07. April 2021 / 08:16 Uhr

SSC Palmberg Schwerin: Wir schmeißen nicht mit Geld um uns

SSC Palmberg Schwerin: Wir schmeißen nicht mit Geld um uns

Christian Lüsch
Ostsee-Zeitung
Supercup-Gewinner, Pokalsieger, Dritter der Bundesliga-Saison: SSC-Cheftrainer Felix Koslowski.
Supercup-Gewinner, Pokalsieger, Dritter der Bundesliga-Saison: SSC-Cheftrainer Felix Koslowski. © Uwe Anspach/dpa
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Supercup-Gewinner, Pokalsieger, Meisterschafts-Dritter. Felix Koslowski zieht ein zufriedenes Saisonfazit. Der Trainer des SSC Palmberg Schwerin erklärt, was diese Spielzeit für ihn und sein Team so besonders gemacht hat. Und er antwortet Kritikern, der SSC wurde in der Bundesliga wildern.

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Knapp eine Woche nach dem Aus im Halbfinale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft ordnet SSC-Cheftrainer Felix Koslowski die Leistung seiner Mannschaft ein. Er spricht über die nächsten Pläne. Und er reagiert auf Kritik, die Bundesliga-Konkurrenten am SSC geübt hatten.

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Auf einer Skala von 1 bis 6 – welche Note würden Sie Ihrer Mannschaft ins Saisonzeugnis schreiben?

Ich würde ihr eine 1- geben

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Warum?

Wir hatten die Mannschaft vor der Saison neu zusammengestellt, haben bewusst auf jüngere und damit unerfahrene Spielerinnen gesetzt. Insofern hatten wir eine geringere Erwartungshaltung. Für uns war es ein Übergangsjahr, um ein neues Fundament zu bauen.

Ist das gelungen?

Auf jeden Fall. Ich habe vor der Saison gesagt, dass ich sehr zufrieden wäre, wenn wir ein Finale erreichen. Jetzt haben wir den Supercup und den DVV-Pokal gewonnen, haben uns gut in der Champions League präsentiert. Ganz ehrlich: Ich finde das überragend, wenn man bedenkt, dass wir zweimal in Quarantäne waren und von Dezember bis Mitte Februar nichts richtig laufen konnte. Es war für alle eine sehr schwere Zeit. Für mich war es die schwierigste Saison meiner Karriere.

Zum 13. Mal im Finale, zum siebten Mal den Pokalgewinn bejubelt. Der SSC Palmberg Schwerin hat das Endspiel gegen den SC Potsdam am 28. Februar 2021 überraschend klar mit 3:0 für sich entschieden. Weil's so schön war, zeigen wir die eindrucksvollsten Bilder des Spiels in Mannheim und der Siegesfeier in einer Galerie.

Nach gut einer Stunde Spielzeit war es geschafft: Der SSC Palmberg Schwerin ist deutscher Pokalsieger der Saison 2020/21. Zur Galerie
Nach gut einer Stunde Spielzeit war es geschafft: Der SSC Palmberg Schwerin ist deutscher Pokalsieger der Saison 2020/21. ©

Dennoch: Wie sehr ärgert es Sie, dass andere um die Meisterschaft spielen und der SSC zuschauen muss?

Natürlich ärgere ich mich darüber. Ich weiß nicht, ob ich emotional in der Lage sein werde, mir diese Spiele anzusehen. Aber es ist für mich schon jetzt eine Motivation, es in der kommenden Saison besser zu machen. Es gibt noch Ziele. Denn noch nie hat eine Mannschaft in Deutschland das Triple aus Supercup, Pokal und Meisterschaft gewinnen können.

Halten Sie es für realistisch, das in der kommenden Saison zu schaffen?

Erstrebenswert ist es in jedem Fall. Es wird sich dann entscheiden. Wir arbeiten gerade an zwei verheißungsvollen Transfers. Wenn die klappen, ist vieles möglich.

