17. Dezember 2020 / 17:14 Uhr

Sportfreunde Neukieritzsch: Mit Ambitionen ins Jubiläumsjahr 2021

Sportfreunde Neukieritzsch: Mit Ambitionen ins Jubiläumsjahr 2021

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild
Die Jugend der Sportfreunde Neukieritzsch wollen endlich wieder gegen den Ball treten - und dabei ähnlich erfolgreich sein wie in den letzten Jahren. © dpa
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Auch wenn wegen Corona alles stillsteht: Die Sportfreunde Neukieritzsch feiern im nächsten Jahr 100-jähriges Bestehen. Die Jugend scharrt mit den Hufen und will weitere Erfolge feiern.

Neukieritzsch. In wenigen Tagen starten die Sportfreunde Neukieritzsch 1921 in ihr Jubiläumsjahr. Vor einem knappen Jahrhundert gründete sich der Vorläufer Sportverein Bahnhof Kieritzsch, womit das organisierte sportliche Treiben in der heute mit ihren Ortsteilen knapp 7000 Einwohner zählenden Gemeinde begann. Momentan stehen Coronabedingt allerdings in allen elf Abteilungen sämtliche Räder still, auch bei den Fußballern.

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Abteilungsleiter Timo Heller wurmt dies mächtig gewaltig: „Es ist wahnsinnig ärgerlich, derzeit überhaupt nichts machen zu können. Gerade in der jetzigen schwierigen Phase ist es eminent wichtig, sämtliche Kinder und Jugendlichen im Verein zu halten. Doch ich bin in dieser Hinsicht optimistisch, denn bereits während der ersten Welle hatten alle zur Stange gehalten und die jüngsten Mitgliedsbeiträge sind komplett eingegangen. Das sollte ein gutes Zeichen für die Zukunft sein. Obwohl halt keiner weiß, wann es weiter geht.“

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Insbesondere der Nachwuchs scharrt mit den Hufen und wird dennoch geduldig sein müssen. Keineswegs abwartend agierten die Neukieritzscher Jugend-Kicker in der Vergangenheit. Sieben Staffelsiege, zwei Meistertitel, drei Meisterschaften in der Halle sowie ein Pokalsieg stehen in den verschiedensten Altersklassen als Erfolge auf Kreisebene zu Buche. Zuletzt heimste die F-Jugend als SG Neukieritzsch/Deutzen den Titel sowohl im Freien als auch in der Halle ein, die B-Junioren wurden als SG Regis-Breitingen/Serbitz-Thräna/Neukieritzsch Vizemeister und drangen obendrein ins Pokalfinale vor.

Kaderschmiede weckt Interesse

Vier Mannschaften hat der SFN samt seiner Spielgemeinschafts-Partner aktuell im Spielbetrieb, wobei vor allem die Entwicklung der A-Jugend mit Argusaugen verfolgt wird. Die Ziele sind eindeutig abgesteckt: Das Team in Kooperation mit dem SV Regis-Breitingen in den Männerbereich hinein wachsen lassen und spätestens in zwei Jahren den Herrenfußball in Neukieritzsch wieder etablieren. Zumal auch der Nachbar eine weitere Blutauffrischung benötige und die Zusammenarbeit mit ihm ausgebaut werden soll

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„Es muss ganz einfach gelingen, die jungen Leute an uns zu binden. Die Truppe hält als verschworener Haufen zusammen, das macht Mut.“ Heller berichtet obendrein von einem erfreulichen Zulauf bei den G-Junioren („Die wollten unbedingt Wettkämpfe bestreiten.“), zudem seien C-Jugend-Kicker an die SG Serbitz-Thräna/Borna II ausgeliehen. Dass die eigene Kaderschmiede mitunter das Interesse größerer Clubs weckt, liegt in der Natur der Sache. So wechselten erst unlängst Talente vom SFN zum Chemnitzer FC ans Sportgymnasium sowie zum ZFC Meuselwitz.

Auch RB Leipzig und der 1. FC Lok angelten sich schon Neukieritzscher Eigengewächse. Der Sektions-Chef sieht darin nichts Negatives: „Natürlich geht damit Qualität verloren, doch umso mehr es ist eine Anerkennung unserer Arbeit. Das A und O in diesem Zusammenhang ist eine ausreichende Anzahl an ehrenamtlich engagierten Übungsleitern. Denn Fakt ist eins: Ohne Trainer keine Spieler und andersherum, eine Wechselwirkung eben.“ Das bestens ausgestattete Sportgelände in Neukieritzsch lässt es mit zwei Großfeld-Rasenplätzen, einem kleinen Kunstrasenfeld, der kürzlich erneuerten Tartan-Bahn und der Sporthalle definitiv an nichts mangeln.

Frauenfußball einst Vorzeigeprojekt

Beinahe Verschwendung, dass es im zu Ende gehenden Jahr durch die vielen Mitglieder gezwungenermaßen lange Zeit nicht genutzt werden konnte. Nichtsdestotrotz sind die Fußballer auf jeden Fall willens, ihre Position im Großverein zu behaupten und auszubauen. Priorität genieße dabei gerade in der Zeit des Lockdowns der ständige Kontakt zu den Sponsoren. Laut Timo Heller sei man dankbar für jeden Euro, schließlich sind viele Unternehmen nicht zuletzt aufgrund der Virus-Krise wirtschaftlich keinesfalls auf Rosen gebettet. Und auch in sportlichen Belangen soll ein Stillstand ausbleiben.

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Zum Beispiel sei der Frauenfußball beim SFN einst ein Vorzeigeprojekt gewesen. Die Neukieritzscher Damen feierten in der Vergangenheit immerhin drei Kreismeisterschaften, ebenso viele Kreispokalsiege und wurden 1998 sogar Bezirkspokalsieger. „Es gibt immer mal wieder Bestrebungen, einen neuen Anlauf zu nehmen und erneut eine Mannschaft auf die Beine zu stellen. Im Moment geht es zwar nicht so richtig vorwärts, vom Tisch ist die Sache allerdings keineswegs.“ Die Geschichte mit dem Männerteam erst recht nicht, denn dauerhaft will man sich nicht nur mit Freizeitsportlern und Oldie-Kickern begnügen. Auch wenn diese unter dem Namen „Champions League“ auflaufen.

Ganz so hoch hinaus ging es in der Historie freilich nicht, aber die Herrenmannschaft sorgte in den zurück liegenden Jahrzehnten durchaus für Furore. 1963 gelang als BSG Stahl Lippendorf der Aufstieg in die zweitklassige DDR-Liga, auf dem Weg dorthin ist ein Derby gegen Böhlen vor reichlich 3300 Zuschauern überliefert. Die späteren Sportfreunde mischten in der Saison 1996/1997 sowie von 2004 bis 2009 in der Bezirksklasse mit, wurden 2001 und 2004 (Double!) Kreispokalsieger, holten 2014 und 2015 den Meistertitel in der Halle. An diese Tradition ein Stück weit anzuknüpfen statt sich auf den Lorbeeren auszuruhen ist das zu mindestens mittelfristige Ziel. Vielleicht macht ja ein hoffentlich baldiger Wiedereinstieg in den sportlichen Alltag müde Männer aus Neukieritzsch und Umgebung munter.

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