12. Februar 2021 / 17:05 Uhr

Medaillensammler vom Maschsee: Das All Sports Team hat erreicht, was zu erreichen war

Medaillensammler vom Maschsee: Das All Sports Team hat erreicht, was zu erreichen war

Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Das All Sports Team Hannover ist im vergangenen Jahrzehnt überaus erfolgreich in See gestochen.
Das All Sports Team Hannover ist im vergangenen Jahrzehnt überaus erfolgreich in See gestochen. © Florian Petrow
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Sie haben abgeräumt, was abzuräumen war: 179 Medaillen hat das All Sports Team Hannover seit 2000 bei Drachenbootrennen in aller Welt geholt - WM-Gold inklusive. Dafür steht das Team, das sich derzeit in einem großem Umbruch befindet, zur Wahl bei den SPORTBUZZER Legenden des Jahrzehnts.

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Thomas Arbeiter schaut sich um. Auf der Anlage des Hannoverschen Kanu-Clubs direkt am Maschsee wäre jetzt normalerweise einiges los. Sein Blick wendet sich zu den vielen Drachenbooten, die gestapelt übereinander am Rand des Geländes liegen. Er seufzt und wird nachdenklich. Zusammen mit vielen anderen Drachenbootbegeisterten hat Arbeiter im vergangenen Jahrzehnt Hannoversche Sportgeschichte geschrieben. Das All Sports Team räumte im Drachenbootrennen alles ab, was es zu gewinnen gibt. Kaum ein Sportteam aus der Stadt sammelte so viele Medaillen – 179 seit Gründung im Jahr 2000.

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Seit November geht, wie in vielen anderen Sportarten, beim Drachenbootrennen nichts. Die Sportler haben individuelle Trainingspläne von Arbeiter bekommen. Arbeiter ist aktueller Teamkapitän, Gründungsmitglied des All Sports Teams und Vizepräsident des Verbandes. Er war Teil des Teams, als die größten Erfolge gefeiert wurden. „Das größte Highlight für alle war ganz klar Gold bei den Weltmeisterschaften 2014 in Italien“, erzählt er. „Da wollten wir alles reinhauen und ewige zweite Plätze hinter uns lassen. Das haben wir geschafft, es war der Höhepunkt für alle.“

Alles über die Legendenwahl

Gleichzeitig war es aber auch das sportliche Ende für viele Athleten. Arbeiter: „Einige haben den Deckel dann draufgemacht. Wir hatten ja schließlich alles erreicht, was man erreichen konnte.“ Vor zwei Jahren erlebte das Team sehr viele Austritte. Aus 45 Sportlern wurden knapp 15.

Es begann der größte Umbruch, den es im All Sports Team jemals gab. Mit Arbeiter und Mark Holthoff sind nur noch zwei Gründungsmitglieder dabei. Mittlerweile sind wieder knapp 25 Sportler in der Mannschaft. „Wir befinden uns im krassen Aufbau. Wir haben noch ein paar dabei, die 2014 Weltmeister geworden sind, aber auch ganz viele Neue“, so Arbeiter.

"Wir wollen einfach Menschen dabei haben, die Sportler sind"

Es geht zurück zu den Wurzeln: Im vergangenen Jahrzehnt, das im Zeichen des Erfolgs stand, seien einige Sportler dabei gewesen, die erfolgsbesessen waren. „Da waren Leute, die gesagt haben: ‚Ich bin nur hier, um deutscher Meister zu werden.‘ Hat das nach einem Jahr nicht geklappt, waren sie weg“, sagt der Kapitän.

Der Umbruch soll das gesamte Team wieder zusammenbringen. Dafür suchen Arbeiter und Co. nicht mehr nach Sportlern, die aus dem Rudermetier kommen. „Wir wollen einfach Menschen dabei haben, die Sportler sind. Wir haben nun unter anderem Speerwerfer oder Basketballer in unseren Reihen.“

SPORTBUZZER Legenden des Jahrzehnts - Hannover All Sports Team

Das bedeutet auch: Für die kommenden Jahre verlieren die Hannoveraner das Prädikat Spitzenteam in Deutschland. Arbeiter: „Mir macht es keine Angst, dass wir nun den Erfolgen der vergangenen Jahre hinterherlaufen. Wir haben immer noch einen Namen und werden nicht aufgeben. Für uns ist das jetzt eine riesige Chance.“

Bis zur nächsten Möglichkeit, sich als neues Team zu beweisen, braucht es Geduld. Die deutschen Meisterschaften wurden in den September verschoben. Ob sie stattfinden können, ist unsicher. Auch das jährliche Drachenbootfestival am Maschsee an Pfingsten wurde zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Immerhin: Um das 100-jährige Vereinsbestehen zu feiern, soll die deutsche Langstreckenmeisterschaft im Oktober nach Hannover verlegt werden. Die Planungen dafür laufen.

Bis zum nächsten großen Titel kann es wohl noch etwas dauern. Arbeiter ist sich trotzdem sicher: „Wenn wir so zwei bis drei Jahre so durchziehen, ein paar Neue dazubekommen und uns verbessern, dann können wir auch wieder Titel holen.“ Dann könnte er selbst nicht mehr als Aktiver dabei sein. „Eigentlich wollte ich schon im vergangenen Jahr aufhören. Aber ich will noch eine deutsche Meisterschaft miterleben.“ Danach, sagt er, kann er sich auch die Rolle eines Trainers gut vorstellen.