03. Juli 2019 / 10:27 Uhr

Helmut Rahn, Sonderzüge, 25.000 Fans: Die fast vergessene Geschichte der Sportfreunde Katernberg

Helmut Rahn, Sonderzüge, 25.000 Fans: Die fast vergessene Geschichte der Sportfreunde Katernberg

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Helmut Rahn spielte im Essener Stadtteil Katernberg, bevor er Deutschland 1954 zum Weltmeistertitel schoss.
Helmut Rahn spielte im Essener Stadtteil Katernberg, bevor er Deutschland 1954 zum Weltmeistertitel schoss. © imago images / Horstmüller, Krus, Privat
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Einst spielte der legendäre Helmut Rahn bei den Sportfreunden Katernberg. Heute verwaltet der Nachfolgeverein das große Erbe.

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Die rote Asche erinnert an die glorreichen Zeiten im Stadion Am Lindenbruch. Doch die Tore auf der Sportanlage im Essener Norden sind abgebaut, das Schild mit dem Logo der Sportfreunde Katernberg über dem Eingangstor ist abgehängt. „Was damals hier los war: 25.000 Zuschauer am Platz, ringsherum nur eine Böschung, keine Treppen. Sogar die Züge hielten an, damit die Leute von den Dächern aus zuschauen konnten“, erinnert sich Alfred Kasperski. Die Augen des 82-Jährigen strahlen, wenn er die Geschichten von früher erzählt.

"Sogar die Züge hielten an, damit die Leute von den Dächern zuschauen konnten"

Früher, das war Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre. Damals gehörten die Sportfreunde zu den besten Mannschaften Deutschlands. Der Verein war der wichtigste Fußball-Repräsentant in Essen. „Von Rot-Weiss oder Schwarz-Weiß sprach damals kein Mensch“, betont Kasperski.

Sportfreunde Katernberg: Zu Besuch beim Ex-Klub von Helmut Rahn

Die Sportfreunde nahmen in der Saison 1947/1948 als Zweiter der damals erstklassigen Oberliga West an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft teil. Auch wenn die erste Partie verloren ging: Katernberg hatte sich auf der Fußball-Landkarte gezeigt. Und zwar so sehr, dass im Jahr 1950 ein Spieler kam, der vier Jahre später mit seinen Toren im Endspiel gegen die übermächtigen Ungarn das „Wunder von Bern“ bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz begründete: Helmut Rahn. Am 4. Juli jährt sich dieses Wunder zum 65. Mal. Der Moment, als Rahn aus dem Hintergrund schoss – und Deutschland erstmals zum Weltmeister machte – ging in die Geschichte ein. Rahns Katernberger Vorgeschichte ist fast vergessen. Als der „Boss“ Deutschland zum Weltmeister machte, spielte er schon bei Rot-Weiss Essen.

Der seinerzeit 21-jährige Rechtsaußen kam aber zunächst vom SC Oelde 09 nach Katernberg. Dort traf er auf seinen späteren Nationalmannschaftskollegen Heinz Kubsch.

GABFAF beim DJK Sportfreunde Katernberg:

Im Bild festgehalten: Die Auftritte von Helmut Rahn für die Sportfreunde Katernberg. Zur Galerie
Im Bild festgehalten: Die Auftritte von Helmut Rahn für die Sportfreunde Katernberg. ©
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Kubsch zu Rahn: "Helmut, nicht so feste!"

Kasperski war zehn Jahre alt, pilgerte jeden Tag zum Sportplatz, um „seine“ Katernberger zu sehen. Lebhaft erzählt er Geschichten vom „Boss“. „Wenn die Fußbälle nass wurden, dann waren sie schwer wie Medizinbälle. Und als es regnete, flehte der Kubsch den Rahn an: Helmut, nicht so feste! Weil der Helmut hatte rechts wie links einen ordentlichen Bums“, erinnert sich Kasperski.

So sehr die Augen des Ruhrpott-Originals lachen, wenn es um diese Zeiten geht, so deutlich ist ihm die Enttäuschung über heute anzusehen.

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Am Lindenbruch wird nicht mehr gespielt

Das Gespräch mit ihm findet zwar in Katernberg statt – aber auf der Anlage, die dem früheren Konkurrenten DJK gehört. Dort scheint die Sonne auf zwei neue Kunstrasenplätze. Der langjährige Sportfreunde-Kassierer Kasperski ist zum ersten Mal da. „Wenn ich Abramowitsch wäre, dann wären wir noch Am Lindenbruch. Und dann hätte ich den Verein am Leben gehalten“, sagt er.

Ende 2017 fusionierten die Katernberger Vereine jedoch zur DJK Sportfreunde Katernberg 19/13. „Die Stadt Essen versuchte, einige Ascheplätze in Kunstrasenplätze umzugestalten – dazu musste ein Platz in Katernberg geschlossen werden“, erklärt der Vereinsvorsitzende Willi Bock. Seitdem ist der Lindenbruch stillgelegt. Die Stadt Essen bezuschusste den Umbau der DJK-Anlage an der Meerbruchstraße.

Die Sportfreunde Katernberg, die alte Heimat Helmut Rahns, existieren also nicht mehr. Die Hochzeiten des Vereins waren eh vorbei. Mit Ausnahme eines Abstechers in die Oberliga Nordrhein zwischen 1989 und 1991 spielten die Sportfreunde maximal in der Bezirks- oder Landesliga.

Der Ball rollt auf neuem Kunstrasen: Die Stadt Essen hat den Zusammenschluss der beiden Vereine mit Zuschüssen belohnt.
Der Ball rollt auf neuem Kunstrasen: Die Stadt Essen hat den Zusammenschluss der beiden Vereine mit Zuschüssen belohnt. © Agnieszka Krus

Fusion? Okay. Aber den Sportplatz aufzugeben, das tat weh

In den vergangenen fast 30 Jahren gab es fast nur eine Richtung: bergab. Durch die Fusion mit DJK soll nun wieder Konstanz einkehren. Immerhin feierte der Katernberger Gesamtverein jüngst die Rückkehr in die Bezirksliga.

Die Sportfreunde mussten ihre Historie dafür hinter sich lassen. „Die größten Widerstände waren eigentlich nicht mehr in der Fusion begründet, sondern in der Aufgabe des Sportplatzes. Das hat uns Nerven gekostet“, sagt der zweite Vorsitzende Herbert Kutsch. Auch wenn ein Großteil der Mitglieder den Zusammenschluss akzeptiert hat: Die Enttäuschung über dieses Ende wird gerade den Alteingesessenen immer ins Gesicht geschrieben stehen.

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Das "Grundgesetz" der Initiative: Im Manifest könnt Ihr nachlesen, wofür #GABFAF sich einsetzt. Direkt hier in der Galerie! © #GABFAF

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