12. Januar 2021 / 16:37 Uhr

Springreiter André Thieme als Einzelkämpfer ins Abenteuer Amerika

Springreiter André Thieme als Einzelkämpfer ins Abenteuer Amerika

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Starkes Duo: Springreiter André Thieme auf der Stute Chakaria. 
Starkes Duo: Springreiter André Thieme auf der Stute Chakaria. © Jutta Wego
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Seit über 20 Jahren fliegt Springreiter André Thieme zur Saisonvorbereitung in die USA. Der 45-Jährige nimmt sechs Pferde mit auf die neunwöchige Tournee durch Florida. Mit dabei ist Chakaria. Die neunjährige Stute lässt Thieme auf einen Olympia- oder EM-Start hoffen.

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Plau am See. André Thieme hat alle Genehmigungen in der Tasche. Der Springreiter darf mit seinen Pferden in die USA einreisen. Lediglich Corona könnte dem 45-Jährigen noch einen Strich durch die Rechnung machen. „Ich hoffe, dass in den kommenden Tagen nichts Extremes passiert und das mit den mutierten Viren nicht außer Rand und Band gerät, so dass die Amerikaner einen Einreisestopp für Europäer verhängen. Das wäre sehr übel“, sagt Thieme, der zusammen mit seiner Frau Corinna einen Turnierstall in Plau am See betreibt.

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Seine beiden Toppferde Chakaria und Crazy Girl weilen bereits in Florida. Die beiden Stuten befinden sich in Quarantäne und werden vor Ort von Landesmeisterin Anika Elgert, die bei Thieme als Bereiterin angestellt ist, und einem Pfleger betreut.

Flüge für die vier Wallache sind für den 19. Januar gebucht. Wenige Tage später tritt der Chef die Reise über den Großen Teich an.

Seit über 20 Jahren bestreitet Thieme die Saisonvorbereitung in den USA. Diesmal ist er neun Wochen in Florida, startet bei hochkarätigen Turnieren in Ocala und Wellington. Das Eine-Million-Dollar-Springen am 28. März in Ocala soll der krönende Abschluss der Amerika-Tournee werden.

Drei Millionen-Springen hat er bereits gewonnen: 2011 in Saugerties auf Aragon Rouet, 2014 in Ocala auf Contanga, die ein Jahr später an die Milliarden-Erbin Athina Onassis verkauft wurde, und 2017 erneut in Saugerties auf Conthendrix.

Diesmal versucht Thieme mit Chakaria sein Glück. Im Sattel der neunjährigen Stute wurde er im vergangenen Jahr Fünfter der deutschen Meisterschaften. „Vom Potenzial her ist es das Pferd meiner Karriere“, schwärmt der dreimalige Derby-Sieger. Chakaria bringe alles mit – Sprungvermögen, Intelligenz, Gesundheit und Engagement. „Es ist das Gesamtpaket, das sie so besonders macht.“

Im Dezember wurde Thieme wieder in die Nationalmannschaft berufen. Neun Springreiter wetteifern um die Startplätze bei den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) und bei der Heim-EM, die vom 30 August bis 4. September in Riesenbeck (Nordrhein-Westfalen) ausgetragen wird.

André Thieme träumt schon lange davon, einmal bei einer internationalen Meisterschaft für Deutschland zu starten. „Es besteht eine Chance, aber riesengroß ist sie nicht, zumal der Ersatzmann für die Spiele in Tokio gestrichen wurde. Es dürfen nur vier Springreiter starten“, sagt der in Hoyerswerda geborene Blondschopf, der schon mehrfach im Nationenpreis zum Einsatz kam.

Chakaria steht erst am Anfang ihrer Karriere und im Vergleich zu ihren Konkurrenten unerfahren. „Ich war schon oft dicht dran, aber ich hatte noch nie so ein gutes Pferd. Von daher sollten die Chancen größer sein“, gibt sich Thieme vorsichtig optimistisch.

Am Sonnabend startet er bei einem Profiturnier in Negernbötel (Schleswig-Holstein). Danach steht das Abenteuer Amerika an. Für den zweifachen Familienvater geht es in Florida nicht nur um den sportlichen Wettstreit, sondern auch um geschäftliche Interessen. Um die immens hohen Reisekosten zu decken und den Betrieb am Laufen zu halten, „muss ich zwei von den Pferden, die ich mitnehme, verkaufen“, weiß Thieme.

Corona hat auch die Vereinigten Staaten fest im Griff. Doch in Florida, wo Mitte Februar bereits Temperaturen jenseits der 20-Grad-Marke erwartet werden, steht die Welt nicht still. „Dort geht das Leben weiter. Es herrscht nur Maskenpflicht, aber es gibt keinen Lockdown“, erzählt André Thieme.

Zuschauer sind bei den Turnieren nicht erlaubt. Und auch auf familiäre Unterstützung muss Thieme während der neunwöchigen Tour verzichten. „Das geht leider nicht. Diesmal bin ich Einzelkämpfer.“