11. August 2020 / 08:24 Uhr

Sprint-Rakete Deniz Almas: Sogar der Dönermann gratulierte dem VfLer nach dem DM-Titel

Sprint-Rakete Deniz Almas: Sogar der Dönermann gratulierte dem VfLer nach dem DM-Titel

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
08.08.2020, Niedersachsen, Braunschweig: Leichtathletik, Deutsche Meisterschaft, DM, Eintracht Stadion: 100m Männer, Deniz Almas und Julian Reus (l) im Finale. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Symbolträchtig: Deniz Almas (r.) vom VfL Wolfsburg gelöst nach dem Titelgewinn über 100 m. Der deutsche Rekordhalter Julian Reus (l.) wurde Dritter, es bahnt sich eine Wachablösung an. © Michael Kappeler / dpa
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Sprinter Deniz Almas vom VfL Wolfsburg ist in aller Munde - mit dem Sieg bei der DM hat er sich in der Spitze des deutschen Sprints etabliert. Zwei andere VfLer, die an Almas' Aufstieg nicht unbeteiligt sind, bewerten seine Leistung und seine Aussichten positiv. Und einer glaubt, dass Amas mit einer weiteren Top-Zeit sogar noch dieses Jahr "knallen" kann.

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Mann Deutschlands, zugleich schnellster Mann Europas in diesem Jahr – dann deutscher Meister mit fast der gleichen, erst eine Woche alten Rekordzeit – Deniz Almas vom VfL Wolfsburg setzte das Glanzlicht bei den Titelkämpfen in Braunschweig, gewann die 100 Meter am Samstag in 10,09 Sekunden. Der deutsche Rekord von Julian Reus (10,01) kommt in Sicht. Und auch die magische Grenze von 10,0, die noch kein Deutscher unterbot. Ob Almas das schafft, ist ist vielleicht nicht einmal mehr die Frage. Die Frage ist: wann? „Da gebe ich keine Prognose ab“, sagt Sven Knipphals, bis vor gut zehn Tagen schnellster Wolf – und heute im Team rund um Almas in Leipzig. Knipphals betreut den VfLer wie andere Athleten, die dort trainieren als Chiropraktor, ist neben Alexander John einer der beiden Ex-Athleten im Funktionsteam um Bundestrainer Ronald Stein. Dass Almas in Braunschweig in so kurzem Abstand seine Bestzeit (10,08) fast egalisiert – Knipphals hatte wie andere Experten „nicht damit gerechnet. Das hat er überragend gemacht.“

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Deshalb mag Knipphals bei Almas nichts mehr voraussagen. Im kommenden Jahr will Almas die Einzel-Olympia-Norm (10,05) angreifen. Und träumt auch vom Unterbieten der magischen Marke. „Irgendwann wird das passieren.“ Es hätte schon in Braunschweig passieren können, wenn Wind geblasen hätte. Ein Meter oder gar die erlaubten zwei Meter pro Sekunde Wind von hinten – er wäre schon in dem Lauf unter 10,0 geblieben. Auf einer angeblich langsamen Bahn.

Erfolgsteam: Sven Knipphals (l.) und VfL-Trainer Werner Morawietz. Heute zählt Knipphals, der bis vor knapp zwei Wochen schnellster Wolfsburger aller Zeiten zum Team um den deutschen Meister Deniz Almas, den neuen schnellsten Wolf.
Erfolgsteam: Sven Knipphals (l.) und VfL-Trainer Werner Morawietz. Heute zählt Knipphals, der bis vor knapp zwei Wochen schnellster Wolfsburger aller Zeiten zum Team um den deutschen Meister Deniz Almas, den neuen schnellsten Wolf. © Gero Gerewitz

Almas auf dem Weg zu deutschen Höhen. Knipphals: „Wir sträuben uns nicht dagegen.“ Mit wir meint er das Trainerteam und die gesamte Athleten-Gruppe in Leipzig. Den gebürtigen Calwer Almas, der zuvor für den VfL Sindelfingen gestartet war, hatte Knipphals, der weiterhin zu den Top Ten der schnellsten Deutschen zählt und in Leipzig lebt und arbeitet, quasi dorthin und zu seinem Heimatverein VfL empfohlen. Almas war nach einem Seuchenjahr aus dem Kader gefallen, Knipphals hatte sich bei Trainer-Urgestein Werner Morawietz dafür stark gemacht, dass der VfL Almas verpflichtet. „Ich hätte mit Werner nicht über ihn geredet, wenn ich nicht gewusst hätte, dass er ein guter Typ ist“, sagt Knipphals. „Und wenn ich nicht sportliches Potenzial in Deniz gesehen hätte.“



Morawietz über die Faktoren, mit denen Almas bald der schnellste Deutsche aller Zeiten sein kann: „Ein gutes Trainingsumfeld. Das hat er. Dazu gute Trainingskollegen. Das sorgt für Ehrgeiz und Lockerheit. Dazu muss er gut trainieren und sich gut ernähren.“ Letzteres hat sich stark gebessert. „Weniger Kohlenhydrate, Körperfett reduzieren. Das hat geklappt“, so Knipphals, der mit John darauf achtet, „dass unsere Athleten nicht die Fehler machen, die wir vielleicht gemacht haben.“ Ab und zu einen Döner, den gönnt sich Almas, der kein Türkisch spricht, aber doch. Konsequenz: Zu den vielen Gratulanten nach dem Titelgewinn zählt auch „mein Dönermann“, wie er dem SPORTBUZZER verriet. Fröhlich stimmte ihn auch der Tweet der Wolfsburger Fußball-Bundesliga-Profis, die ihn zum Training einluden. Man darf gespannt sein, wann sich das fügt. Morawietz ist sich sicher: „Er hätte bestimmt ein paar gute Tipps für sie.“

Deniz Almas vom VfL Wolfsburg bei der DM 2020 - Deutscher Meister über 100 m

Deniz Almas vom VfL Wolfsburg holte sich in Braunschweig den deutschen Sprinttitel. Zur Galerie
Deniz Almas vom VfL Wolfsburg holte sich in Braunschweig den deutschen Sprinttitel. © dpa

Ein paar Wettkämpfe stehen für Almas jetzt noch an, zum Teil gegen internationale Konkurrenz. Kann da der deutsche Rekord fallen, vielleicht auch die magische Grenze? Morawietz: „Bleibt Deniz gesund, dann kann es dieses Jahr schon knallen.“
Knipphals sagt: „Wir sträuben uns nicht dagegen.“ Das größte Lob nach dem Titel gab es von Deutschlands Schnellstem aller Zeiten. Morawietz: „Ich kenne Julian Reus ja schon lange, er meinte nach dem Finale zu mir: ,Selbst wenn ich schneller gewesen wäre, Deniz wäre an diesem Tag nicht zu schlagen gewesen.’“

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Die deutsche Bestenliste

Julian Reus (aufgestellt 2016) 10,01
Frank Emmelmann (1985) 10,06
Martin Keller (2013) 10,07
Lucas Jakubczyk (2014)  10,07
Deniz Almas (2020) 10,08
A. Platini Menga (2018) 10,09
Thomas Schröder (1986) 10,10
Sven Mathes (1989) 10,11
Eugen Ray (1977) 10,12
Sven Knipphals (2015) 10,13
Steffen Bringmann (1986) 10,13
Marc Blume (1996) 10,13
Weltrekordhalter: Usain Bolt (JAM) (2009) 9,5

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