12. Februar 2021 / 17:19 Uhr

Schlag auf Schlag: Schaeper bringt es nach oben - und Kanupolo Aufmerksamkeit

Schlag auf Schlag: Schaeper bringt es nach oben - und Kanupolo Aufmerksamkeit

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Svenja Schaeper in ihrem Element. Die Athletin gehört zu Deutschlands besten Kanupolospielerinnen.
Svenja Schaeper in ihrem Element. Die Athletin gehört zu Deutschlands besten Kanupolospielerinnen. © H&P Bonk/Berlin
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Mit sechs Jahren ist sie das erste Mal zum Kanupolotraining gegangen, zwei Jahrzehnte später ist Svenja Schaeper Welt- und Europameisterin. Sie hat es in die Weltspitze geschafft - und ihrem Sport Aufmerksamkeit verschafft. Jetzt steht sie bei den SPORTBUZZER Legenden des Jahrzehnts zur Wahl.

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Es muss ja nicht immer Gold sein. Ob es ihre wichtigste Auszeichnung war, sei einmal dahingestellt. Doch dass nach einer Internetrecherche ein gemeinsames Foto mit dem deutschen Staatsoberhaupt von der Suchmaschine ausgespuckt wird, kann nicht jeder von sich behaupten. Svenja Schaeper schon.

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Im Oktober 2017 nahmen sie und sechs Kolleginnen der deutschen Kanupolo-Nationalmannschaft von Frank-Walter Steinmeier das Silberne Lorbeerblatt entgegen. Dabei handelt es sich um „die höchste staatliche Auszeichnung für sportliche Spitzenleistungen in Deutschland“, wie auf bundespraesident.de zu lesen ist. Und just von dieser Internetseite stammt auch das Foto, auf dem Schaeper und Steinmeier zusammen in die Kamera strahlen. „Kanupolo hat ja nicht unbedingt die größte Aufmerksamkeit“, sagt Schaeper. „Und wenn es dann mal so etwas Offizielles gibt, ist es schön und von außen betrachtet sehr besonders.“

Alles über die Legendenwahl

Aber die mit dem Paddel errungenen Medaillen stehen in der persönlichen Gunst der im Stadtteil Waldheim aufgewachsenen Athletin noch über der Feierstunde im Berliner Schloss Bellevue. Wobei: So richtig trennen lässt sich beides ohnehin nicht voneinander, denn die aus 935er-Silber gefertigte Brosche bekam Schaeper schließlich für ihren bislang größten sportlichen Erfolg: Gold bei den World Games im polnischen Breslau etwa zweieinhalb Monate vor dem Empfang im Amtssitz des Bundespräsidenten.

„Ein Highlight“, schwärmt Schaeper, „alleine, weil die World Games nur alle vier Jahre stattfinden.“ Alle nicht olympischen Sportarten dürfen sich hier messen. Und als es darauf ankam, ließen die deutschen Frauen keinen Zweifel daran, wer als Sieger vom Feld – wie es beim Kanupolo trotz des nassen Untergrundes heißt – gehen wird. In der Vorrunde noch mit 2:3 und 3:4 gegen Weltmeister Neuseeland sowie Frankreich unterlegen, fuhren sie in der K.-o.-Runde hoch. Weder Neuseeland (6:1-Halbfinalsieg der Deutschen mit zwei Schaeper-Treffern) noch die Französinnen im Endspiel (5:0) standen entscheidend im Weg.

Kein gänzlich neues Gefühl

„2017 lief es tatsächlich ganz gut“, sagt die heute 25-Jährige bescheiden. Denn neben dem Triumph bei den Weltspielen gewann Schaeper, die in Osnabrück Grundschullehramt mit den Fächern Sport und Mathematik studiert, im Nationaltrikot auch die Europameisterschaft in Frankreich und wurde Bundesliga-Torschützenkönigin. Das Gefühl, bei großen Turnieren ganz oben zu stehen, war ihr allerdings nicht neu. Bereits 2015 hatte sie den EM-Titel feiern dürfen, war zudem mit der U21 zweimal Weltmeisterin (2012 und 2014) sowie dazwischen Junioren-Europameisterin geworden. 2018 ging auch der WM-Titel bei den Frauen an Deutschland. Aufbauspielerin Schaeper durfte in Kanada nicht fehlen.

Im selben Jahr kehrte sie nach zwischenzeitlicher Station bei der KG List zu ihrem Heimatklub RSV Hannover zurück, wo sie stellvertretende Leiterin der Kanuabteilung ist und bei dessen Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse sie unlängst mithalf. „Ich wurde quasi in den Verein hineingeboren“, sagt Schaeper. Auch ihr Bruder Finn – ebenfalls früher Nationalspieler – sowie die Eltern Rabea und Frank sind dort aktiv.

SPORTBUZZER Legenden des Jahrzehnts: Svenja Schaeper

Und der Schein trügt nicht. „Es ist ein Familienverein“, sagt Schaeper. „Mit sechs Jahren bin ich das erste Mal zum Kanupolotraining gegangen.“ Früh anzufangen empfiehlt sich tatsächlich: „Es ist ein sehr anspruchsvoller Sport, und es dauert entsprechend lange, bis man ihn beherrscht.“ Denn die zwei Meter über dem Wasser angebrachten Tore hängen auch im Schülerbereich nicht niedriger. „Das erste Mal als Kind das Tor zu treffen ist das erste große Highlight“, sagt Schaeper und lacht. Wenn auch die Erinnerungen an ihre eigene Premiere eher vage sind. Nur so viel: „War ein echt schönes Gefühl!“

Hauptsache, nass

Und so war Svenja von klein auf fasziniert vom Kanupolo, doch exklusiv darauf festlegen mag sie sich doch nicht. „Ich fahre im Urlaub auch gerne im Wildwasser oder Kanu-Freestyle“, erzählt sie. Hauptsache, nass. Wobei ihr Verein etwas Etikettenschwindel betreibt. „Rasensportverein Hannover“? Kurioser Name, die Umbenennung nach dem Zweiten Weltkrieg vom Reichsbahn-Sportverein brachte diesbezüglich keine Annäherung. Schaeper lacht – und setzt gleich noch einen obendrauf. Streng genommen müsste es „Kajakpolo“ heißen, wirft sie ein. Weil Kajaks im Gegensatz zu Kanus geschlossen sind und mit Doppelpaddeln angetrieben werden. Sei es drum, die spektakulären 360-Grad-Eskimorollen legen die Kanupolospielerinnen so oder so hin – egal, wie man die Disziplin nun nennt.

Damit die aus Carbon gefertigten Gefährte (Anschaffungskosten: mehr als 2000 Euro, Schaeper setzt auf den Hersteller Lettmann: „Die ersten Kratzer tun immer ein bisschen weh“) nicht zum U-Boot werden, ist ein wasserundurchlässiger Ab­schluss rund um die Insassin einfach unabdingbar. Kentern ist somit ausgeschlossen. Auch bei der anstehenden Legendenwahl mag die Trophäensammlerin keine Schlagseite bekommen. Und wenn es nicht zu Platz eins reichen sollte? „Ich mache das ja nicht, um an alle Titel einen Haken zu machen“, sagt Schaeper, „sondern vor allem, weil es mir Spaß macht.“

Und wie gesagt: Es muss ja gar nicht immer Gold sein. Die nächsten World Games in den USA wurden mittlerweile um ein Jahr auf 2022 verschoben. Das Silberne Lorbeerblatt kann man übrigens auch mehrfach erhalten.