23. Januar 2021 / 06:01 Uhr

Sportmediziner Fritz Sörgel über die Austragung von Olympia, Impfungen und Risiken für Athleten

Sportmediziner Fritz Sörgel über die Austragung von Olympia, Impfungen und Risiken für Athleten

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sportmediziner Prof. Fritz Sörgel spricht im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über die Chance, dass die Olympischen Spiele ausgetragen werden können.
Sportmediziner Prof. Fritz Sörgel spricht im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über die Chance, dass die Olympischen Spiele ausgetragen werden können. © imago images/Jürgen Heinrich/Kyodo News/Montage
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Nur noch sechs Monate bis zu den Olympischen Spielen in Tokio. Doch können diese überhaupt ausgetragen werden? Der SPORTBUZZER hat mit Pharmakologe und Sportmediziner Prof. Fritz Sörgel über die möglichen Probleme bei einer planmäßigen Austragung der Spiele gesprochen. Er sieht einige Risiken.

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SPORTBUZZER: Prof. Sörgel, wie realistisch ist die Austragung der Spiele im Sommer?

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Fritz Sörgel (70): Aus heutiger Sicht ist es ein Pokerspiel. Man hofft bis zum Schluss, dass es funktioniert. Die Entscheidung muss – wie letztes Jahr – um den 20. März herum fallen. Dann wird es jedoch nicht die Daten geben, die das IOC und die japanischen Organisatoren in die Lage versetzen, diese Entscheidung mit Sicherheit zu treffen. Die Absage oder eine erneute Verschiebung muss man also einkalkulieren. Man muss auch bedenken, dass 80 Prozent der Japaner für eine Absage oder Verschiebung sind. Wir sehen bei der Handball-WM, die ein interessantes Experiment mit Blick auf die Olympischen Spiele darstellt, wie schwierig die Situation ist: Dort müssen ganze Mannschaften abreisen. Ob das der Akzeptanz der Olympischen Spiele zuträglich ist, ist eine andere Frage.

Können Impfstoffe Olympia retten?

Rein theoretisch könnte man sagen, dass alle Sportler geimpft werden müssen. Nur gilt auch dort: Wir wissen nicht, ob der Impfstoff die Infektion eines anderen verhindert. Deswegen lässt sich auch da nicht alles vorhersagen. Klar ist: Es wird ein großes Durcheinander geben. Wer ist geimpft? Wer nicht? Welche Länder zwingen ihre Sportler zur Impfung? Die autoritär geführten Länder werden das nämlich tun, bei uns in Deutschland wird man das nicht so leicht durchsetzen können. Es wird viel von der Impfbereitschaft der Olympioniken abhängen.

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Können diese Spiele sicher sein?

Normalerweise sind bei Olympischen Spielen elftausend Sportler in ganz besonderer Stimmung vor Ort, genau das will man doch bei den Spielen. Wie man da die Abstandsregeln einhalten soll, ist mir schleierhaft. Nach einer gewissen Zeit lässt die Disziplin nach. Und wenn ich jetzt Tausende Sportler im olympischen Dorf versammeln muss, das ja eben nicht auf Distanz gebaut ist, sondern zur Förderung der Gemeinschaft, wird das organisatorisch nicht einfach. Ich gehe davon aus, dass vielleicht die Hälfte der Wettkämpfe ordentlich zu Ende geführt werden kann. Es ist nicht nur ein sportlicher Wettbewerb, es ist einer der Disziplin in der Pandemie.

Welche Risiken gibt es für Athleten?

Lassen Sie bei so vielen Leuten zwei, drei Superspreader dabei sein, dann kann das den Spielen innerhalb kürzester Zeit ein Ende bereiten. Unsere Handballer haben gerade bei der WM gesagt, dass sie nicht gegen das von vielen Corona-Fällen betroffene Team aus Kap Verde spielen wollen. Ähnliches werden wir bei den Olympischen Spielen erleben. Natürlich kann man Kugelstoßen mit Abstand betreiben und darauf achten, dass die Kugel immer schön sauber gemacht wird. Bei anderen Sportarten ist das nicht möglich.

Manch Sportfan hofft noch auf die Reise nach Tokio. Ist ein Szenario mit Zuschauern überhaupt möglich?

Ein Beispiel: Mein Lieblingsverein, der 1. FC Nürnberg, durfte im September zwei Spiele mit Publikum austragen, maximal 10% des Fassungsvermögens von 50000 waren zugelassen, 6500 kamen. Machbar ist das also. Im Stadion kann die Verteilung geregelt werden. Nur als es danach nach Hause ging, waren wieder alle in Gruppen unterwegs. Und man kann ein Bundesliga-Stadion auch nicht mit einem Wettbewerb bei den Olympischen Spielen vergleichen, wo Menschen aus verschiedenen Ländern in Feierstimmung zusammenkommen. Dem Problem des Superspreaders kann man also weder als Zuschauer noch als Sportler entgehen.

Zur Person: Prof. Fritz Sörgel ist Pharmakologe und Sportmediziner. Er leitet das Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg. Unter anderem forscht er an Medikamenten, die die Symptome von Covid19 verhindern sollen.