15. März 2020 / 18:32 Uhr

Sportdirektor Toni Rieger lobt "herausragenden Teamgeist"

Sportdirektor Toni Rieger lobt "herausragenden Teamgeist"

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Der 3:2-Sieg gegen Schwerin war der Saison-Höhepunkt.
Der 3:2-Sieg gegen Schwerin war der Saison-Höhepunkt. © Gerhard Pohl
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Nach dem Abbruch des Spielbetriebs ist die Saison für die Volleyballerinnen des SC Potsdam vorzeitig beendet. SCP-Sportdirektor Toni Rieger spricht im Interview über das plötzliche Ende, bilanziert die erfolgreiche Spielzeit und versucht, einen Ausblick zu geben.

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Aufgrund des Coronavirus wurde die Saison in der Volleyball-Bundesliga vor dem letzten Hauptrundenspieltag abgebrochen. Toni Rieger (43), Sportdirektor des SC Potsdam, spricht im Interview über das plötzliche Ende, bilanziert die erfolgreiche Spielzeit und versucht, einen Ausblick zu geben.

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Wie ist die Entscheidung, die Saison abzubrechen und keinen Meister zu küren, gefallen?

Wir hatten mit der Volleyball Bundesliga eine Telefonkonferenz. Darin haben wir uns dafür ausgesprochen, den letzten Spieltag noch mit Spielen ohne Zuschauer zu beenden. Das hat auch die Mehrheit der Vereine der Frauen-Bundesliga so gesehen. Wie bei den Männern abgestimmt wurde, kann ich nicht sagen. Später hat dann aber die Volleyball Bundesliga entschieden, die Saison sofort abzubrechen. Am Ende muss ich aber sagen, es ist die richtige Entscheidung. Sicher wäre es schön gewesen, die Hauptrunde noch zu Ende zu spielen. Denn die Satzung hätte es zugelassen, danach den Meister zu küren. Vielleicht hätte man insgesamt früher reagieren können, den Spieltag eher durchführen können. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

Welche Schlussfolgerungen würden Sie daraus derzeit ziehen?


Auf jeden Fall muss es eine Schlussfolgerung für die Zukunft sein, dass man solche Szenarien im Auge hat und dafür bereits Regularien findet. Wenn zum Beispiel 80 oder 90 Prozent der Saison gespielt sind und sie muss aus irgendeinem Grund abgebrochen werden, dass man dann trotzdem Meister, Europapokalplätze und Absteiger festlegt.

So viele Punkte wie noch nie

Der SC Potsdam hatte nie zuvor 43 Punkte in einer Hauptrunden-Saison geholt und Platz drei belegt. 2016/17 waren es 42 Punkte aus 22 Spielen und Platz vier. Im Vorjahr 39 Punkte aus 22 Spielen und Platz vier. War die erfolgreichste Saison nun für die Tonne?

Auf keinen Fall. Nur soviel noch zu den Zahlen. Würde man die sechs Punkte aus den beiden Spielen gegen den VC Olympia Berlin hinzunehmen, die es in dieser Saison nicht mehr gab, wären es sogar 49 Punkte. Wir sind sehr stolz auf das, was wir erreicht haben. Wir fühlen uns auch als Dritter. Diesen Platz haben wir uns von den Punkten her verdient. Da hätte auch der letzte Spieltag nichts mehr daran geändert. Wir haben erstmals im Europapokal zwei herausragende Spiele gegen Dinamo Kazan absolviert Das gesamte Team hat den Umbruch sehr gut gemeistert. Auch mit dem Trainerteam hat alles funktioniert.

Nach dem Weggang von Topscorerin Marta Drpa haben viele mit einem Leistungsabfall gerechnet. Das Gegenteil ist eingetreten. Wie erklären Sie sich das?

