12. Februar 2021 / 16:57 Uhr

Meister-Sprünge in die Graft? Das wollen die Frauen des DHC nur zu gern mal wiederholen

Meister-Sprünge in die Graft? Das wollen die Frauen des DHC nur zu gern mal wiederholen

Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Lacrosse-Spielerinnen des DHC Hannover sind deutschlandweit ganz vorn dabei.
Die Lacrosse-Spielerinnen des DHC Hannover sind deutschlandweit ganz vorn dabei. © Maike Lobback
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Zwischen 2012 und 2016 sind immer die Lacrosse-Frauen des DHC Hannover deutscher Meister geworden. Das sind fünf gute Gründe dafür, dass sie bei der SPORTBUZZER-Wahl für die Legenden des Jahrzehnts in der Kategorie Mannschaften nominiert worden sind. Ihr kurioses Ritual: der Siegersprung mit Pokal in die Graft.

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Anna Blank erinnert sich ganz genau an den Juni 2014. In den letzten Einheiten vor dem großen Finale der deutschen Lacrosse-Meisterschaft wurde es laut. Ihr Trainer drehte die Boxen auf dem Gelände des DHC Hannover auf. „So sollten wir ein Gespür dafür bekommen, was uns in München erwartet“, erklärt sie. Es war eine ganz besondere Vorbereitung auf das Duell mit dem Dauerrivalen München. Der wiederum hatte das Finale dahoam. Blank und ihre Mitspielerinnen ließen sich nicht beeindrucken und gewannen das Endspiel.

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Es war der dritte Meistertitel in Folge für das Team. 2015 und 2016 folgten die Titel vier und fünf. Eine Tradition, die immer eingehalten wurde: Nach jeder gewonnenen Meisterschaft sprang das Team gemeinsam mit dem Pokal in die Graft zum Baden. Nach 2016 verloren die DHC-Frauen zweimal im Finale, einmal wurden sie Dritter. Nach einem Jahrzehnt voller Erfolge steht die Truppe zur Wahl als Team des vergangenen Jahrzehnts.

Alles über die Legendenwahl

Die Dominanz der Lacrosse-Frauen aus Hannover hat sich in den vergangenen Jahren etwas gelegt. Der größte Konkurrent aus München gewinnt seit 2017 die Finalspiele um die deutsche Meisterschaft. Im vergangenen Jahr fand coronabedingt kein Titelkampf statt. Auch in diesem Jahr könnte es wohl nur auf Freundschaftsspiele im Spätsommer hinauslaufen. Blank: „Jeder von uns wäre glücklich, wenn wir endlich wieder spielen könnten.“ Im Hintergrund wird bereits fleißig an der Zukunft des Sports gebastelt. Die Entscheidungen könnten weitreichende Folgen haben, mit der sich die DHC-Frauen neu erfinden müssten.

Verband plant riesige Veränderungen

Der Verband hat die Vision, dass Lacrosse eines Tages olympisch wird. Für dieses Vorhaben sollen die Spielregeln nach und nach verändert werden. Die Idee: Irgendwann sollen nur noch zehn bis zwölf Akteure auf dem Feld stehen (aktuell sind es 20), eine Vollbande soll den Spielfluss fördern. Nach einem Treffer soll direkt per Abstoß weitergespielt werden. Zudem soll eine Shot-Clock eingeführt werden, die dem angreifenden Team signalisiert, wie viele Sekunden noch auf der Uhr sind, bis ein Abschluss erfolgen muss.

Das alles ist noch Zukunftsmusik. Doch Blank, die seit einem Jahr selbst im Athletengremium des Verbandes mitwirkt, ist sich sicher, dass es bald andere Regeln geben wird: „Das ist eine riesige Veränderung. Aber ich denke, das wird auf jeden Fall kommen. Ich denke, Lacrosse kann frühestens 2028 olympisch werden.“ Der DHC nimmt die Pläne zumindest positiv auf. „Ich sehe da eher Vorteile. Das wird super schnell. Wir werden gezwungen sein, schneller zu denken“, so die 32-Jährige.

Zunächst einmal denkt Kapitänin Blank aber an die Zukunft ihrer Mannschaft. Einige Spielerinnen haben das Team verlassen. Die Sportlerinnen, die dazugekommen sind, brauchen Zeit, bis sie auf das Niveau gelangen, um deutsche Meisterschaften zu gewinnen.

SPORTBUZZER Legenden des Jahrzehnts: DHC Hannover

Die Möglichkeit, um sich sportlich weiterzuentwickeln, fehlt aber aktuell. Im Februar 2020 gab es das letzte Freundschaftsspiel, damals gegen Berlin. Seitdem ruht der Sport, bei dem man mit einem Schläger mit kleinem Netz einen Hartgummiball in ein Tor befördern muss. Ein Trainer fehlt der Mannschaft auch. Der DHC sucht in Kanada und in den USA nach einem Coach, mittlerweile auch in Deutschland.

Bei Onlinechallenge schon wieder ganz vorn

Immerhin: Mindestens einmal pro Woche trifft sich das Team zum gemeinsamen Onlineathletiktraining. Einige Nationalspielerinnen des Teams haben zuletzt auch ein digitales Trainingslager absolviert. „An eine richtige Vorbereitung denkt bei uns trotzdem keiner“, sagt Blank. Stattdessen erinnert sie gerne an die Teamerfolge der vergangenen Jahre.

Ein Meistertitel nach dem nächsten: Kann das bald wiederholt werden oder hat Rivale München für die kommenden Jahre die Nase vorn? „Wir sind in den Aufbaujahren“, sagt Blank. „Aber unser Team ist unheimlich ehrgeizig.“ Im vergangenen Sommer hat das Team so immerhin die Onlinechallenge des Verbandes gewonnen, bei der Punkte mit Liegestützen oder Kniebeugen gesammelt werden mussten.