12. Juni 2020 / 15:06 Uhr

Sporttotal und Soccerwatch: Das sind die Streaming-Erfahrungen der Amateurklubs

Sporttotal und Soccerwatch: Das sind die Streaming-Erfahrungen der Amateurklubs

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Streamingdienste Sporttotal (links) und Soccerwatch übertragen Spiele aus dem Amateurfußball.
Die Streamingdienste "Sporttotal" (links) und "Soccerwatch" übertragen Spiele aus dem Amateurfußball. © Sporttotal/Soccerwatch/Montage
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Die Streamingdienste "Sporttotal" und "Soccerwatch" filmen Amateurfußball mit automatischen Kameras und streamen die Spiele im Internet. #GABFAF fragt Klubs, wie zufrieden sie damit bisher sind. Die Bilanz fällt durchweg positiv aus.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Spiele live und in voller Länge: Die Streamingdienste Sporttotal und Soccerwatch.tv sind seit einigen Jahren im Amateurfußball aktiv und wollen in Zukunft noch mehr Vereine mit automatisch arbeitenden Kameras ausstatten. Welche Erfahrungen machen die Vereine mit Streams von ihren Spielen? #GABFAF hat sich bei Amateurklubs umgehört.

"Es ersetzt natürlich nicht das Live-Erlebnis direkt im Stadion. Aber gerade für einige Fans, die mittlerweile weiter weg wohnen, ist es ein klasse Service", sagt Stefan Wulf, Geschäftsstellenleiter beim VfB Oldenburg, gegenüber #GABFAF über die Streams von Sporttotal. Im heimischen Marschweg-Stadion verfolgen üblicherweise 1000 bis 1500 Zuschauer die Spiele des Klub aus der Regionalliga Nord. Die etwa 2000 Livestream-Schauer pro Match kommen noch dazu.

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Vier bis fünfstellige Zuschauerzahlen verzeichnet Sporttotal in der vierten Liga. "Die Anzahl der Menschen, die sich Spiele im Internet anschauen, ist von einzelnen Faktoren - wie dem Sportbereich, der Höhe der Liga, Topspiele etc. – abhängig", erklärt Maureen Stum von Sporttotal im Gespräch mit #GABFAF. Für das komplette System zahlen die Vereine 9,90 Euro im Monat. Im Jahr fallen zusammen mit den Stromkosten etwa 250 bis 300 Euro an. Die Kosten der Installation und Wartung der Kameras sowie das Verlegen der Internetanbindung übernimmt Sporttotal.

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Sporttotal-Kameras bei 680 Vereinen

Dass deshalb weniger Fans ins Stadion kommen, befürchten die Klubs nach eigenen Angaben nicht. "Der Zuschauer-Schnitt war mal besser. Das hat aber nichts mit der Live-Übertragung im Internet zu tun", sagt Erich Barfuss, Sportvorstand des Bayern-Ligisten 1. FC Sand, gegenüber #GABFAF. Es gebe viele Vorteile durch das Streaming-Angebot.

Die einzelnen Partien lassen sich im Internet komplett im Re-Live ansehen. Einige Trainer nutzen diese Bilder auch für Taktikschulungen. "Oder wenn man bei einer Sportgerichtsverhandlung einen Nachweis benötigt, um die Unschuld eines Spielers zu belegen", sagt Wulf. Der VfB Oldenburg und 1. FC Sand sind nur zwei von insgesamt 680 Fußballvereinen in Deutschland, die das Sporttotal-Kamerasystem nutzen.

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Ziel: Hundertprozentige Erschließung

Der Fokus des Unternehmens aus Köln liege national auf einer hundertprozentigen Erschließung der Regionalliga bis zur Landesliga. "In ausgewählten Regionen stößt Sporttotal.tv auch in die siebte Ligastufe vor", sagt Stum, die weitere Ziele im Ausland verrät: "Seit dem vergangenen Jahr streben wir die Erschließung neuer Länder wie Belgien und Frankreich an."

Sporttotal streamt auch in anderen Sportarten kostenfrei, da das Angebot werbefinanziert wird.

Soccerwatch verkauft 800 Systeme

Ebenfalls für die Zuschauer kostenfrei ist mit Soccerwatch ein weiterer Amateurfußball-Anbieter. Die Vereine können sich von der Firma aus Essen eine Kamera über einen bestimmten Zeitraum leihen oder komplett kaufen. Die Plattform bietet alle Partien des Klubs live, im Re-Live und als Zusammenfassung im Internet an. Das Unternehmen spricht damit neben den Klubs der 2. Frauen-Bundesliga auch die kleinen Vereine in den untersten Ligen an – aktuell größtenteils im Westen Deutschlands und zudem in den Regionen Bremerhaven, Syke, Rotenburg, Westholstein, Kiel und Flensburg. Insgesamt 450 Kameras hängen bereits an Sportplätzen, weitere 500 Verträge sind nach Unternehmensangaben bereits unterzeichnet - die Zahl der verkauften Systeme liegt bei 800 Stück.

Die Firma aus Essen möchte weitere Regionen ansprechen und nimmt dabei laut Marlon Irlbacher vom Soccerwatch-Team ganz Deutschland ins Visier. Die Kosten für drei Jahre betragen 114,90 Euro pro Monat oder einmalig 3999 Euro. Durch die bestimmte Partnerschaften mit Banken seien oft auch komplette Kosten-Übernahmen möglich. Das System bietet Optionen wie das Coaching-Tool, einer Spielanalyse bis hinunter zur Kreisklasse oder das Kommentatoren-Tool.

Der SC Union Nettetal nutzt beispielsweise den Service in der Oberliga Niederrhein seit etwas mehr als einem Jahr. "Es läuft alles total einwandfrei und automatisch. Die Zuschauerzahlen haben sich überhaupt nicht negativ verändert", sagte Dennis Treker, Sportlicher Leiter in Nettetal. Auch der Verein aus dem Kreis Viersen nutzt die Aufnahmen für interne Zwecke.

Kreisliga im Herbsturlaub streamen

Beim FC Mönninghausen aus der Kreisliga Lippstadt läuft das eingebaute System seit April 2018. Neben den Spielen von den Senioren-Teams wurden auch schon Spiele der A-Jugend und Alt-Herren live übertragen - via LAN oder WLAN. Natürlich explodieren die Klick-Zahlen bei den Videos des kleinen Vereins nicht. Doch den Service schätzen die Verantwortlichen sehr. "Ich war mal in den Herbstferien im Urlaub und habe mir dann das Spiel live im Internet angeschaut", sagt Andreas Jakob, Sportlicher Leiter beim FC.

Auch auf Feiern oder wenn das Wetter mal schlecht ist, nutzen Vereinsliebhaber oder Spieler diesen Service. So kam es auch vor, dass sich ein an Grippe erkrankter Torhüter eine Partie aus dem Bett anschauen konnte. "Zur neuen Saison kommt ein neuer Trainer. Auch der hat sich viele Spiele angeschaut und konnte sich so bestens über die Mannschaft informieren", berichtet Jakob.

Bei einer Frage sind sich die befragten Verantwortlichen alle einig: Die Streamingdienste Sporttotal und Soccerwatch befinden sich weiter im Wachstum und werden in Zukunft von noch mehr Plätzen live übertragen. "Das ist einfach ein super Angebot", sagt Treker.