Wir wollten schneller spielen, Brittany Abercrombie hat das auf der Diagonalposition umgesetzt. Dazu kam, dass wir auch auf Annahme-Außen breiter aufgestellt waren. Wir wussten ja, dass Laura Emonts nach ihrer Pause vorher ein bisschen Zeit benötigen würde. Aber zuletzt war sie absolut stark. Antonia Stautz hat sicher ihre bisher beste Saison gespielt. Auch Ana Escamilla ist nach ihrem tiefen Fall aufgrund einer Fußverletzung zurückgekommen. Das abschließende Spiel gegen Schwerin hat gezeigt, was möglich ist. Umso bitterer ist es für uns, dass die Playoffs nicht stattfinden. Die Mannschaft hatte einen Lauf. Und wir haben gesehen, dass alle zwölf Spielerinnen wichtig sind. Nach der Verletzung von Valerie Nichol hat Denise Imoudu gezeigt, was sie drauf hat. Wir hatten noch nie zwei so gute Zuspielerinnen. Auch Natalie Wilczek hatte wenig gespielt, aber in Vilsbiburg, als sie plötzlich gebraucht wurde, ihre Sache total super gemacht. Da kann man nur den Hut davor ziehen.

3:2-Sieg gegen Schwerin der Höhepunkt

Das größte Plus war sicherlich der Teamgeist.

Auf alle Fälle. Wie wir in Vilsbiburg die neun Punkte Rückstand aufgeholt haben oder wie wir trotz des ersten Satzes gegen Schwerin, wo wir eine 21:11- , also eine Zehn-Punkte-Führung, im ersten Satz noch aus der Hand gegeben und dann am Ende trotzdem noch das Spiel gewonnen haben, sind nur zwei Beispiele dafür, dass wir einen herausragenden Teamgeist haben.

Was war für Sie der Saisonhöhepunkt?

Ganz klar der 3:2-Sieg gegen Schwerin. Da war alles perfekt vom Spielverlauf über fünf Sätze bis zum vollen Haus. Die Tickets waren noch nie so früh weg. Wir hatten eine Bombenstimmung. Das war das geilste Ligaspiel, was ich je mit dem SC Potsdam erlebt habe, obwohl es kein Meisterschafts- oder Pokalhalbfinale war. Aber auch gleich das erste Spiel mit dem 3:1-Sieg in Dresden war total wichtig.

Der Zuschauerschnitt in der MBS-Arena lag bei 1197, auch das ist ein Rekord. Wie beurteilen Sie das?

Das zeigt ja, dass die Fans den Erfolg honorieren. Das Standing bei den Sportfans hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Das nehmen wir mit als Ansporn für die nächste Saison. Wir waren in dieser Saison auch sehr heimstark, haben nur zwei von zehn Spielen verloren.

Tränenreiches Ende

Wie geht es nun weiter?

Als was wir am Freitag der Mannschaft den Abbruch der Saison durch die Volleyball Bundesliga mitgeteilt haben, sind Tränen geflossen. Alle haben sich perfekt vorbereitet gefühlt für die Playoffs. Ich bin mir sicher, da wäre noch was passiert.

Gibt es bereits Personalplanungen für die nächste Saison?

Damit befassen wir uns jetzt. Der Vertrag mit dem Trainer wurde bereits im Januar bis 2021 verlängert. Damals haben wir das noch stillschweigend getan. Wir reden in den nächsten Tagen mit den Spielerinnen, die aber nächste Woche alle erst einmal nach Hause reisen, wenn sie aus dem Ausland sind.

Wissen Sie schon, wann die nächste Saison startet?

Nein, der Rahmenterminplan steht noch nicht. Jetzt geht es auch für uns erst einmal darum, den Schaden aus der abgebrochenen Saison aufzuarbeiten. Uns sind aufgrund der ausgefallenen Playoffs mindestens 40 000 Euro plus Prämien verloren gegangen. Ich hoffe, Stadt und Land unterstützen uns. Auch wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, schaffen Arbeitsplätze und kämpfen mit den Folgen der Corona-Krise. Auch mit unseren Sponsoren müssen wir reden. Die Situation ist für alle nicht einfach.