22. Juni 2020 / 15:16 Uhr

Sportliche Entscheidung nicht möglich: Los ermittelt den Sieger

Sportliche Entscheidung nicht möglich: Los ermittelt den Sieger

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Arminia Vöhrum gegen Fortuna Oberg hätte das Traumfinale im Volksbank-BraWo-Kreispokal werden können. Doch nun wird ein Sieger und damit der Teilnehmer am Bezirkspokal mit dem Los entschieden.
Arminia Vöhrum gegen Fortuna Oberg hätte das Traumfinale im Volksbank-BraWo-Kreispokal werden können. Doch nun wird ein Sieger und damit der Teilnehmer am Bezirkspokal mit dem Los entschieden. © Isabell Massel
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Bis in das Viertelfinale war der Brawo-Pokal bereits fortgeschritten. Zudem standen bereits zwei Halbfinalisten fest. Doch weil die Fußball-Ausübung derzeit sehr problematisch ist, müssen die abschließenden Platzierungen ausgelost werden. Am kommenden Montag trifft sich dazu der NFV in Peine.

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Der Losentscheid hatte schon einem Europameister auf dem Weg zum Titel geholfen, in Griechenland wurde hierdurch 1969 Panathinaikos Athen als nationaler Pokalsieger ermittelt und dann ist da noch der Münzwurf von Rotterdam (siehe unten), durch den der 1. FC Köln einst aus dem Landemeister-Pokal ausgeschieden war. Erst im Jahre 1971 rief ein Deutscher das Elfmeterschießen ins Leben und beendete das Walten der Zufallsentscheidung im Fußball, wenn sportlich kein Sieger gefunden werden konnte. Dieser Fall tritt wegen der Corona-Pandemie nun aber wieder ein und ruft in den Pokalwettbewerben erneut das Los auf den Plan – auch im Landkreis Peine.

Denn laut des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) sollen die Sieger der Pokalwettbewerbe bis zum 30. Juni sportlich ermittelt werden oder aber das Los entscheidet in jedem Fall. Schweren Herzens kündigt Peines Fußballchef Hans Hermann Buhmann an, dass ein Kreispokalsieger aus der Lostrommel gezogen werden muss. Denn er sagt: „Es geht ja leider nicht anders. Wir können es ja nicht sportlich lösen und das tut mir sehr leid.“

Der Peiner Wettbewerb um den Brawo-Kreispokal war bereits bis zum Viertelfinale fortgeschritten. Zwei Spiele dieser Runde hatten bereits am 3. Oktober stattfinden können, weshalb Fortuna Oberg und Herta Equord bereits als Halbfinalisten feststanden. Die Viertelfinal-Partien zwischen Arminia Vöhrum und der PSG 04, sowie Marathon Peine und dem TSV Edemissen waren seinerzeit allerdings ins Wasser gefallen und sind deshalb noch offen.

Die Kreispokal-Finals der vergangenen Jahre

Einen offiziellen Kreispokal-Sieger solle es in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht geben, doch Hans Hermann Buhmann sei wichtig: „Es muss die Chance bestehen, dass eine Mannschaft in den Bezirkspokal einzieht.“ Sollte das Los letztlich auf Arminia Vöhrum fallen, dann würde der Zweitplatzierte nachrücken, da die Vöhrumer als kommender Kreismeister ohnehin ein Startrecht im Bezirkspokal besitzen – sofern am kommenden Samstag beim NFV-Verbandstag tatsächlich für die Abbruchvariante mit Aufsteigern nach der Quotientenregel gestimmt wird.

Diesen 27. Juni will der Kreis Peine eben noch abwarten, ehe eine Entscheidung für den Pokalwettbewerb herbeigeführt wird. Durch die kurze Zeitspanne vom Samstag bis zum 30. Juni, an dem eine Entscheidung stehen soll, bleibe dem Peiner NFV-Kreis kaum eine andere Wahl, als eine Auslosung vorzunehmen, erklärt Buhmann. Zwar hätten die Verantwortlichen auch über ein Elfmeterschießen nachgedacht, allerdings für zu aufwendig empfunden. „Es müssen sechs Teams mit jeweils bis zu acht Leuten zusammen kommen. Da benötigen wir dann auch Corona-Beauftragte“, gibt Buhmann zu bedenken. Somit wird eine Entscheidung am 29. Juni aus dem Topf gezogen.

