24. Juli 2020 / 16:35 Uhr

Stabhochspringerin Friedelinde Petershofen vor Comeback

Stabhochspringerin Friedelinde Petershofen vor Comeback

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Friedelinde Petershofen vom SC Potsdam wagt sich wieder an den Stabhochsprung.
Friedelinde Petershofen vom SC Potsdam wagt sich wieder an den Stabhochsprung. © imago/Beautiful Sports
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Leichtathletik: Über zwei Jahre hat sie wegen einer schweren Rückenverletzung keine Wettkämpfe mehr bestreiten können. Nun kehrt Stabhochspringerin Friedelinde Petershofen zurück und hofft auf ein Ende der Ungewissheit.

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Die Odyssee durch Arztpraxen und Reha-Einrichtungen, die Friedelinde Petershofen hinter sich hat, scheint letztlich doch noch ans Ziel zu führen. Nach über zwei Jahren Pause bestreitet die Stabhochspringerin vom SC Potsdam an diesem Sonnabend in Zweibrücken ihren ersten Wettkampf. Das Comeback musste sie in letzten Monaten, ja Jahren immer wieder verschieben, weil stets neue Probleme auftraten.

Dabei wähnte sie sich 2017 bereits im siebten (Stabhochsprung-) Himmel. Denn die Havelstädterin hatte sich bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Erfurt in einen wahren Höhenrausch katapultiert und steigerte ihre Bestleistung über 4,35 Meter und 4,45 Meter dreimal bis auf 4,55 Meter. Mit DM-Bronze ergatterte die damals 21-Jährige völlig überraschend auch das Ticket für die Weltmeisterschaften in London.

Lendenwirbelbruch beim Turntraining

Doch danach begann die Leidenszeit. Beim Turn-Training, das bei den Stabhochspringerinnen Usus ist, vollführte sie wohl einen Salto zuviel und verletzte sich am Rücken. Der Bruch eines Lendenwirbels wurde diagnostiziert. Umso bemerkenswerter, dass Friedelinde Petershofen keine Sekunde daran dachte, ihre sportliche Laufbahn zu beenden. Über ihre Motivation sagt sie: „Mein größter Ansporn ist doch, dass ich diesen Sport liebe. Stabhochspringen ist meine Leidenschaft. Deshalb bin ich nach Potsdam gekommen. Ich wusste immer, irgendwann werde ich wieder springen. Natürlich hatte ich ständig Rückschläge zu verkraften, konnte nicht richtig trainieren.“ Doch die aus Oldenburg stammende ehemalige Turnerin hat nie den Mut verloren. Als sie sich 2018 wegen der Verletzung nicht für die Heim-EM in Berlin qualifizieren konnte, sei sie schon sehr traurig gewesen.

Beim FC Bayern München in der medizinischen Abteilung

Sie musste sich auf ihren Rücken konzentrieren. „Weil ich unabsichtlich versucht hatte, die schmerzende Stelle zu schonen, bekam ich durch Fehlbelastungen Hüftprobleme“, erzählt Friedelinde Petershofen, die sich vielerorts Rat und Hilfe holte. So weilte sie mehrfach in der medizinischen Abteilung des FC Bayern München. Dank Unterstützung von Ex-Stabhochspringer Tim Lobinger, der inzwischen bei Red Bull Salzburg als Athletiktrainer arbeitet, war sie ebenso am dortigen Reha-Zentrum. Dabei wurde sie auf die Idee gebracht, zum Beispiel mit regelmäßigem Training auf dem Fahrrad-Ergometer ihre Grundlagenausdauer zu verbessern. „Das hat bei mir sehr gut angeschlagen und das habe ich beibehalten“, sagt die inzwischen 24-Jährige.

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Mittlerweile hat die 1,81 Meter große Sportlerin einen Reha-Verein in Potsdam gefunden, bei dem sie regelmäßig vorstellig wird. „Und das Wichtigste: Die Schmerzen sind erst einmal weg. Ich kann mich belasten und wieder springen. Zwar noch aus verkürztem Anlauf, aber ich taste mich da ran“, meint die Leichtathletin, die sich außerdem um ihr Lehramtsstudium für Sport und Biologie kümmerte. In dieser Woche musste sie noch eine Turn-Prüfung nachholen. Dabei gab es vom Balken tatsächlich einen Absturz – eine Schrecksekunde. „Aber es ist nichts passiert“, gibt Friedelinde Petershofen Entwarnung. Nun muss sie noch die Bachelor-Arbeit schreiben. Danach will sie ein Master-Studium aufnehmen.

Trainer glaubt an Comeback

„Als ich im Mai erstmals wieder einen Stab in der Hand hatte, war das ein völlig neues Gefühl. Zwar hatte ich den Eindruck, der Körper macht mit, aber das Timing beim Absprung war überhaupt nicht mehr da. Deshalb bin ich derzeit auch erst bei zehn statt 15 Schritten Anlauf“, berichtet Friedelinde Petershofen. Ihr Heim- und zugleich Bundestrainer Stefan Ritter hat sie all die Leidensjahre unterstützt. Er meint: „Fredi kann das wieder schaffen. Dadurch, dass wir in diesem Jahr keine normale Leichtathletik-Saison haben, müssen wir nichts überstürzen. Wir werden das so aufbauen, dass sie in der nächsten Hallen-Saison wieder angreifen kann.“ Sie selbst fiebert zunächst ihrem ersten Wettkampf entgegen: „Ich bin unglaublich aufgeregt. Es fühlt sich an wie absolutes Neuland. Ich will wieder zeigen, dass ich springen kann.“ Mit ungebrochenem Optimismus hofft sie auf eine Höhe von 4,30 Meter. Hauptsache, ein Anfang.