20. Juli 2021 / 17:20 Uhr

Goseriede als Sportplatz: Hannovers Vereine werben um Mitglieder - und Hilfe

Goseriede als Sportplatz: Hannovers Vereine werben um Mitglieder - und Hilfe

Josina Kelz und Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gruppenbild mit Cheerleadern: Für Politik und Verbände haben die 29 größten Vereine Niedersachsens Turnkästen als
symbolische Geschenke überreicht.
Gruppenbild mit Cheerleadern: Für Politik und Verbände haben die 29 größten Vereine Niedersachsens Turnkästen als symbolische Geschenke überreicht. © Florian Petrow
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Vertreter der 29 größten Vereine Niedersachsens haben die Goseriede in einen Sportplatz verwandelt und im Rahmen von #SPORTVEREINTUNS zum "Sommer der Bewegung" aufgerufen. Ernster Hintergrund der Aktion ist die Corona-Pandemie und der mit ihr verbundene große Mitgliederschwund.

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So viel war an der Goseriede schon lange nicht mehr los gewesen. Kleine Cheerleaderinnen wirbelten durch die Luft, angehende Basketballprofis warfen Körbe, Turnerinnen schlugen Salti auf den dicken Turnmatten, die die Vereine aus ihren Hallen auf den Platz in Hannovers Innenstadt ge­bracht hatten.

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Dabei hatte die Aktion einen ernsten Hintergrund: Mitglieder sollten zurückgewonnen werden. Die niedersächsischen Sportvereine haben in der Pandemie rund 100 000 Mitglieder verloren. Deshalb haben Innenministerium, Landes- und Stadtsportbund sowie Niedersächsischer Turner-Bund die Aktionsreihe #SPORTVEREINTUNS initiiert.

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Bis zum 19. September wollen sie die Sommerkampagne durchziehen. Am Samstag feierten sie den Auftakt mit einer hybriden Veranstaltung auf der Anlage des VfL Eintracht, am Montag folgte der Vereinssporttag „Sommer in Bewegung“ auf dem Goseriedeplatz. Organisiert hatten ihn die 29 größten Vereine Niedersachsens. Federführend dabei aus Hannover und der Region waren der TKH, der Lehrter SV, Hannover 96 und der VfL Eintracht. Zudem mischten auch noch der DTV, die TuS Wettbergen und TuS Bothfeld mit Aktionsständen mit.

LSB-Vorsitzender Rawe dankt für Unterstützung

Zwischen den tanzenden, spielenden und springenden Kindern turnten auch Männer in Anzügen herum – im wahrsten Sinne des Wortes: Bürgermeister Thomas Hermann versuchte sich mit Hannovers SPD-Parteivorsitzendem Adis Ahmetovic im Low-T-Ball, Innenminister Boris Pistorius tobte sich an der Tischtennisplatte aus.

„Ich bin seit meinem vierten Lebensjahr Sportler“, sagte der leidenschaftliche Fußballer Pistorius später auf der Bühne. Deshalb sei es ihm ein besonderes Anliegen gewesen, die Vereine mit einem Hilfsfonds von 7 Millionen Euro zu unterstützen.

„Über 700 Vereine haben aus dem Landesprogramm Unterstützung erhalten. Und kein einziger Verein ist wegen Corona pleitegegangen, da sind wir stolz drauf“, fügte der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe hinzu und bedankte sich beim Land für die Unterstützung. Denn die Situation sei während der Pandemie in den Vereinen schwierig gewesen: „Reitvereine hatten Probleme, ihre Pferde zu bewegen oder das Futter zu finanzieren“, nannte er als Beispiel.

Dribbelstark: Basketballspielerin Finja Schaake vom TKH zeigt, wie es gemacht wird.
Dribbelstark: Basketballspielerin Finja Schaake vom TKH zeigt, wie es gemacht wird. © Florian Petrow

Doch die Krise ist noch nicht überstanden. „Wir müssen die Inzidenz nie­drig halten, damit nicht nur der Sommer wieder sportlich wird, sondern auch der Herbst“, sagte Pistorius, bevor er den Startschuss für die Spinning- und Jumping-Kurse mitten in der Stadt gab. Da gab es großen Nachholbedarf bei den Besuchern.

Weiteren Bedarf an Unterstützung meldeten allerdings zudem die Vereine bei der Politik an. „Wir fordern viel, aber wir leisten auch viel“, sagte Hajo Rosenbrock, Vorsitzender des TK Hannover. Er wünschte sich obendrein für die Zukunft mehr Handlungsschnelligkeit der Politik und der Verbände, falls es die Pandemie erforderlich machen sollte. Das sei angesichts steigender Fallzahlen ja zu befürchten. „Außerdem müssen wir dringend den Austausch und den Dialog stärken“, sagte Sebastian Kramer, Vorstandsvorsitzender von Hannover 96.

Pistorius, Rawe und Hermann be­ka­men einen Turnkasten als symbolisches Geschenk überreicht. Als Dankeschön der 29 Vereine für die Hilfe in der Krise, wohl aber zudem gedacht als sperrige Gedächtnisstütze. Die Klubs wollen nicht vergessen werden, sollte eine weitere Welle kommen. „Wir haben als Vereine zusammengestanden und zusammengehalten“, sagte Ralf Thomas, Vorsitzender des Lehrter SV, „dennoch brauchen wir weiter die Hilfe der Politik.“