Um wen geht es?

(lacht) Fragen Sie mich in ein paar Tagen noch mal.

Steht schon fest, wie groß der personelle Umbruch sein wird?

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Ich gehe davon aus, dass er nicht so groß wie in der vergangenen Saison wird, als mehrere Leistungsträgerinnen ins Ausland gewechselt sind. Ich kann mir vorstellen, dass wir uns auf vier, vielleicht fünf Positionen neu aufstellen werden.

Besteht die Gefahr, dass Stuttgart, Dresden und auch Potsdam dem SSC sportlich den Rang ablaufen?

Das glaube ich nicht. Wir haben in dieser Saison mit großer Vorsicht gewirtschaftet, weil viele Dinge durch Corona unsicher waren. Das war definitiv richtig so. Andere haben unbekümmert weitergemacht. Es bleibt abzuwarten, ob und welche Konsequenzen das langfristig haben wird. Wir haben dadurch vielleicht ein Finale verpasst. Aber: Uns geht es gut, wir sind gesund!

Es scheint, als seien Neid und Missgunst in der Volleyball-Bundesliga weit verbreitet? Was sagen Sie zum Vorwurf, der SSC würde personell in der Liga wildern?

Ich glaube, es gibt diesbezüglich keine großen Unterschiede zwischen den Vereinen der Liga. Wir haben ein sehr gutes Scouting, schauen uns überall um – national wie international. Das machen alle anderen auch. Ich habe in den vergangenen Jahren erlebt, wie der SSC extrem hart an seinem Image gearbeitet hat – in Bezug auf den Umgang mit den Spielerinnen, die Verlässlichkeit des Vereins. Es gibt Leute in der Liga, die immer alles auf finanzielle Aspekte schieben. Wir laufen aber ganz sicher nicht durch die Liga und werfen mit dem Geld um uns. Ich glaube, es geht um mehr: Schwerin ist der professionellste Klub in Deutschland. Spielerinnen, die den nächsten Schritt machen wollen, international spielen und Titel gewinnen wollen, treffen auf dieser Grundlage ihre Entscheidung. Auch der SSC gibt Spielerinnen an andere Vereine ab. Wir sehen das als Erfolg unserer Arbeit. Wir haben von 2017 bis 2021 acht Titel gewonnen, so viel wie kein anderer Klub im Land. Ich kann mir vorstellen, dass das Spielerinnen veranlasst, bei uns anzufragen.

In dieser Saison war der SSC-Etat 30 Prozent kleiner als im Jahr zuvor. Welche Signale sendet Geschäftsführer Christian Hüneburg in Bezug auf die Finanzen für die kommende Saison?

Wir sind bis jetzt sehr gut durch die Krise gekommen. Die weitere Entwicklung zu beurteilen, ist kompliziert. Wir glauben fest daran, in der kommenden Saison wieder vor Zuschauern spielen zu können.

Dank des Pokalsiegs ist der SSC für den europäischen CEV-Cup qualifiziert. Werden Sie dort spielen oder besteht sogar Hoffnung, in die Champions League zu rutschen?

Ich gehe davon aus, dass wir im Pokalsieger-Wettbewerb antreten. Es ist eine tolle Motivation, wieder im internationalen Geschäft zu sein. Im CEV-Cup waren wie schon oft im Halbfinale. Es wäre schön, dort mal einen Schritt weiterzugehen.

Wie geht es für die Spielerinnen weiter?

Wir hatten am Dienstagabend unser Abschlussmeeting. Die Spielerinnen werden jetzt nach Hause fahren, Pause machen. Viele waren seit Juli hier und konnten nicht weg. Ich bin ab Ende April mit der Nationalmannschaft unterwegs. Ab Ende Mai spielen wir vier Wochen lang mit den 16 weltbesten Teams in Rimini in der Nations League. Beim SSC starten wir Ende Juli, Anfang August in die Vorbereitung.