04. Juni 2019 / 14:30 Uhr

SPORTBUZZER-Meinung: Rangnick hinterlässt ein bestelltes Feld - und Fragen

SPORTBUZZER-Meinung: Rangnick hinterlässt ein bestelltes Feld - und Fragen

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Fußball: Bundesliga, Bayern München - Borussia Dortmund, 28. Spieltag am 08.04.2017 in der Allianz Arena in München (Bayern). Sokratis (l) und Marcel Schmelzer von Dortmund diskutieren nach Spielende miteinander. (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) Foto: Andreas Gebert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Ralf Rangnick wird nicht mehr täglich für RB Leipzig da sein. © dpa
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Nur noch Berater statt aktiver Macher: Ralf Rangnick verabschiedet sich zum 30. Juni aus dem Tagesgeschäft bei RB Leipzig. Als „Head of Sport und Development Soccer“ von Red Bull soll er sich künftig vor allem um die Standorte in New York und Bragantino (Brasilien) kümmern. Für den SPORTBUZZER kommentiert Guido Schäfer diese Entwicklung.

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Zäsur, Zeitenwende, Ende einer Ära. Auch und vor allem ein wohlfeil verpackter Abschied mit rosaroter Schleife: Ralf Rangnick steht ab 1. Juli nicht mehr auf der Payroll von RB Leipzig, sondern auf der des Red-Bull-Konzerns. Nach sieben ereignisreichen (Aufbau-)Jahren, vier Aufstiegen, drei Qualifikationen für Europa, einem DFB-Pokal-Finale, zig unvergessenen Momenten. Rangnick ist beziehungsweise war Mister RB Leipzig. Rangnick hat RB gemacht. Rangnick hat dem Verein eine Philosophie und ein Gesicht gegeben. Rangnick hat sein Baby gehegt, gepflegt, beidfüßig erzogen, ihm Flausen ausgetrieben, mit viel Liebe und auch harter Hand den Pfad der Tugend gewiesen.

Jetzt räumt der erfolgsbesessene Ehrgeizling und Bessermacher sein Büro am Cottaweg, entschwindet in der Tiefe des US-amerikanischen und brasilianischen Raumes, soll die bisher gegen null gehenden Synergieeffekte der Red-Bull-Standorte nach vorne bringen. Der Ansatz einer segensreichen Kooperation mit anderen Clubs und Ländern hat Charme und bringt - erinnert sei ans Duett Salzburg/Leipzig - im Idealfall einen Wettbewerbsvorteil.

DURCHKLICKEN: Rangnicks Karriere bei RB Leipzig in Bildern

Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. Zur Galerie
Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. ©
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Kann Rangnick die Monsteraufgabe am Big Apple und am Zuckerhut leisten? Natürlich. Ein Mann, der einen in der Regionalliga irrlichternden und bundesweit belächelten Club salonfähig gemacht hat, kann nahezu alles. Aber will er das wirklich? Kann ein wie Rangnick gestrickter Mensch und Anführer von der Macht und Gestaltungsfreiheit lassen und jahrelang im Hintergrund wirken? Reicht es Rangnick, seinen Nachfolgern Julian Nagelsmann und Markus Krösche Mails zu schreiben oder ihnen telefonisch als Mentor beizustehen? Ja. Sagt Rangnick. Nein, sagen die, die ihn näher kennen.

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Fakt ist: Die Zäsur war eingedenk der Gemengelage und fähig-ambitionierten neuen Mitspielern alternativlos. Nagelsmann/Krösche hätten mit Mister RB Leipzig im Nacken nicht viel Freude an ihrem Tun gehabt. Nach zwei, drei Niederlagen am Stück wäre überm Cottaweg der riesige Schatten des Ralf Rangnick aufgetaucht.

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Wie geht‘s für RB Leipzig weiter? Rangnick hat ein bestelltes Feld hinterlassen, der Verein ist personell, strukturell und nicht zuletzt finanziell glänzend aufgestellt. Die Kräftverteilung im Verein wird eine andere sein. Gut möglich, dass der eine oder andere ohne den Übervater Rangnick noch mehr aus sich und damit dem Club macht.

Dass Rangnick bis ans Ende seiner beruflichen Tage im Jet sitzt und zwischen den Kontinenten umherfliegt, ist ausgeschlossen. Das Fachorgan Kicker schreibt, dass der Cheftrainer, Chefplaner und Visionär ab sofort wieder im Schaufenster steht. Dem schließen wir uns vollumfänglich an. Man ist geneigt, Ralf Rangnick das Beste zu wünschen. Und man ist geneigt, Danke zu sagen.

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