21. Dezember 2018 / 16:31 Uhr

Sportgerichtsurteil: 1. SC Göttingen 05 wird nicht bestraft

Sportgerichtsurteil: 1. SC Göttingen 05 wird nicht bestraft

Andreas Fuhrmann
Göttinger Tageblatt
Das Sportgericht hat den Einspruch mehrerer Vereine, der 1. SC Göttingen 05 habe Jugendspieler mit illegalen Methoden abgeworben, zurückgewiesen.
Das Sportgericht hat den Einspruch mehrerer Vereine, der 1. SC Göttingen 05 habe Jugendspieler mit illegalen Methoden abgeworben, zurückgewiesen. © dpa
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Urteil in der Abwerbe-Affäre: Der 1. SC Göttingen 05, dem mehrere Klubs vorwerfen, Jugendspieler mit illegalen Methoden abgeworben zu haben, wird nicht bestraft. Grund: Die vermeintlichen Verstöße sind verjährt.

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Die Fußballklubs SVG Göttingen, FC Grone, SC Hainberg und Bonaforther SV hatten beim Verbandssportgericht beantragt, den 1. SC Göttingen 05 und mehrere Vereinsfunktionäre wegen unsportlichen Verhaltens mit der jeweiligen Höchststrafe zu belegen. Dieser Einspruch sei „als unzulässig zurückzuweisen“, stellte das Gericht in seinem Urteil, das dem SPORTBUZZER vorliegt, fest.

Zwar könne „das von den Einspruchsführern vorgetragene Verhalten der beschuldigten Personen (...) grundsätzlich Gegenstand eines sportgerichtlichen Verfahrens sein“. Und „die von den Einspruchsführern vorgetragenen Sachverhalte vermögen hinsichtlich der Abwerbung von Jugendspielern vom Grundsatz her nach Auffassung des Verbandssportgerichts den Tatbestand des sportwidrigen Verhaltens zu begründen“. Allein, so das Gericht in seiner Begründung weiter, „besteht für die vorgetragenen Verstöße, soweit sie die konkreten Vorwürfe der Abwerbung betreffen, ein Verfolgungsverbot“, weil diese verjährt seien.

Sportgericht nicht zuständig

Ferner hatten die vier Vereine beantragt, den 1. SC Göttingen 05 und die Vereinsmitarbeiter wegen unsportlichen Verhaltens zu bestrafen, weil diese „wahrheitswidrige Stellungnahmen“ abgegeben, also gelogen hätten. Dieser Strafantrag sei ebenfalls „sowohl als unzulässig und im Ergebnis auch als unbegründet zurückzuweisen“, so das Gericht. Zum einen sei das Sportgericht nicht zuständig. Zum anderen sei der Antrag unbegründet. „Denn nach der einhelligen Auffassung des Verbandssportgerichts kann aus einem wahrheitswidrigen Leugnen eines vorwerfbaren Verhaltens keine eigenständige strafbewehrte Unsportlichkeit abgeleitet werden.“ Ergo: Niemand sei verpflichtet, sich selbst zu belasten.

Mehr zur Abwerbe-Affäre

In der Nacht zu Freitag nahmen die Vereine SVG Göttingen, FC Grone, SC Hainberg und Bonaforther SV in einer gemeinsamen Pressemitteilung Stellung zu dem Urteil. Darin teilen diese mit, das Verbandssportgericht (VSG) habe festgestellt, „dass die erhobenen Vorwürfe begründet sind und dass das Verhalten der Beschuldigten nicht im Einklang mit dem Gebot des fairen Verhaltens gemäß § 3 Abs. 2 b) der Satzung zu bringen ist“. Das könne man so nicht sagen, erklärte der zuständige VSG-Vorsitzende Jörg Firus auf Anfrage. Das Gericht habe dahingehend „keine verbindliche Feststellung“ getroffen. Aber wenn die Vorwürfe zuträfen, „und dafür spricht einiges“, so Firus weiter, dann würde durchaus ein unsportliches Verhalten in Bezug auf Abwerbungen vorliegen. Das sei allerdings nicht Gegenstand des Urteils und auch nicht geprüft worden.

Stattdessen habe das Gericht in seiner Begründung deutlich machen wollen, so Firus, „dass Abwerbungen im Jugendbereich, wenn sie in dieser Qualität wie vorgegeben wirklich vorgelegen haben sollten, nicht mehr im zulässigen Bereich liegen. Wir wollen, dass Vereine künftig wissen, dass sie sich nicht uneingeschränkt jeglicher Mittel der Abwerbung bedienen können. Das kann nämlich sehr wohl justiziabel sein – wenn es denn nachgewiesen wird.“

NFV beraumt außerordentliche Vorstandssitzung an

Die vier Vereine fordern in ihrer Pressemitteilung den NFV-Kreisvorstand nun auf, „entsprechende Konsequenzen zu ziehen“. Hans-Dieter Dethlefs, Vorsitzender des NFV-Kreises Göttingen-Osterode, erklärte auf Anfrage, dass sich die Vorstandsmitglieder daraufhin gemeinsam dazu entschlossen hätten, zwischen den Feiertagen eine außerordentliche Vorstandssitzung anzuberaumen.

05-Präsident Thorsten Richter unterstrich unterdessen, dass aus dem Urteil des Verbandssportgerichts hervorgehe, „dass der 1. SC Göttingen 05 mit keiner Strafe belegt wird“. Man habe „die Vorwürfe der beteiligten Vereine zum Großteil berechtigt“ zurückgewiesen. „Lediglich aus Unkenntnis unsererseits sind in einem geringen Umfang nicht spielberechtigte Spieler eingesetzt worden. Dafür sind wir auch von Sportkamerad Seliger (NFV-Kreisvorstandsmitglied, Anm. der Redaktion) zurecht gerügt worden“, so Richter. „Wir sind absolut der Meinung, dass ein Urteil vom obersten Verbandssportgericht anerkannt und respektiert werden sollte und nicht wieder von vorn auf der Ebene des NFV-Kreises mit weiteren Attacken gearbeitet werden sollte.“

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