26. Oktober 2020 / 19:40 Uhr

"Stabiler als die Schalker Hintermannschaft": Dennis Vieregge ist alleine unter BVB-Fans

"Stabiler als die Schalker Hintermannschaft": Dennis Vieregge ist alleine unter BVB-Fans

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Schalke-Fan Dennis Vieregge verfolgt das Revierderby allein unter BVB-Anhängern.
Schalke-Fan Dennis Vieregge verfolgt das Revierderby allein unter BVB-Anhängern.
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Das Bild ging durch das Internet: Ein Schalker Fan sitzt alleine unter Dortmunder Fans im Stadion. Dieser Fan ist Dennis Vieregge aus Helpsen im Landkreis Schaumburg. Seinen Besuch musste er jedoch spontan abbrechen.

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Eigentlich wollte sich Dennis Vieregge aus Helpsen nur das Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 (3:0) anschauen. Inzwischen ist er eine kleine Berühmtheit. Doch der Trubel ist ihm nicht so richtig geheuer. Interviews für Radiosender und Zeitungen gehören seit Samstagabend zu seinem Tagesablauf. Auch das Sat.1 Frühstücksfernsehen klopfte bereits an. „Ich wollte doch nur Fußball schauen. Ich bin froh, wenn das alles ein bisschen abgeklungen ist“, verrät der 22-Jährige dem SPORTBUZZER.

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"Dieser eine Typ"

Zum Derby im Dortmunder Signal Iduna Park durften aufgrund des Coronavirus nur 300 Zuschauer. Weil Vieregge als einziger im Schalke Trikot auf der Tribüne saß, wurde der Fernsehsender Sky während der Liveübertragung auf ihn aufmerksam. Das Bild des blauen Fans inmitten von gelben verbreitete sich über das Internet wie ein Lauffeuer. Selbst der Twitterkanal der Schalker veröffentlichte begeistert das Foto von Vieregge mit der Überschrift „Dieser eine Typ.“ Während es im Internet viele positive Reaktionen vom Schalker Anhang gab („Der Typ ist stabiler als die Schalker Hintermannschaft“), sah es im Stadion anders aus.

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Dort hin kam der Helpsener, der als Betreuer bei der zweiten Mannschaft des SV Nienstädt 09 aktiv ist durch einen seinen Kumpel - einen BVB-Fan. Im August sind beide in verschiedene Wohnungen im gleichen Haus gezogen. „Ich habe ihm damals viel geholfen“, erklärt der Schalker. „Und als Gegenleistung hat er mich dann ins Stadion eingeladen.“ Dieser hatte beim Bewerbungsverfahren Glück und schoss zwei Tickets.

Komische Blicke

Der Schaumburger hatte über seinem Trikot noch eine Jacke seines Vereins und darüber eine neutrale schwarze Jacke getragen. Wegen seiner blau-weißen Kluft hatten es die Kontrolleure vor dem Stadion jedoch etwas genauer auf ihn abgesehen. „Ich wurde gesondert kontrolliert und war einer der wenigen, der seinen Personalausweis vorzeigen musste.“ Im Dortmunder Stadion selbst gab es dann bereits vor dem Spiel viele „komische Blicke“ der schwarz-gelben Anhänger. Auch erste Provokationen kamen schon auf.

Leere Blicke

Als sich die Schalker vor der Partie direkt vor dem Block des 22-Jährigen warm machten, witterte der seine Chance. „Da bin ich runter gelaufen und habe ihnen zugerufen, dass sie sich doch bitte den Arsch aufreißen sollen.“ Doch eine Antwort gab es nicht. „Ich hab nur leere Blicke zurückbekommen. Da war ich richtig enttäuscht.“ Ein Ordner beendete die spontane Motivationsrede jedoch auch schnell und schickte den Schaumburger zurück auf seinen Platz.

Weil auch das Schalker Spiel nicht herzerwärmend war und sich die Anfeindungen immer weiter häuften, entschied sich Vieregge nach dem Dortmunder 2:0 in der 61. Minute das Stadion zu verlassen. „Ich habe von Freunden gehört, dass Dortmunder Ultras etwas geplant hätten und bin deshalb besser gegangen.“ Das Dortmunder 3:0 zum Endstand sah er so nicht. War für ihn verkraftbar.

„Sportlich war das ganz schwach. Man kann zwar verlieren, aber die haben ja nicht mal gekämpft“, schimpfte Vieregge, der eine „ganz harte“ Saison für seinen Klub erwartet. Einen erneuten Stadionbesuch unter Corona-Bedingungen wird er wohl nicht mehr erleben wollen. „Nur unter schwarz-gelben war es schon nicht schön, aber es fehlt einfach die Atmosphäre, wenn man mit den Kumpels zusammen in der Kurve steht.“

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Die Rivalität zwischen dem BVB und Schalke gehört zu den größten im Fußball. Trotzdem gibt es einige Spieler, die die Trikots beider Klubs getragen haben. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick! ©

Den Auftritt im Frühstücksfernsehen wird es übrigens nicht geben. "Den habe ich abgesagt", verrät er. "Mir war schon klar, dass Sky mich sicherlich filmen wird, aber was daraus geworden ist, habe ich nicht erwartet."

#teamlasse

Auch wenn sich Dennis Vieregge nicht sonderlich über seine neu gewonnene Prominenz freut, möchte er diese ausnutzen, um auf das Schicksal des Nienstädters Lasse aufmerksam zu machen. Der 17-Jährige ist an Blutkrebs erkrankt. Ihm kann nur noch eine Stammzellenspende helfen. "Das wäre mir wichtig", so Vieregge. Alle Infos dazu gibt es auf der Seite der DKMS.