondierten Haaren im Jahr 2001: Nader Feyzi ist dienstältester Scorpion. © Ulrich zur Nieden
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Mit Mülleimer aufs Eis

Wer so lange wie Feyzi dabei ist, hat neben Höhen auch Tiefen mitgemacht: „Die Meisterschaft war großartig. Aber den Abstieg zu verhindern, fühlte sich ebenfalls toll an.“ Er denkt an 2005. Nach einer beeindruckenden Punkteserie verhinderten die Scorpions am letzten Spieltag die Abstiegsrunde. „Wir hatten in Ingolstadt gewonnen. Andreas Morczinietz hat den Mülleimer aus der Kabine mit aufs Eis genommen. Die Jungs haben gefeiert wie mit einem Pokal“, erinnert sich Feyzi und lacht. Mit dem echten Pokal war die Feier 2010 natürlich noch schöner.