22. September 2020 / 09:26 Uhr

„Stadion der Stahlwerker“ und Sportstätten mit charmanten Besonderheiten

„Stadion der Stahlwerker“ und Sportstätten mit charmanten Besonderheiten

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
E.-Grube-Stadion Riesa
Das Ernst-Grube-Stadion in Riesa verfällt seit Jahren. © Frank Müller
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Die etwas anderen Stadien: Im zwölftenTeil der SPORTBUZZER-Serie über Sachsens Fußballstadien stellen wir vor, was die Sportstätten in Riesa, Zittau, Plauen und Auerbach besonders macht. 

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Leipzig. Es gibt in Sachsen noch einige originelle Sportstätten mehr als wir in unserer Stadionserie vorstellen können. Folgend sollen zumindest vier weitere davon kurz präsentiert werden, die mehr oder minder charmante Besonderheiten aufweisen.

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Vom Abriss bedroht

Da wäre das Ernst-Grube-Stadion in Riesa. Der traurige Aspekt dieser Arena ist, dass sie wohl keine Zukunft hat, obwohl die BSG Stahl hier 16 Jahre im DDR-Oberhaus mitkickte. Die Stadt Riesa sieht sich außerstande, die traditionsreiche und einst bis zu 15.000 Zuschauer fassende Sportstätte zu erhalten. So verfällt sie seit Jahren, und die wiedergegründete BSG Stahl spielt heute als Sachsenligist in der viel kleineren Feralpi-Arena im Stadtteil Merzdorf.

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Die „Grube“ wie die Fans das Stadion der Stahlwerker, wie es auch noch genannt wurde, bezeichneten, war von 1952 bis 1955 nahe des Bahnhofs auf dem Gelände der ehemaligen Hindenburg-Kampfbahn gebaut worden. Christa Stubnik schaffte auf der als schnell geltenden Laufbahn am 9. September 1959 in 23,5 Sekunden Europarekord über 200 Meter. Ansonsten begeisterten hier die Riesaer Fußballer mit einem Mix aus Kampfkraft und solidem Spielvermögen.

Älteste Sportstättentribüne Deutschlands

Als Stahl 1968 erstmals in die Oberliga aufgestiegen war, kamen 12.500 zum Auftaktspiel gegen Meister FC Carl Zeiss Jena und sahen ein achtbares 1:2. Dank des finanzstarken Sponsors (in DDR-Sprache: Trägerbetrieb), dem Stahlwerk, konnte Anfang 1970 die markante Haupttribüne gebaut werden. Es war die einzige in der DDR mit Rängen auf dem Dach. Unter den Stahlträgern fanden 350 Zuschauer einen (Sitz-)Platz, darauf auf neun Reihen nochmal etwa 700.

Eine solche statische Besonderheit weist die Tribüne im Zittauer Weinaupark-Stadion nicht auf, doch sie ist dafür nicht vom Abriss bedroht. Im Gegenteil! Die schicke, altehrwürdige Holzkonstruktion ist ein Schmuckstück und die älteste Sportstättentribüne Deutschlands. Sie wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und stand an der 1894 eingerichteten Radrennbahn. Der idyllische Weinaupark liegt an der Neiße, also gleich an der polnischen Grenze. Das Stadion wurde in etwa der heutigen Form 1955 mit dem Freundschaftsspiel Lok Zittau – Jiskra Liberec vor 15.000 Zuschauern als Willi-Gall-Stadion eingeweiht. Robur Zittau spielte hier 1979/80 und 1981/82 sogar in der DDR-Liga. Heute kickt hier Nachfolger VfB in der Landesklasse Ost.

Die Holztribüne im Zittauer Weinaupark ist die älteste einer Sportstätte in Deutschland.
Die Holztribüne im Zittauer Weinaupark ist die älteste einer Sportstätte in Deutschland. © Frank Müller

Nach der Wende folgten mehrfach Modernisierungen. Die letzte war eine umfassende für die Senioren-Europameisterschaften der Leichtathleten 2012. Nicht nur die Fußballer des VfB finden hier großartige Bedingungen vor. Das Oval bietet heute 4550 Besuchern Platz, davon 463 auf der grandiosen Holztribüne.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut

Eine moderne überdachte Tribüne und Flutlicht besitzt das im Norden Plauens ebenfalls schön gelegene Vogtlandstadion. Das heißt, eigentlich sind es zwei Tribünen, denn zwischen ihnen, auf Höhe der Mittellinie, wo die beste Sicht wäre, liegt eine breite Einmarschzone.

Das Mitte der 1930er Jahre entstandene Stadion mit Laufbahn war kriegszerstört, ist wieder aufgebaut und mehrfach modernisiert worden. Auch die rekordverdächtig knappen Traversen in den Kurven sind wieder verschwunden. Besucherrekord gab es 1969 mit 20.000 Besuchern beim Juniorenländerspiel BR Deutschland – Bulgarien im Rahmen des UEFA-Juniorenturniers. Damals war die Arena sogar für 25.000 Zuschauer zugelassen. Heute sind es immerhin gut 10.000 Plätze. Diese Kapazität schöpft der VFC Plauen derzeit in der Oberliga allerdings nicht aus.

Unweit Plauens hat Regionalligist VfB Auerbach seine Heimstatt. Hier fand 1995 zwischen dem VfB und den Amateuren des VfB Leipzig (2:2) das erste Flutlichtspiel der Sachsenliga statt. Der 1921 eingeweihte Sportplatz wurde nach der Wende schrittweise zum Fußballstadion ausgebaut und verfügt heute über knapp 5000 Plätze mit zwei Tribünenüberdachungen sowie Flutlicht.