21. Mai 2019 / 19:50 Uhr

Sportwissenschaftler diskutieren am IAT: Deutschland denkt in Schubladen

Sportwissenschaftler diskutieren am IAT: Deutschland denkt in Schubladen

LVZ
Leipziger Volkszeitung
Einweihung Messplatz Gewichtheben im IAT in Leipzig. Gewichtheber Simon Brandhuber zeigt vor Bundestrainer David Kurch und  Ingo Sandau die Übung Reißen.
Einweihung Messplatz Gewichtheben im IAT in Leipzig. Gewichtheber Simon Brandhuber zeigt vor Bundestrainer David Kurch und Ingo Sandau die Übung Reißen. © André Kempner
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Martin Engelhardt, der Vorstandsvorsitzende des Instituts für angewandte Trainingswissenschaft, mahnt: „Wir brauchen Vorsprung durch Wissen, nicht durch Doping!“

Leipzig. Medaillen, Erfolge, Rekorde: All das ist eng mit stetig neuen Erkenntnissen aus der Sportwissenschaft verdrahtet. Am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) kamen am Dienstag 170 Teilnehmer zum Spitzensport-Symposium zusammen. Ziel: Kräfte bündeln. „Wir brauchen Vorsprung durch Wissen, nicht durch Doping“, mahnte IAT-Vorstandsvorsitzender Martin Engelhardt in seiner Eröffnungsrede. Ein nobler Gedanke – in Zeiten, in denen sportlicher Anspruch und Wirklichkeit oft auseinanderdriften. Es braucht also Querdenker.

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Frank Lehmann ist Leiter des Fachbereichs Kraft-Technik im IAT und weiß, wie sich Erfolg anfühlt. Mit Hilfe seiner Trainingsmethoden holte Speerwerfer Thomas Röhler 2016 Olympia-Gold in Rio. Am Dienstag hat er seinen ersten Saisonsieg gelandet. Der 27-Jährige aus Jena setzte sich beim World Challenge in Nanjing/China mit 86,39 Metern durch.

Trainingspläne individuell umsetzen

Lehmann eröffnete das Symposium mit seinem Vortrag über „Muskuläre Leistung und Krafttraining im Spitzensport“ inhaltlich. Einer seiner Grundaussagen: Jeder Athlet ist anders, dementsprechend sollte auch sein Training gestaltet werden. „Die Entwicklung der muskulären Leistung ist ein ganzheitlicher Prozess. Es wird (in Deutschland) zu sehr in Schubladen gedacht. Trainingspläne müssen individueller umgesetzt werden“, sagt der Sportwissenschaftler.


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Denn Rekorde eines Speerwerfers auf der Hantelbank führen nur bedingt zu Weltklasseleistungen: „Das Maximalkrafttraining korreliert mit der Leistungszunahme nur bis zu einem gewissen Level, dann muss man über intelligentere Maßnahmen nachdenken.“ Dabei sei die Analyse der Bewegungstechnik der Sportler, während sie ihre Sportart ausführen, von großer Bedeutung.

Hier beschreitet das Institut an der Marschnerstraße mit einem neuen Messplatz für Gewichtheber innovative Wege, um individuelles Training zu gewährleisten. Durch die Aufzeichnung des Körpers und der Kräfte während der Hebung ist es möglich, Winkel und Drehmomente von der Hüfte bis zu den Füßen zu messen. Auch Ruderer oder Leichtathleten sollen den Messplatz nutzen – denn schon kleine Korrekturen können den Unterschied zwischen Welt- oder Kreisklasse ausmachen.

Alexander Krenn