23. November 2016 / 18:07 Uhr

Stadion-Bau: Hertha BSC sucht in Brandenburg

Stadion-Bau: Hertha BSC sucht in Brandenburg

Jens Masslich
Dresdner Neueste Nachrichten
Mögliche Standorte für eine neue Hertha-Arena.
Mögliche Standorte für eine neue Hertha-Arena. © MAZ-Grafik: Detlev Scheerbarth.
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Bundesliga: Hauptstadtclub prüft neue Heimstätte in der Mark.

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In Brandenburg könnte in naher Zukunft bald wieder die Fußball-Bundesliga zu Hause sein: Hertha BSC schaut auf der Suche nach einem Standort für ein neues Stadion in die Mark.  Nach Medienberichten sind konkret die Standorte Oranienburg (Oberhavel), Dreilinden und das Gebiet zwischen Stahnsdorf (Mittelmark) und Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) mögliche Orte für einen Neubau.

Bürgermeister Andreas Igel: "Ludwigsfelde wäre ein guter Standort"

In Ludwigsfelde hat sich der Verein schon nach geeigneten Flächen erkundigt, bestätigt die Stadt. „Wir sind bereit  und würden uns freuen“, sagt Bürgermeister Andreas Igel (SPD). „Ludwigsfelde wäre ein guter Standort.“ Die Innenstadt scheide als Standort natürlich aus, am Rande der boomenden Stadt gäbe es aber geeignete Flächen.

Ludwigsfelde liegt wohl auch im Fokus der Berliner, weil es eine Partnerstadt des Vereins ist – ebenso wie Oranienburg. Eine konkrete Anfrage habe es in der Kreisstadt von Oberhavel aber nicht gegeben, sagt Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD). Allerdings sei  ein Standort am Autobahnkreuz schon seit Längerem im Gespräch. „Die Allianz Arena ist ja auch nicht im Zentrum von München. Es macht schon Sinn, an einem Verkehrsknotenpunkt ein Stadion zu bauen. Das ist ein Top-Standort – nicht nur, um Fans aus Berlin hinzubringen“, so Laesicke.

Ministerpräsident Dietmar Woidke würde blauen Teppich ausrollen

Anders sieht es dagegen beim dritten Kandidaten Kleinmachnow-Dreilinden aus. Bürgermeister Michael Grubert (SPD) winkt ab. „Ich halte das für völlig überflüssig, wir wollen das hier nicht“, sagt er. „Ich weiß gar nicht, wo das Stadion gebaut werden soll. Es gibt hier keine geeignete Fläche.“ In unmittelbarer Nachbarschaft zum Gewerbegebiet in Dreilinden, direkt an der Landesgrenze zu Berlin, sei jedenfalls  keine geeignete Fläche.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würde der Hertha – passend zu den Vereinsfarben – den „blauen Teppich“ ausrollen. „Wir freuen uns, dass Hertha konkret mit Brandenburg plant. Wir freuen uns über jeden Investor“, sagt er. Über eine etwaige finanzielle Förderung des Projekts wollte er sich nicht äußern, es lägen schließlich noch keine konkreten Pläne vor. „Aber nach allem, was ich gehört und gelesen habe, bin ich schon ein bisschen fröhlich“, sagte Woidke.

Der Satz schlug hohe Wellen. „Der Auftrag an die Architekten ist nicht nur raus, es gibt die ersten Vorstudien“, berichtete Clubpräsident Werner Gegenbauer Anfang der Woche bei der Veranstaltung „Hertha im Dialog“. Im Januar, spätestens im Februar will der Berliner Fußball-Bundesligist die Pläne präsentieren. Das übernahm die „Bild“, die in einem Bericht die drei Brandenburger Standorte Oranienburg, Dreilinden/Kleinmachnow und ein Gebiet zwischen Stahnsdorf und Ludwigsfelde ins Gespräch brachte. „Reine Spekulation“, teilte Hertha-Sprecher Marcus Jung mit. Auch die gezeigte Simulation des Stadions habe nichts mit einem Entwurf einer neuen Arena zu tun.

Potsdam bringt sich ins Spiel

Doch über einen Standort in Brandenburg denken die Verantwortlichen des Bundesligisten ernsthaft nach, schon Anfang des Jahres sagte Gegenbauer: „Unsere Gedanken müssen aber nicht an der Stadtgrenze aufhören.“ Die Stadtverwaltung von Ludwigsfelde bestätigte der MAZ eine Anfrage von Hertha nach geeigneten Flächen. Die Bürgermeister von Oranienburg und Kleinmachnow kannten dagegen keine Anfrage.

Sogar ein vierter Kandidat kam hinzu: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass es ein Interesse von Seiten der Hertha gibt, innerhalb des Autobahnringes einen Standort zu suchen und wollten uns mal ins Spiel bringen“, sagte Potsdams Stadtsprecher Stefan Schulz.

Mietvertrag mit der Betreibergesellschaft läuft bis 2025

Hertha ist aktuell der einzige Bundesligist, dessen Stadion noch eine Laufbahn hat. Auch die Auslastung des 74 475 Zuschauer fassenden Olympiastadions lässt zu wünschen übrig, in der vergangenen Saison kamen im Schnitt 46 846 Fans ins weite Rund – die Stimmung ist dementsprechend. Auch um die Vermarktungsmöglichkeiten zu verbessern, lotet der Verein nun Möglichkeiten aus, um die Situation zu verbessern.

Am Sonntag werden die Berliner gegen den FSV Mainz 05 (17.30 Uhr) aber wieder im Olympiastadion einlaufen. Und das wird auch noch bis 2025 so bleiben – so lange läuft noch der Mietvertrag mit der Betreibergesellschaft, den Hertha im Mai verlängert hatte. Danach ist auch ein Umzug nach Brandenburg möglich. 

Kommentar von MAZ-Sportchef Stephan Henke

Ein Gewinn

Es wäre ein Coup für die brandenburgische Sportlandschaft: Bundesliga-Fußball auf märkischem Boden. Das gab es seit dem Abstieg von Energie Cottbus aus der deutschen Eliteliga 2009 nicht mehr. Nun schickt sich womöglich Hertha BSC an, ein neues Stadion in Brandenburg zu bauen. Solche Gedanken äußerten die Verantwortlichen des Berliner Vereins schon im Frühjahr, inzwischen haben sie eine Machbarkeitsstudie für einen Stadionneubau in Auftrag gegeben. Eine große Rolle scheint dabei auch Brandenburg zu spielen. Oranienburg, Dreilinden/Kleinmachnow und Stahnsdorf/Ludwigsfelde sind im Gespräch, Potsdam bringt sich in selbiges. Die Vorteile in Brandenburg liegen auf der Hand: Genügend Platz ist da, die Anbindung mit der (S-)Bahn ist zumindest an einigen Standorten vorhanden – und eine Vielzahl der Hertha-Fans kommt eh schon aus Brandenburg. Somit besteht auch keine Konkurrenz zum Brandenburger Sport, dem die Hertha die Zuschauer abziehen könnte. Bei einem geeigneten Standort wäre der Stadionneubau in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags somit ein Gewinn für Brandenburg – sowohl sportlich, als auch wirtschaftlich. Für Berlin wäre es aber ein Verlust: Das Olympiastadion hätte kaum noch einen Nutzen.

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