23. März 2020 / 19:12 Uhr

Sprinterin Janne Engeleiter über Olympia 2020: "Es muss schnell eine Lösung her"

Sprinterin Janne Engeleiter über Olympia 2020: "Es muss schnell eine Lösung her"

Christoph Laak
Märkische Allgemeine Zeitung
Die Vieritzerin Janne Engeleiter (r.) bereitet sich aktuell auf die Paralympischen Spiele vor, die in Tokio steigen sollen.
Die Vieritzerin Janne Engeleiter (r.) bereitet sich aktuell auf die Paralympischen Spiele vor, die in Tokio steigen sollen. © Privat
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Olympia 2020: Die Vieritzerin Janne Engeleiter bereitet sich aktuell auf die Paralympics in Tokio vor und stand dem SPORTBUZZER Rede und Antwort.

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Die Sprinterin Janne Engeleiter (24) aus Vieritz, die für den BPRSV Cottbus startet, bereitet sich aktuell auf die Paralympischen Spiele in Tokio vor. Wie es in der Vorbereitung läuft und was die junge Leichtathletin über die aktuelle Situation rund um das Coronavirus denkt, darüber hat sich der SPORTBUZZER mit ihr unterhalten.

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Frau Engeleiter, schön, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben. Wo erwischen wir Sie denn gerade?_
Janne Engeleiter:_ Ich bin gerade in Cottbus und stehe seit gestern wieder im Training. In der letzten Woche hatte ich eine Trainingspause eingelegt.

War dies eine verordnete Trainingspause?
Nein. Ich hatte in der Zeit davor viel trainiert und diese Pause war schon längere Zeit geplant. Es war also keine verordnete Trainingspause aufgrund der aktuellen Situation.

Das bedeutet, dass sie aktuell ganz „normal“ trainieren können?
Ja, zum Glück kann ich derzeit völlig normal trainieren. Für mich ändert sich nicht viel. Wir haben hier am Trainingsstützpunkt in Cottbus eine Liste, auf der 22 Sportler stehen, welche normal trainieren können. Dort stehe ich drauf und kann alle geplanten Einheiten wie gewohnt absolvieren. Dadurch ist es bei den Einheiten auch deutlich ruhiger. Für andere Athleten sieht es da schon wesentlich schlechter aus. Wir Leichtathleten haben ja sowieso das Glück, dass wir uns Alternativen suchen könnten. Wir könnten auch im Wald laufen gehen. Bei den Schwimmern sieht das beispielsweise ja ganz anders aus. Manche Nationen können aktuell aber gar nicht trainieren, die trifft es noch viel schlimmer.


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Ihr großes Ziel sind die Paralympischen Spiele in Tokio in diesem Jahr. Welchen Einfluss hat die aktuelle Situation auf ihre Vorbereitung?
Auf mich nimmt das noch nicht den großen Einfluss, da ich ja trainieren kann. Problematisch wird es sein, dass viele Wettkämpfe in der nächsten Zeit ausfallen. Die Freiluft-Saison wäre jetzt so langsam angelaufen. Ich bin eine Sportlerin, die sehr über die Wettkämpfe kommt. Daher ist das keine einfache Situation, aber das ist es für Niemanden. Im Training versuchen wir, Wettkampf-Situationen zu simulieren und lassen uns was einfallen. Das Training wird weiterhin so strukturiert sein, dass wir davon ausgehen, dass die Wettkämpfe im Laufe des Sommers wieder stattfinden. Auch die Europameisterschaften würden im Juni steigen, aktuell ist das im Training das Zwischenziel.

Sie waren zuletzt bei einem Wettkampf in Südafrika, hatten aber eigentlich andere Pläne.
Richtig, wir sind ganz kurzfristig in Südafrika an den Start gegangen. Das war eine richtige Hauruck-Aktion, da ich ja normalerweise bis 31. März Leistungsnachweise erbringen muss. Eigentlich sah der Plan vor, dass wir bei einem Meeting in Dubai starten, das wurde aber kurzfristig abgesagt, so dass wir innerhalb von einer halben Woche auf Südafrika umgeplant haben.

Inwiefern hatte man auch dort die Nachrichten aus der Heimat über die aufkommende Corona-Krise wahrgenommen?
Das hat man absolut mitbekommen, das war total präsent überall. Wir sind nach dem Wettkampf auch schnell ins Hotel zurückgekehrt und haben dann die anstehende Rückreise geplant. Hauptsache irgendwie nach Deutschland. Die Rückreise sollte eigentlich über Istanbul führen, das war aber nicht mehr möglich, so dass wir über Amsterdam zurückkehrten.

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Kann man unter diesen Voraussetzungen seine Leistung abrufen?
Wir hatten ziemlichen Reisestress, das geht nicht spurlos an einem vorbei. Es war mein erster Wettkampf und 12,73 Sekunden sind zumindest schneller als zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr. Die Norm für Tokio steht bei 12,49 Sekunden, da fehlen mit meiner persönlichen Bestleistung drei Hundertstel. Vielleicht wird die auch herangezogen.

Tokio bleibt also das große Ziel?
Ja, das bleibt auf jeden Fall das große Ziel. Ich lass mich da jetzt auch nicht verrückt machen. Aber es muss schnell eine Lösung her und zwar im Sinne der Athleten, um die geht es nämlich viel zu selten.

Für welche Lösung wären Sie?
Ich bin da echt zwiegespalten. Es hängt viel Geld an den Wettkämpfen, da werden die Leute manchmal komisch. Aber wir dürfen es eigentlich nicht vom Geld abhängig machen. Eine Verschiebung wäre nach aktuellem Stand wohl die beste Lösung.

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Die Brandenburger "Bilder der Woche" der Saison 2019/20. ©

Wie stehen Sie zu einer möglichen Absage oder einer Durchführung ohne Zuschauer?
Das wäre extrem bitter. Wir trainieren vier Jahre darauf hin, um dann vor leeren Rängen anzutreten. Das wäre nicht im Sinne der Sportler. Im olympischen Dorf wären ja auch bis zu 10 000 Athleten, das kann es eigentlich auch nicht sein. Die Ansteckungsgefahr wäre ja auch dort riesig. Und dann kommt da ja noch ein weiteres Problem auf uns zu.

Das wäre?
Viele Länder haben aufgrund der Corona-Pandemie ihre Dopingkontrollen komplett ausgesetzt. Das heißt: Faire Wettkämpfe wären unter diesen Voraussetzungen eigentlich gar nicht durchzuführen. Fakt ist, es wird dringend Zeit für eine Entscheidung. Ein Aufschieben darf es nicht geben.