18. März 2020 / 11:46 Uhr

Sportlicher Blick nach vorn in Zeiten von Corona: "Sponsoringprozesse werden erst verzögert wieder eintreten"

Sportlicher Blick nach vorn in Zeiten von Corona: "Sponsoringprozesse werden erst verzögert wieder eintreten"

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Die Expertenrunde diskutierte angeregt.
Die Expertenrunde diskutierte angeregt. © Privat
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Was macht die Coronakrise aktuell mit dem Sport und welche Auswirkungen hat das für die Zukunft? Darüber diskutierte Norman Landgraf in der 86. Auflage von "Sportpunkt - Das Fanmagazin" mit Experten aus Fußball, Eishockey und dem Spitzensport. Einigkeit herrschte darüber, dass sich viele Effekte erst verspätet einstellen werden.

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Leipzig. Was die Coronakrise und die damit verbundenen Einschränkungen für den Sport aktuell bedeuten, ist augenscheinlich: keine Wettkämpfe im In- und Ausland, kaum oder keine gemeinsamen Trainingseinheiten, Abbruch oder Wegfall von Trainingslagern, Saisonabbrüche und -verschiebungen, fehlende Zuschauereinnahmen und und und. Inzwischen befassen sich Vereine und Verbände aber nicht nur mit der derzeitigen Lange, sondern richten ihren Blick auch nach vorn. Es ist ein Blick voller Sorge. „Je länger die aktuellen Einschränkungen für die Wirtschaft anhalten, desto größer werden die Probleme im Nachgang für den Sport sein“, erklärte René Rudorisch, Geschäftsführer der DEL2 am Dienstagabend in der Livesendung „Sportpunkt – Das Fanmagazin“.

Breitensport nicht im Brennpunkt

Die DEL2 ist Deutschlands zweithöchste Eishockey-Liga. Mit den Eispiraten Crimmitschau, den Dresdner Eislöwen und den Lausitzer Füchsen treten drei Mitteldeutsche Clubs in dieser Spielklasse an. Die DEL2 hatte in der vergangenen Woche einen Abbruch der Saison beschlossen, und das unmittelbar vor Beginn der traditionell gut besuchten Playoffs und Playdowns. Rudorischs einfache Begründung für seine These: „Ja, der Wegfall von Zuschauereinnahmen verursacht bei den Vereinen bereits jetzt wirtschaftliche Grundprobleme. Dabei wird es aber nicht bleiben.Nach der Krise steht die Erholung der Wirtschaft an erster Stelle. Da ist die Frage: Welche Prioritäten setzen Firmen ansonsten. Viele werden erstmal keinen Sinn oder auch keine Möglichkeit für Sportsponsoring haben.“

Dirk Majetschak, Präsident des Fußballverbandes der Stadt Leipzig und Vizepräsident des Sächsischen Fußball-Verbandes, teilt Rudorischs Sorge, sieht aber vor allem die Profis im Brennpunkt. „Breitensport ist Hobby. Da ist die Einnahmensituation ohnehin nicht so hoch.“ Er glaube auch nicht, dass in diesem Bereich nach Corona große Probleme lauern. „Für Kinder- und Jugendsport werden sich immer Gönner finden. Davon bin ich überzeugt. Für mich ist am wichtigsten, dass die Freude am Sport diese schwierige Phase des Nicht-Raus-Könnens übersteht.“ Er habe die große Hoffnung, dass der Fußball gestärkt aus der Situation hervorgehen werde. „Wir haben die Chance, geerdet zurückzukommen und etwas Abstand zu nehmen von diesem immer größer werdenden Gigantismus.“

Existenzangst bei Spitzenathleten

Während die Mannschaftssportarten im Moment entweder pausieren oder sich in der vorgezogenen Sommerpause befinden, stellt sich die Lage für Einzelsportler ganz anders dar. „Da eine klare Entscheidung fehlt, was mit den Olympischen Spielen im Sommer ist, wissen wir aktuell nicht, wie wir mit unseren Athleten verfahren sollen“, so Katharina Baum, Prokuristin der Olympiasport Leipzig GmbH. Da gebe es so viele Facetten. „Klar wünscht man jedem, dass sich dieser Traum irgendwie erfüllt. Aber um uns herum bricht die Wirtschaft zusammen. Ist so etwas wie Tokio 2020 dann überhaupt zu rechtfertigen?“ Zudem sei ohnehin völlig unklar, wer sich überhaupt wo, wie und wann für die Spiele qualifizieren können. Denn die dafür nötigen Wettkämpfe sind allesamt bereits abgesagt oder stehen auf der Kippe.

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Die aktuelle Aufgabe bestehe erst einmal darin, Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. „Im Moment sind wir nicht einmal in der Lage, unseren Spitzenathleten 90 Minuten Training am Tag zu ermöglichen, weil die Sportstätten dafür schlicht fehlen. Sie sind geschlossen“, erklärt Baum und stellt fest: „Die Existenzangst kommt bei den Spitzenathleten an wie bei allen anderen auch.“ Denn die finanzieren sich zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Antrittsprämien, Siegprämien und ähnlichem.

Für René Rudorisch ist deshalb klar: „Alle sind gefordert, dass das gesamte System Sport am Ende nicht hinten ansteht. Das gilt natürlich genauso für das System Kultur, wo die Lage vergleichbar ist. Es muss jedem klar sein: Sponsoringprozesse werden erst verzögert wieder eintreten.“

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