23. April 2022 / 08:42 Uhr

Sportliche Probleme, Zoff mit den Formel-1-Bossen: Sebastian Vettel, ein Rebell auf Abschiedstour

Sportliche Probleme, Zoff mit den Formel-1-Bossen: Sebastian Vettel, ein Rebell auf Abschiedstour

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sebastian Vettel machte zuletzt weniger durch sportliche Leistungen auf sich aufmerksam.
Sebastian Vettel machte zuletzt weniger durch sportliche Leistungen auf sich aufmerksam. © IMAGO/HochZwei
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Misserfolg ohne Aussicht auf Besserung und ständige Konflikte mit den Chefs der Formel 1: Vierfachweltmeister Sebastian Vettel macht sich aus vielen Gründen Gedanken über seine Zukunft.

Wie es denn so sei, wurde Sebastian Vettel im verregneten Imola gefragt. Die Antwort war typisch für ihn: "Nass. Hat vielleicht jemand ein paar Ersatzsocken für mich?" Den Humor hat der viermalige Formel-1-Weltmeister jedenfalls noch nicht verloren, auch wenn zumindest seine sportlichen Perspektiven im Moment alles andere als gut aussehen. Nicht nur, dass er wegen einer Corona-Infektion die ersten beiden Saisonrennen verpasste, vor allem ist sein Aston Martin aktuell eines der schlechtesten Autos im Feld – das Team hat noch keinen einzigen Punkt auf dem WM-Konto.

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Kein Wunder, dass sich der Heppenheimer mehr und mehr mit Fragen konfrontiert sieht, wie lange er sich das alles überhaupt noch antun wolle. Nicht ganz abwegig, wenn man weiß, dass Vettel in privaten Gesprächen immer mal andeutete, dass ihm so einiges an der Formel 1 nicht mehr gefalle, er auf gewisse Dinge keine Lust mehr habe. Da geht es dem umweltbewussten "Rebellen", der sich seit einiger Zeit mit den Formel-1-Oberen anlegt, natürlich um Rennen in Saudi-Arabien oder der seiner Meinung nach viel zu langsam voranschreitenden Anpassung, beispielsweise in Bezug auf synthetische Kraftstoffe.

Dazu der ständige Misserfolg und die Perspektive, dass es wohl mindestens zwei bis drei Jahre dauern wird, bis die geplanten Veränderungen und Neustrukturierungen bei Aston Martin wirklich greifen könnten. Manchmal klingt Vettel da schon, als habe er sich innerlich bereits verabschiedet: "Ich hatte 15 Jahre eine sehr gute Zeit, hatte immer wieder die Chance, ganz vorn mitzufahren, zu gewinnen. Natürlich hat man eine andere Perspektive, wenn das nicht mehr so ist."

Gleichzeitig betont er aber auch, dass eine Entscheidung über seine Zukunft noch nicht gefallen sei. Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus, irgendwann im Laufe der Saison wird er sich entscheiden müssen. Die nächsten Wochen und Monate würden für Aston Martin richtungsweisend sein, so Vettel. Dann werde man wissen, wo man 2022 stehe und in welche Richtung es auch in Zukunft gehen werde. Ist weiterhin kein Land in Sicht, wäre ein Rücktritt wohl die logische Konsequenz.

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Glock: Glaube, dass Vettel bald "die Geduld verliert"

Derzeit habe man jedenfalls noch einen ziemlichen "Berg" vor sich, "das Auto ist aktuell einfach nicht schnell genug". Die Atmosphäre im Team sei aber trotzdem weiterhin gut, in der Fabrik gebe man nicht auf, und in Zukunft werde "eine Menge" für das Auto kommen.

Eine Schlüsselrolle kommt da dem neuen Aston-Martin-Teamchef Mike Krack zu. Bringt der Luxemburger, einst Motorsportchef bei BMW, das Team auf den richtigen Weg? Timo Glock, unter Krack in der DTM unterwegs und als TV-Experte für Sky [Anzeige] tätig, ist skeptisch: "Für ihn ist das keine einfache Situation. Er kommt zu Aston Martin und hat gleich so viele verschiedene Baustellen. Das wird ein harter Weg fürs gesamte Team." Glock befürchtet auch, dass sein hessischer Kumpel Vettel bald die Brocken hinwirft: "Ich kann mir gut vorstellen, dass Sebastian auch irgendwann mal die Geduld verliert, weil er natürlich weiß, wie lange es dauert, um aus so einem Tief herauszukommen."

Im Moment muss Vettel auf besondere Bedingungen hoffen, um vielleicht doch mal wieder weiter vorn landen zu können. Sollte es am Sonntag in Imola wieder regnen, was die Wettervorhersage nach dem nassen Freitag für möglich hält, könnte sich eine Chance bieten, mit der "grünen Gurke", wie der Aston im Fahrerlager schon despektierlich genannt wird, zumindest einmal in die Punkte zu fahren. Ob so etwas dauerhaft als Motivation reicht, ist allerdings eine andere Frage.

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