11. Juli 2021 / 18:18 Uhr

SSG Rot-Schwarz Kiel: Mit Understatement zum Titel?

SSG Rot-Schwarz Kiel: Mit Understatement zum Titel?

Jan Claas Harder
Kieler Nachrichten
Die Neuzugänge Rasmus Backhaus, Juan Torp, Daniel Siedler, Maximilian von Randow und Leon Lembke mit RS-Coach Benno Szodruch.
Die Neuzugänge Rasmus Backhaus, Juan Torp, Daniel Siedler, Maximilian von Randow und Leon Lembke mit RS-Coach Benno Szodruch. © hfr
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Ende August beginnt im Amateurfußball die neue Saison. Nach der abgebrochenen Spielzeit im vergangenen Jahr ein neuer Anlauf auch für die Top-Vereine unserer Region. Hier im KN-Sportbuzzer stellen wir bis zum Start der neuen Runde in unserem „Saison-Check“ alle regionalen Verbands-, Landes- und Oberligisten vor, analysieren die Qualität der Mannschaft, die Spielphilosophie des Trainers und geben eine Prognose ab, wo das Team am Ende landen kann. Diesmal: Ost-Verbandsligist SSG Rot-Schwarz Kiel.

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Wenn es eine Mannschaft im Kieler Amateurfußball gibt, die nicht gerade begeistert über den in der Vorsaison erfolgten Saisonabbruch gewesen sein dürfte, dann ist das die SSG Rot-Schwarz Kiel. Immerhin konnte das Team von Trainer Benno Szodruch alle ausgetragenen sechs Partien siegreich gestalten und somit die Tabellenspitze der Fußball-Verbandsliga Ost einnehmen. Eine ähnlich positive Bilanz konnte in Schleswig-Holstein ansonsten nur der in der Weststaffel spielende VfR Horst vorweisen, der ebenfalls die maximal mögliche Punktausbeute einfahren konnte. Doch die Resultate der letzten Spielzeit sind ohne jeden Wert, und so müssen die Rot-Schwarzen wie alle anderen Teams auch am dritten Augustwochenende wieder von Neuem auf Punktejagd gehen.

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Wer kam, wer ging?

Mit Leon Lembke (Preetzer TSV), Routinier Maximilian von Randow (FC Killia Kiel) und dem 20-Jährigen Daniel Siedler (zweite Mannschaft) gehören drei neue Abwehrspieler dem Kader an. Im Mittelfeld hat Szodruch mit Juan Torp (SG Felde/Stampe) und Rasmus Backhaus (TuS Emsterkerfeld) zwei neue Optionen. Fünf Akteure werden hingegen nicht mehr Teil des Kaders sein. Davon bleiben immerhin Andre Bock und Ove Saß dem Verein erhalten und fungieren zukünftig als Athletik-bzw. Rehatrainer. Nicola Soranno konnte dem Lockruf des FC Kilia Kiel nicht widerstehen und übernimmt beim Landesligisten das Traineramt. Von Bord gehen werden zudem Robert Espelage und Jesper Weishaupt. Letztgenannter wird wegen eines Auslandsaufenthaltes pausieren, während Espelage seine Fußballschuhe in Zukunft beim Kreisligisten UT Kiel schnüren wird.

Star der Mannschaft

Der Star ist ein Quartett. Wenn es dem Kader der Rot-Schwarzen an etwas nicht mangelt, dann sind es Erfahrungswerte. Reichlich davon besitzen jedenfalls Oliver Dreier, Thies Borchardt, Tim Gürntke und Maximilian von Randow, die sich nämlich allesamt schon einmal in der Regionalliga beweisen durften und die es in dieser Spielklasse zusammen auf insgesamt 106 Einsätze bringen. Addiert man zudem noch die Anzahl der von diesem Quartett absolvierten Oberliga-Partien, dann ergibt sich in der Summe der beeindruckende Wert von insgesamt 716 Einsätzen. „Wir sind natürlich sehr froh darüber, dass uns die vier zur Verfügung stehen. Wir werden allerdings alle Spieler benötigen, wenn wir als Team erfolgreich sein wollen“, betont Szodruch.

Philosophie des Trainers

Im Hinblick auf ein bevorzugtes Spielsystem und taktische Überlegungen möchte sich Szodruch nicht positionieren. Allerdings lässt der 36-Jährige durchblicken, dass dem Zuschauer ein solider Unterhaltungswert geboten werden dürfte, sofern er sich eine Begegnung mit Beteiligung der Rot-Schwarzen ansehen wird. „Grundsätzlich strebe ich an, dass wir offensiv auftreten und das Spiel machen.“ Damit dies in der Praxis auch zu einer entsprechenden Umsetzung führt, erwartet Szodruch, dass seine Schützlinge stets die Initiative ergreifen. „Ziel muss es sein, dass wir immer aktiv auftreten, sowohl mit als auch gegen den Ball. Wir wollen mehr agieren als reagieren und werden den Jungs daher für jede Phase des Spiels Lösungsmöglichkeiten mit an die Hand geben.“

Erwartungen und Ziele zur neuen Saison

„Wir wollen die Entwicklung bei Rot-Schwarz Kiel insgesamt vorantreiben und darüber hinaus auch den einzelnen Spielern die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geben“, gibt Szodruch als Zielsetzung aus. Im Hinblick auf eine konkret angestrebte Platzierung gibt er lediglich folgendes Statement ab: „Ich will mit meiner Mannschaft schlichtweg jedes Spiel gewinnen.“ Ein Satz, den im Grunde jeder Trainer artikulieren könnte und ein Anspruch, der bei nahezu jedem Coach bestehen dürfte. Daher bietet diese Aussage durchaus Interpretationspotenzial. Es ist denkbar und wahrscheinlich, dass der Trainer der Rot-Schwarzen jeglichen Erfolgsdruck von sich und seinen Schützlingen fernhalten möchte, zugleich aber durchaus ambitionierte Ziele mit seinem Team verfolgt.

Sportbuzzer-Prognose

So charmant und clever das Unterstatement von Szodruch auch ist – Fakt ist aber auch, dass die SSG Rot-Schwarz Kiel aussichtsreiche Perspektiven für eine erfolgreiche Saison mitbringt. Der Altersschnitt des Teams konnte gesenkt werden, innerhalb der Mannschaft besteht eine gute Mischung aus Jung und Alt und darüber hinaus verfügt der Kader auch über eine solide Qualität, die schlichtweg nicht von der Hand zu weisen ist. Die Erfolgsserie der Vorsaison kann nicht als zufällige Erscheinung abgetan werden. Nach Ansicht von Szodruch werden der Preetzer TSV und der TSV Plön um den Meistertitel ringen. Der TSV Flintbek ist für ihn ein möglicher Geheimfavorit. Sein Team erwähnt er in diesem Zusammenhang nicht. Für den Sportbuzzer ist dies nicht nachvollziehbar. Wir sind uns sicher, dass die Rot-Schwarzen am Saisonende definitiv unter den ersten fünf Mannschaften in der Tabelle zu finden sein werden.