24. Juli 2020 / 16:14 Uhr

Sportpark Camillo Ugi und Stadion am Bad: Schmuckstücke am Rande Leipzigs

Sportpark Camillo Ugi und Stadion am Bad: Schmuckstücke am Rande Leipzigs

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Sportpark Camillo Ugi
Seit 2006 trägt die Heimstätte der Kickers Markkleeberg den Namen des Ausnahmespielers Camillo Ugi. © Andre Kempner
Anzeige

Im neunten Teil der SPORTBUZZER-Serie über Sachsens Fußballstadien werden die Plätze vom SSV Markranstädt und Kickers Markkleeberg vorgestellt.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Nachdem es in unserer Serie bislang um die größeren Stadien Sachsens ging, kommen wir nun zu den kleineren Arenen, die vornehmlich durch Modernisierungen in jüngerer Zeit wert erscheinen, hier aufgeführt zu werden. Allerdings hat eine der beiden heute aus Leipzigs nahem Umfeld vorgestellten Schmuckstücke bereits seit 1989 ihr jetziges Aussehen.

Der Markkleeberger Sportpark Camillo Ugi wurde als Zentralsportpark in der späten DDR-Zeit gebaut. Er war ein „Kohle-Ersatzbau“ für den Sportplatz an der Lauer, wo Chemie Markkleeberg die Heimspiele austrug – bis dem Gelände der Tagebau Cospuden fast bis an die Auslinie rückte. Deshalb wurde von 1985 bis 1989 an der Städtelner Straße ein neues, reines Fußballstadion für 7500 Besucher gebaut.

1948/49 bis zu 10.000 Zuschauer

Heute ist die Arena nahezu unverändert, jedoch wegen aktueller Sicherheitsvorgaben nur noch für 5000 (davon 650 überdachte Sitzplätze) zugelassen. Sachsenligist Kickers, dem Quasi-Nachfolger der TSG Chemie (vormals BSG Aktivist), alias 1. FC Markkleeberg, genügt das völlig. Der nach dem ehemaligen Leipziger Nationalspieler Camillo Ugi benannte Sportpark hat seit einigen Jahren gar Flutlicht, das Sozialgebäude, ein – wohlgemerkt großzügiger – DDR-Plattenbau, ist renoviert.

Mehr zum Thema

An sportlichen Höhepunkten erlebte das Geviert immerhin schon Zweitliga-Fußball, als die TSG Chemie in der DDR-Liga kickte. Die ältere Markkleeberger Fußballtradition findet man indes an der „Möncherei“, wo der TSV 1886 (alias BSG Medizin) zu Hause ist. Hier pilgerten 1948/49 in der sogenannten Mammutliga bis zu 10.000 zur damaligen SG Markkleeberg.

In puncto Tradition reiht sich das Markranstädter „Stadion am Bad“ zwischen diese beiden Markkleeberger Sportstätten ein. Als Städtisches Stadion wurde es 1927 mit einem Sportfest der Freien Turner eingeweiht. Wobei die damals beste „Markranser“ Mannschaft des FC Sportfreunde 1912 da noch am heute nicht mehr existierenden Pritschenborn, ab 1933 dann auf der Anlage Südstraße kickte.

Gladbach zum Fußball-Jubiläum zu Gast

Das Stadion am Bad rückte erst nach dem Krieg zunehmend in den Blickpunkt, und zwar als Stadion der Einheit. Es wurde ab 1960 Heimstatt der BSG Turbine (entstanden aus der Fusion von Motor Markranstädt und Turbine Kulkwitz), die dann bis zur Wende wacker und stabil in der immerhin drittklassigen Bezirksliga mitmischte. Zuschauerrekord gab es allerdings, als hier 1963 in einer Übergangsrunde der DDR-Oberliga das Match zwischen dem SC Lok Leipzig und Chemie Halle ausgetragen wurde und gut 10.000 Fans herbeiströmten. Das wurde nie wieder erreicht, wenngleich hier zweimal das Bezirkspokal-Endspiel und gar einige Junioren-Länderspiele stattfanden.

Nach der Wende erhielt das Stadion am Bad 2002 einen vom Architekten Thomas Näther entworfenen neuen Sozialtrakt, der zugleich überdachte Sitzplatztribüne ist. Nach und nach wurden die anderen Ränge teilweise gleichfalls mit Traversen versehen, wenngleich zum Stehen, inklusive Gästeblock sowie Flutlicht, was das Oval regionalligatauglich macht. Auch deshalb ließ sich RB Leipzig zunächst hier nieder.

Eine beachtliche Zuschauermenge konnten aber auch die Einheimischen begrüßen, als Turbine-Nachfolger SSV zum 90-jährigen Markranstädter Fußball-Jubiläum Bundesligist Borussia Mönchengladbach empfing. 2500 Besucher waren Zeuge eines respektables 1:7 – und auch, wie in Halbzeit zwei eine barbusige Flitzerin für Gaudi sorgte. Wenn der SSV in der neuen Saison wieder in der Sachsenliga mitspielt, wird es seriöser zugehen. Die Kapazität von 5500 Zuschauern wird freilich wohl nicht sobald ausgelotet.