21. November 2021 / 15:01 Uhr

Ein Jahr vor WM-Start: Die Mega-Arenen für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar im Überblick

Ein Jahr vor WM-Start: Die Mega-Arenen für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar im Überblick

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die WM 2022 in Katar wird in insgesamt acht Stadien ausgespielt.
Die WM 2022 in Katar wird in insgesamt acht Stadien ausgespielt. © IMAGO/MIS/agefotostock (Montage)
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Erst jüngst wurde das sechste der acht Stadien für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar fertiggestellt. Ursprünglich geplant waren vier Spielorte mehr, eine kürzere Dauer bezüglich der Bauzeit und grundsätzlich geringere Kosten. Der SPORTBUZZER stellt alle acht Stadien mit ihren Eckdaten und Besonderheiten genauer vor.

Bei der Vergabe der WM 2022 machte sich die FIFA 2010 durch die Zuweisung nach Katar einige Feinde. Besonders die aufgedeckte Korruptionsaffäre, die sich vor allem darauf bezieht, dass drei FIFA-Verantwortliche von Machthabern aus Katar Geld angeboten bekamen, um in der 4. Runde der Vergabe für Katar statt für die USA als Austragungsort zu stimmen, machte Schlagzeilen - hielt die FIFA jedoch nicht davon ab, vom Standort Katar fernzubleiben. Ihr Argument: Viele Stadien seien schon im Bau und man könne die Entscheidung deshalb nicht revidieren.

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Doch nicht nur durch die Korruptionsaffäre fielen FIFA und Austragungsort Katar negativ auf. Die Arbeitsbedingungen beim (Neu-)Bau der meisten Stadien, verbunden mit infrastrukturellen Anbindungen und die damit verbundenen Tode von über 6.500 Arbeitern seit 2010 brachten Katar unter Druck. Hinzu kam, dass der Wüstenstaat durch seine besonderen klimatischen Verhältnisse alles in Bewegung setzen musste, um im Golfraum Spitzensport stattfinden zu lassen. Dazu wurde die WM nicht nur in den Winter verlegt, sondern in die Stadien auch flächendeckende Klimaanlagensysteme eingebaut. Auch dies sorgte in der Öffentlichkeit rund um die Welt für Ärgernis, da diese Systeme trotz ihrer Nachhaltigkeit und modernen Bauweise nicht klimafreundlich seien. Trotzdem bekamen mehrere Stadien bereits hohe Auszeichnungen für Nachhaltigkeit. Auch weil alle nach der Weltmeisterschaft mindestens zur Hälfte rückgebaut werden und die insgesamt mehr als 200.000 modularen Sitzplätze an Projekte in Entwicklungsländer gespendet werden.

Insgesamt belaufen sich die Kosten allein für den Bau der Stadien auf hochgerechnet fast 17 Milliarden Katar-Riyal - das entspricht rund vier Milliarden Euro. Der SPORTBUZZER alle Stadien für die WM 2022 in Katar genauer vor.

Al-Bayt Stadion (al-Chaur) - fertiggestellt

Das al-Bayt Stadion in al-Chaur wurde 2021 fertiggestellt. Es umfasst 60.000 Zuschauerplätze. Der Oberrang soll nach der WM 2022 entfernt und zu einem Fünf-Sterne-Hotel umgebaut werden. Das Stadion besitzt ein schließbares Dach und soll als Ganzes an ein traditionelles Zelt der Nomaden Katars erinnern. Außerdem soll im unmittelbaren Umfeld des Stadions ein Resort entstehen, das unter anderem ein Einkaufszentrum und eine Mehrzweckhalle beinhaltet. Im al-Bayt Stadion soll am 21. November 2022 das Eröffnungsspiel stattfinden. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 770 Millionen Euro. Für sein Design, seine Baupraktiken und die Effizienz des Energiezentrums erhielt das Stadion drei Zertifikate und fünf Sterne in einer Nachhaltigkeitsbeurteilung von der Golf-Organisation für Forschung und Entwicklung (GORD).

Ahmed bin Ali Stadium (ar-Rayyan) - fertiggestellt

Ähnlich wie bei allen anderen Stadien für die WM in Katar, ist auch beim Ahmed bin Ali-Stadium in ar-Rayyan der Oberrang modular. Ausschließlich für die WM 2022 wurde das Stadion ab 2014 umgebaut und um das Doppelte auf 43.000 Sitzplätze vergrößert und im Dezember 2020 eingeweiht. 2003 erstmals eröffnet, damals mit 21.282 Plätzen, wurde das Ahmed bin Ali-Stadium bereits 2011 für die Asienmeisterschaft 2011 und bei der FIFA-Klubweltmeisterschaft als Austragungsort benutzt.

Education City Stadium (ar-Rayyan) - fertiggestellt

Im Education City Stadium, das ebenfalls in der Stadt ar-Rayyan liegt und 40.000 Sitzplätze umfasst, wurde das Klub-WM-Endspiel 2020 ausgetragen, das der FC Bayern für sich entschied. Das Stadion, das 2016 neu gebaut und 2020 fertiggestellt wurde, wird auch "Jewel of the desert" (deutsch Juwel der Wüste) genannt wird. Dieser Name bezieht sich auf die Fassade des Stadions, die an einen geschliffenen Diamanten erinnert. Dadurch, dass das Stadion beim Bau 20% umweltfreundliche und 50% lokale Materialien setzt, gehört das Stadion zu den umweltfreundlichsten Spielstätten der Welt. Auch nach der WM soll das Education City Stadium nachhaltig genutzt werden. Für die Frauen-Nationalmannschaft und Hochschulsport vom nahe gelegenen Campus "Education City", der mehrere Bildungsstätten umfasst, soll das Stadion weiter genutzt werden. Dazu soll auch diese Spielstätte nach der WM um 20.000 Sitzplätze verkleinert werden.


