12. Februar 2021 / 17:03 Uhr

"Durfte Traum 18 Jahre leben": Anna-Lena Grönefeld hat die (Tennis-)Welt erfolgreich bereist

"Durfte Traum 18 Jahre leben": Anna-Lena Grönefeld hat die (Tennis-)Welt erfolgreich bereist

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Abschluss ist in China erfolgt - jetzt steht für Anna-Lena Grönefeld die Familie im Vordergrund. In Hannover.
Der Abschluss ist in China erfolgt - jetzt steht für Anna-Lena Grönefeld die Familie im Vordergrund. In Hannover. © IMAGO/ZUMA Press
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Im Einzel war sie die Nummer 14 der Weltrangliste, im Mixed gewann sie die French Open und Wimbledon. Und: Sie hat die Welt gesehen. Kein Wunder, dass Anna-Lena Grönefeld sagt: "Ich durfte diesen Traum 18 Jahre lang leben." Und kein Wunder, dass das Tennis-Ass bei den SPORTBUZZER Legenden des Jahrzehnts zur Wahl steht.

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Ende 2019 ging ihr letzter Traum in Erfüllung. Sie erreichte mit ihrer niederländischen Partnerin Demi Schuurs das WM-Halbfinale im chinesischen Shenzhen. „Ein Superabschluss. Ich möchte jetzt auch eine Familie gründen, je älter man wird, desto schwerer wird es. Es ist eine gute Zeit, um jetzt aufzuhören. Das Leben aus dem Koffer hat damit ein Ende“, sagte die Weltklasse-Tennisspielerin Anna-Lena Grönefeld damals.

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Die heute 35-Jährige hat eine grandiose Karriere hingelegt. Sie war die Nummer 14 der Damenweltrangliste im Einzel, kon­zen­trier­te sich aber seit dem Jahr 2012 ausschließlich auf Doppel und Mixed. Im Mixed gewann sie die French Open und Wimbledon.

Alles über die Legendenwahl

Wimbledon-Siegerin mit Mark Knowles von den Bahamas – ihr Name ist auf den Mauern am Centre-Court verewigt. „Zwei Grand-Slam-Siege, das sind natürlich Erfolge, die man für immer hat. Und das macht mich auch stolz“, sagt sie. Und: „Ich durfte diesen Traum 18 Jahre lang leben. Mit 16 Jahren habe ich die Entscheidung getroffen, mit der Schule aufzuhören. Da wurde es dann Realität, dass Tennis mein Leben ist.“

Es ging dann auch rasant die Rangliste rauf. Mit 19 Jahren war sie das erste Mal in den Top 20. Aber für den Erfolg musste sie auch auf vieles verzichten. „Tennis und Schule hätte ich nicht mehr geschafft. Meine Eltern haben mir die Wahl gelassen und mich unterstützt. Glücklicherweise hat es sich gelohnt.“ Allerdings: „Wenn meine Freunde am Wochenende feiern waren, war ich auf Turnieren. So was fällt ein bisschen aus. Auf der anderen Seite habe ich die Welt gesehen und viel fürs Leben gelernt.“

Heimisch geworden in Hannover

Grönefeld hat als Jugendliche alle Förderstationen des damaligen Tennisverbandes Niedersachsen-Bremen (TNB) durchlaufen. In der Saison 2003 war sie Weltranglistenerste der Juniorinnen im Einzel und Doppel. Sie ist seit 2018 mit Ingo Herzgerodt verheiratet, der Trainer an der Tennis-Base Hannover ist: „Wir wünschen uns Nachwuchs.“ Sie haben gerade in Hannover ein Haus gekauft. Klar, dass Grönefeld auch an der Base arbeitet, ihr Wissen an die jungen Talente weitergeben will. In Corona-Zeiten „haben wir hier ja das Glück, dass in Niedersachsen Einzeltraining für Kaderathleten erlaubt ist“. 

Was bleibt noch von der Karriere? Sie hat mal mit Martina Navratilova Doppel gespielt. „Eine Riesenerfahrung, als sie mich gefragt hat, habe ich sofort Ja gesagt. Sie war zu diesem Zeitpunkt schon Ende 40. Wie professionell und fokussiert sie war – das hat mich beeindruckt.“

SPORTBUZZER Legenden des Jahrzehnts: Anna-Lena Grönefeld

Wie kam es eigentlich dazu? Grönefeld erzählt: „Ich war auf einem Turnier – und da habe ich eine ­E-Mail von Martina.N bekommen.“ Sie spielten zusammen in Wimbledon und bei den US Open. Im Mixed hatte Grönefeld auch Tommy Haas und Nicolas Kiefer an ihrer Seite, „beide unfassbare Tennisspieler“. Mit Tennisspielen hat Grönefeld ein Preisgeld von mehr als 4 Millionen US-Dollar verdient. „Ich muss und will aber noch arbeiten und mich nicht auf die faule Haut legen.“

"Wir sollten auf die Jugend bauen"

Der Corona-Lockdown könnte auch dem Tennis Talente kosten, meint sie: „Die 17- bis 18-Jährigen, die sich hochgearbeitet haben, verlieren natürlich wichtige Erfahrungswerte. Hoffentlich bleiben die weiter dabei. Die Match-Praxis und die sozialen Kontakte fehlen.“

Und wie steht’s insgesamt um die deutschen Tennisspielerinnen? „Es gibt eine kleine Lücke nach der jetzigen Generation. Wir sollten auf die Jugend bauen und denen ein bisschen Zeit geben.“ Es werde „auch mal ein paar Jahre geben, wo es ein bisschen dünner im deutschen Damentennis aussieht“. Aber: „Es wird gut gearbeitet, hoffentlich schließt sich die Lücke schnell.“