06. Januar 2021 / 13:50 Uhr

Das königliche Talent: Sreyas Payyappat (12) vom HSK Lister Turm mischt die Schachszene auf

Das königliche Talent: Sreyas Payyappat (12) vom HSK Lister Turm mischt die Schachszene auf

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Konzentriert mit Maske: Sreyas Payyappat
 beherrscht das königliche Spiel und gehört zu den größten Talenten des Schachsports.
Konzentriert mit Maske: Sreyas Payyappat beherrscht das königliche Spiel und gehört zu den größten Talenten des Schachsports. © Deutsche Schachjugend
Anzeige

Der zwölfjährige Sreyas Payyappat gilt als Jahrhunderttalent im Schach. Schon in jungen Jahren dominiert der Inder vom HSK Lister Turm seine Gegner nach Belieben. Sein Trainer Dennes Abel glaubt an die ganz große Karriere: "Er müsste schon mehrfach falsch abbiegen, um nicht richtig gut zu werden." 

Anzeige

Er gilt als eines der größten Talente der Welt – und das mit gerade einmal zwölf Jahren. Wenn es auf dem Schachbrett kompliziert wird, läuft Sreyas Payyappat zur Höchstform auf. Druck bedeutet Ansporn. Blitzschnell sieht er selbst die verstecktesten Züge.

Anzeige

Eines von vielen Beispielen: In der vierten Runde der deutschen Jugend-Meisterschaft gegen Tim Sauer vom Schachzentrum Bemerode schien es kritisch zu werden. Das Jahrhunderttalent vom HSK Lister Turm zauberte ein fantastisches Damenopfer aufs Brett und gewann im übernächsten Zug die Partie. „Taktisch ist Sreyas ein Monster. Wenn er die Stellungen auf dem Brett hat, in denen er sich wohlfühlt, müssen sich die Gegner warm anziehen“, schwärmt Trainer Dennes Abel.

Stolzer
 Sieger: Sreyas Payyappat, das Schachtalent vom HSK Lister Turm, zeigt seinen Pokal
 samt Urkunde von der deutschen Meisterschaft.
Stolzer Sieger: Sreyas Payyappat, das Schachtalent vom HSK Lister Turm, zeigt seinen Pokal samt Urkunde von der deutschen Meisterschaft. © Deutsche Schachjugend

Sieg in Willingen

In Willingen zeigte Sreyas seine Klasse und holte mit 6,5 Punkten aus sieben Runden souverän den Titel. Als Nummer eins der Setzliste war er der Favorit, „aber so ein Turnier war eine neue Erfahrung. Ich hätte nicht gedacht, dass er durchmarschiert“, betont Abel.

Mit sechs Jahren lernte der in Indien geborene Siebtklässler von seiner Mutter die Regeln des königlichen Spiels. Durch den Beruf des Vaters kam die Familie vor drei Jahren nach Deutschland. In seiner Altersklasse gehört Sreyas zu den besten zehn Kindern auf der Welt. Die deutsche Meisterschaft soll nur ein Schritt der Entwicklung sein. „Ich möchte ein starker Spieler und zumindest Großmeister werden. Auf jeden Fall will ich die Grenze von 2700 Elo-Punkten knacken“, sagt Sreyas selbstbewusst. Ein großes Ziel, das den Siebtklässler zu einem der besten Denksportler der Welt macht. Bei 2882 Elo-Punkten liegt der bislang beste Wert, den Schachsuperstar Magnus Carlsen im Jahr 2014 erreichte.

Großes Lob vom Ex-Weltmeister

Dass er das Zeug zu Großem habe, bescheinigte ihm Ende des vergangenen Jahres Ex-Weltmeister Rustam Kasimdzhanov, der als einer der besten Trainer der Welt gilt. Im Rahmen eines Lehrgangs in Hannover verglich er den jungen Inder mit der indischen Schachlegende Viswanathan Anand (2817 Elo), seit 30 Jahren einer der besten Spieler der Welt.

Für Abel legt diese Einschätzung eine große Last auf die Schultern seines Schülers, obwohl die Leistungskurve steil nach oben geht. Aufmerksam wurde der Trainer bei der Bezirkseinzelmeisterschaft im Oktober 2019, als sich beide in der vierten Runde gegenübersaßen. Dennes Abel stand auf Gewinn, machte aber einen Fehler, der sofort bestraft wurde. Erst nach über vier Stunden konnte der spätere Turniersieger doch seine Bundesliga-Erfahrung ausspielen. „Heute würde mir das aber nicht mehr gelingen.“

Mehr Berichte aus der Region

Zusammenarbeit zahlt sich aus

Dennes Abel war überrascht, dass Sreyas keinen Trainer hatte. Dennoch ist das Schachverständnis beeindruckend. „Sreyas hat es so weit gebracht, weil er sehr früh gelernt hat, allein zu arbeiten.“ Lediglich in den Eröffnungen gebe es einige Schwächen, aber daran haben beide in den vergangenen Monaten gearbeitet. Mit Erfolg, wie zuletzt das Claus-Dieter-Meyer-Gedächtnisturnier in Bremen zeigte.

Sreyas hinterließ seine Duftmarke nicht nur beim Sieg gegen den 250 Elo-Punkte stärkeren Internationalen Meister Nikolas Lubbe. Natürlich gab es auch Niederlagen, aber die steckt der Zwölfjährige gut weg. „Er freut sich einfach auf die nächste Partie“, betont Abel, der seinen Schützling als absolut schachverrückt bezeichnet. Für einen Spieler, der Schach liebt, weil es „so viel Spaß macht, zu spielen“, war das Jahr hart – denn die coronabedingten Beschränkungen erlaubten lediglich vier Turniere am Brett.

"Mit so einem Kind habe ich noch nicht gearbeitet."

Auch trainiert wird aktuell nur online. Die gute Laune und seinen Humor hat sich Sreyas Payyappat bewahrt. Die besten Voraussetzungen, um es einmal weit zu bringen. Dennes Abel hat daran keine Zweifel: „Mit so einem Kind habe ich noch nicht gearbeitet. Er müsste schon mehrfach falsch abbiegen, um nicht richtig gut zu werden.“