Dabei werde für jede der noch offenen fünf Partien nach und nach ein Sieger ermittelt, ehe später der Gesamtsieger feststeht. Der streiche dabei aber nicht die volle Gewinnsumme von 1000 Euro ein und auch der Zweite erhält nicht wie sonst 500 Euro. „Die Prämien werden auf alle Vereine, die noch im Wettbewerb sind, aufgeteilt“, erklärt Hans Hermann Buhmann. „Das haben wir mit Stefan Honrath vom Sponsor, der Volksbank Brawo, so abgesprochen.“ Demnach erhalten die beiden feststehenden Halbfinalisten aus Oberg und Equord jeweils 375 Euro. Die vier anderen Vereine, die es ins Viertelfinale geschafft haben bekommen 187,50 Euro.

Negative Rückmeldungen hatte Peines Fußballchef von den betroffenen Teams nicht erhalten, alle hätten Verständnis für diese Entscheidung. Auf Nachfrage hält Nils Könnecker, Trainer in Vöhrum, diese Variante aber nicht für die eleganteste. Für ihn habe diese Auslosung keinen Wert, es sei sinnvoller keinen Kreispokal-Sieger zu benennen und ein Freilos mehr in den Bezirks-Wettbewerb einzubauen.

Könneckers Arminia hätte womöglich das Traumfinale gegen Fortuna Oberg bestreiten können. Doch das kann nun nicht stattfinden. Obergs Coach Hubert Meyer sagt: „Wir hatten uns schon gefreut. Jetzt müssen wir auf die Losfee hoffen.“ Eine Liveschalte zur Auslosung werde es nicht geben und die Vereinsvertreter sollen auch nicht vor Ort sein um den anwesenden Personenkreis so klein wie möglich zu halten. Über die Ergebnisse der Auslosung werden die Vereine danach am Telefon in Kenntnis gesetzt.

Der Münzwurf von Rotterdam

Ad absurdum geführt wurde der Zufallsentscheid im Jahr 1965. Nachdem sich der 1. FC Köln zwei Jahre zuvor zum ersten Meister der neu eingeführten Bundesliga krönte, durfte das Team vom Rhein im Europapokal der Landesmeister ran. Das Team schaffte es bis ins Viertelfinale und schied gegen den favorisierten FC Liverpool aus – und das nicht, weil die Kölner sportlich unterlegen waren.

Das Hinspiel in Deutschland endete trotz Kölner Feldvorteilen mit 0:0. Unter umgekehrten Vorzeichen brachte auch das Rückspiel an der Liverpooler „Anfield Road“ kein anderes Ergebnis und es wurde ein Wiederholungsspiel auf neutralem Grund angesetzt. Im niederländischen Rotterdam gerieten die Kölner zwar mit 0:2 in Rückstand, sie glichen aber bis zur 90. Minute aus. Die folgende Verlängerung blieb ereignislos.

300 Spielminuten waren in drei Partien vergangen, ohne einen Sieger hervorgebracht zu haben, weshalb der Schiedsrichter nun zur Münze griff. Doch einen Sieger gab es noch immer nicht. Nach Berichten der Kapitäne beider Teams blieb die kleine Holzscheibe des Unparteiischen senkrecht im morastigen Rasen stecken – allerdings mit klarer Neigung zu Gunsten der Kölner. Liverpools Spielführer Ron Yeats riet dem Schiedsrichter zügig, den Wurf zu wiederholen. Dieses Mal landete die Münze auf „Rot“ und Liverpool rückte in das Halbfinale vor.

Von Lukas Everling