12. Februar 2021 / 16:59 Uhr

Aus der Kneipe an die Spitze: Waspo 98 hat's geschafft - und ist weiter erfolgsdurstig

Aus der Kneipe an die Spitze: Waspo 98 hat's geschafft - und ist weiter erfolgsdurstig

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sie feiern gern, wie hier im Juni 2018. Und sie hatten in den vergangenen Jahren reichlich Grund zum Feiern: die Wasserballer von Waspo 98.
Sie feiern gern, wie hier im Juni 2018. Und sie hatten in den vergangenen Jahren reichlich Grund zum Feiern: die Wasserballer von Waspo 98. © Florian Petrow
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2007 wollte die Konkurrenz Hannovers Wasserballer fallen sehen. Sie fielen nicht, sondern stürmten unaufhaltsam an die nationale Spitze. Waspo 98 hat in den Folgejahren einen Titel nach dem anderen gefeiert - und ist deswegen Kandidat bei der SPORTBUZZER-Wahl für die Legenden des Jahrzehnts.

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Den Entschluss, die Weichen neu zu stellen, haben sie 2007 in einer Bahnhofskneipe gefasst. Karsten Seehafer und Bernd Seidensticker saßen dort und grübelten. Sie hatten mit den Wasserballern von W 98/Waspo eine sehr knifflige Pokalaufgabe bei Hellas Hildesheim vor sich. „Die wollten uns fallen sehen. Nicht nur die Hildesheimer, sondern die meisten Konkurrenten“, sagt Seehafer, der mit Seidensticker damals ein Trainerduo bildete. „Der Druck auf uns war sehr hoch. Da haben wir beschlossen, jetzt legen wir den Schalter um. Wenn das gut geht, greifen wir an“, so Seehafer.

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Mit einer unerfahrenen Mannschaft siegte W 98/Waspo nicht nur, sondern kam förmlich wie eine Sturmflut über die Hildesheimer, 17:5 hieß es am Ende. „Es war wirklich so, die Halle war proppenvoll, die Leute wollten unsere Beerdigung sehen“, sagt Seidensticker, Präsident der inzwischen zu den Wassersportfreunden 98 fusionierten Vereine, „aber am Ende sind viele schon früher gegangen.“

Alles über die Legendenwahl

Junges Team, sehr gut trainiert, unbekannte Namen – daran erinnert sich Seehafer noch bestens. „Aber wir waren an der Leistungsgrenze, es musste also etwas passieren.“ Und so begann Waspo, sich vorsichtig in fremde Gewässer zu wagen. Der erste namhafte Wechsel war der des Berliners Roger Kong. Und die Mannschaft wurde international, es kamen der Ungar Bence Toth und der Amerikaner Cole Bitter.

„So leicht war das nicht, es gab und gibt ja keine Spielerberater, so viel Geld steckt nicht im Wasserball“, sagt Seidensticker und berichtet von einem Schlüsselmoment, den er viel früher erlebte, im Jahr 2000. Waspo hatte die Nationalspieler Marc Politze und Sören Mackeben an Rekordmeister WF Spandau 04 verloren. Seidensticker telefonierte deswegen mit Spandau-Präsident Hagen Stamm, beide verbindet längst eine innige Abneigung. „Er hat gesagt, dass wir mit unserem unprofessionellen System keine Chance haben. Ich sage es nur ungern, aber damit hatte er recht. Ohne Geld geht es nicht, leider.“ 


"Wir müssten etwas verändern, um nicht zu verschwinden"

Waspo begann vor rund zehn Jahren, mehr zu investieren. Etliche Spieler arbeiten in Seehafers Firma, der Hanomag-Lohnhärterei. „Wir mussten etwas verändern, um nicht zu verschwinden. Diese Gefahr be­stand“, so Seidensticker. Seit 2010 hat es Waspo stets in die Halbfinal-Play-offs um den Titel geschafft. Zudem gab es einen Pokalhattrick (2017 bis 2019) und die Meistertitel 2018 und 2020.

Immer dabei: Konditionstrainer Karl-Heinz Windt und Betreuer Bernd Eckert. „Wir vertrauen uns blind, da ist eine tiefe Freundschaft entstanden“, sagt Seehafer. Und Seidensticker ergänzt: „Du lernst die Leute wirklich erst kennen, wenn du unten bist. Wir vier haben zu­sam­men viel durchgemacht. Es war schwer, aber wir sind zusammen nach oben gekommen.“

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Viel änderte sich bei Waspo mit der Verpflichtung des Montenegriners Predrag Jokic, dem Welt- und Europameister, der in einigen Jahren Seehafers Rolle als Cheftrainer übernehmen sollte. 2014 unterschrieb er bei Waspo. „Das war ein großer Sprung. Ein Weltklassemann bei uns, das hat den Weg zu vielen weiteren Wechseln geebnet. Ein Darko Brguljan wäre nie gekommen, wenn Predrag abgeraten hätte“, sagt Seehafer.

Über die Jahre entstand in der Nordstadt eine „Waspo-Niederlassung“, etliche Spieler wohnten in einem Block. Und 2018 fuhren dann alle immer um den Block: mit einem Einkaufswagen, darin alle drei deutschen Trophäen. Waspo 98 holte erstmals das Triple und feierte wild auf der Limmerstraße. „Unvergesslich großartig, davon bekommen wir nicht genug“, betont Seidensticker und macht gleich noch eine Kampfansage: „Wir feiern unsere Titel natürlich ebenso gern in Berlin.“ 

Sein Freund Seehafer formuliert den Blick in die Zukunft so: „Wir haben viele Brocken aus dem Weg räumen müssen auf dem Weg unter die besten zehn bis 20 Teams in Europa. So schnell kriegt man uns da nicht wieder weg.“