Khalifa International Stadium (ar-Rayyan) - fertiggestellt

Das Khalifa International Stadium, ebenfalls in der Stadt ar-Rayyan gelegen, wurde 1976 eröffnet und fasste bis zum Umbau 2014 50.000 Plätze. Bis 2017 wurde das Stadion modernisiert und mit einer Klimaanlage versehen, sodass dort Hochleistungssport auch im Sommer möglich ist. Außerdem wurde die Kapazität auf 40.000 Sitzplätze heruntergeschraubt. Das Stadion ist Teil eines 250 Hektar großen Sport-Areals namens "Aspire Zone", welches viele moderne Sportstätten für In- und Outdoor-Sport enthält. 2019 fand im Khalifa International Stadium die Leichtathletik-Weltmeisterschaft statt. Dabei stand der Standort Katar unter Kritik, da viele Spitzensportlerinnen und Spitzensportler vor allem bei Langstreckenläufen über eine enorme Hitze klagten und reihenweise aufgeben mussten. Trotzdem hat das Khalifa International Stadium von der Golf-Organisation für Forschung und Entwicklung (GORD) vier Sterne für die Nachhaltigkeit des Stadions bekommen.

Al-Janoub Stadium (al-Wakra) - fertiggestellt

Al Janoub wurde 2019 nach fünf Jahren Bauzeit fertiggestellt und verfügt über 40.000 Sitzplätze, ein schließbares Dach und ein umfassendes Kühlsystem für das gesamte Stadion. Das fließende Design des Stadions soll auf die Verbundenheit der Stadt zum Ozean hindeuten. Die Außenverkleidung soll eine Perle darstellen. Al-Wakra ist als Hafenstadt für seine Perlenfischerei bekannt. Der Neubau des Stadions beläuft sich auf circa 587,3 Millionen Euro. Nach der WM wird die Hälfte der Sitzplätze entfernt und für Fußballentwicklungsprojekte nach Übersee verschifft werden. Im Zuge der Nachhaltigkeit sind um das Stadion mehrere sportliche Einrichtungen wie Sporthallen und Tennisplätze sowie großflächige Eventlocations mit Einkaufsgeschäften, Restaurants und einem Vier-Sterne-Hotel entstanden. Ferner soll nach der Fußball-WM der ortsansässige Klub al-Wakrah SC seine Heimspiele im al-Janoub Stadium austragen.

Ras Abu Aboud Stadium (Doha) - im Bau

Die Fertigstellung für das Ras Abu Aboud Stadium in Doha war ursprünglich für 2020 geplant. Das Stadion, das 40.000 Plätze umfasst und auf einer künstlich angelegten Halbinsel beheimatet werden sollte, ist jedoch noch nicht fertiggestellt. Laut Angaben der Fußball-Organisation FIFA ist diese Spielstätte eine der modernsten und innovativsten Stadien, die die Welt je zu Gesicht bekommen hat. Ihre Besonderheiten: Viele Teile des Stadions sind modular und bestehen aus alten recycelten Schiffscontainern. Nach der WM soll das komplette Stadion demontiert und die Einzelteile in anderen Bereichen wiederverwendet werden.

Al-Thumama-Stadion (Doha) - fertiggestellt

Das al-Thumama-Stadion in einem Stadtteil Dohas ist mit seiner Fertigstellung am 22. Oktober 2021 das bisher jüngste Stadion Katars. Die Fassade des Stadions soll die traditionelle weiße arabische Kopfbedeckung "Gahfiya" symbolisieren. Der Name "al-Thumama" bezieht sich auf einen einheimischen Baum. Das Stadion umfasst 40.000 Zuschauerplätze und hat in etwas mehr als vier Jahren Bauzeit 282 Millionen Euro gekostet. Zum Stadionkomplex, das außerdem außerhalb der WM-Spielstätte acht weitere Fußballfelder und andere Sportanlagen umfasst, gehört eine Klimaanlage und ein rückbaubarer Oberrang, der das Stadion um die Hälfte auf 20.000 Plätze verkleinern soll. Die übriggebliebenen Teile mit Sitzen sollen an Entwicklungsländer gespendet werden. Statt dieser zusätzlichen Tribünen sollen nach der WM im oberen Teil der Arena eine Sportklinik, VIP-Logen und eine Hotel-Boutique entstehen.

Lusail Iconic Stadium (Lusail) - im Bau

Das Lusail Iconic Stadium soll das Aushängeschild der FIFA und des Staates Katar für die WM 2022 sein. Nicht umsonst soll in der Arena, die 80.000 Sitzplätze umfasst, das WM-Endspiel stattfinden. Seit 2017 befindet sich das Stadion nun im Bau. Nach der WM soll auch in diesem Stadion über die Hälfte des Interieurs zurückgebaut und Sportprojekte auf der ganzen Welt gespendet werden. Das Design des Stadions ist angelehnt an eine dekorative arabische Schüssel. Das Lusail Iconic Stadium soll einer der Anfänge einer geplanten, riesigen Metropole namens Lusail in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt Doha sein. Infrastrukurell soll sich im Areal rund um die riesige Arena einiges tun: Bildungsstätten, Sportplätze, Eventlocations und Einkaufsmöglichkeiten sollen für die Allgemeinheit entstehen und den neureichen Staat Katar nach außen hin repräsentieren. Auch für die FIFA soll das Lusail Iconic Stadium das Aushängeschild sein: In der offiziellen Vorschau für das Stadion schreibt sie: "Das Lusail-Stadion verspricht 2022 ein wahres Fussballfest für Fans aus aller Welt."