19. September 2018 / 13:32 Uhr

Stadion-Sanierung: Ritterhude hofft auf Bundesmittel

Stadion-Sanierung: Ritterhude hofft auf Bundesmittel

Klaus Grunewald
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Manche wünschen sich für das Stadion Moormannskamp einen Kunstrasen, wie er auch beim SV Atlas auf dem Trainingsgelände liegt (Foto). © Ingo Moellers
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Gemeinde kann 1,57 Millionen Euro teure Sanierung des Stadions Moormannskamp nicht alleine stemmen

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So viel steht fest: Das Stadion Moormannskamp in Ritterhude befindet sich in einem desolaten Zustand. Es bestehe dringender Sanierungsbedarf, hat das Bremerhavener Planungsbüro Hoppe nach eingehender Inspektion diagnostiziert. Nun soll mithilfe von Fördergeldern des Bundes schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden. Einen entsprechenden Vorschlag der Verwaltung hat der Gemeinderat bereits einstimmig abgesegnet. Danach kostet die Sanierung insgesamt 1,57 Millionen Euro. Doch weil sich die Hamme-Gemeinde in einer sogenannten "Haushaltsnotlage“ befindet, beträgt ihr Finanzierungsanteil lediglich zehn Prozent.

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Diese Summe von 157 000 Euro muss nun nach den Worten von Ute Marquardt, zuständig für die Politikfelder Bildung, Kultur und Freizeit im Ritterhuder Rathaus, bei den gerade angelaufenen Haushaltsberatungen berücksichtigt werden. Der Rat hat dazu während seiner jüngsten Sitzung vor elf Tagen auch bereits grünes Licht gegeben.

Beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hätte das Projekt „Stadion Moormannskamp“ allerdings spätestens am 31. August mit Skizzen und Erläuterungen angemeldet werden sollen. Ute Marquardt versicherte den Ratsmitgliedern indes, dass Unterlagen, wie etwa der politische Beschluss, noch bis zum 20. September nachgereicht werden könnten. Im Anmeldeverfahren des BBSR heißt es demnach, der Nachweis einer Haushaltsnotlage durch die zuständige Kommunalaufsicht könne bis zum 20. September digital und/oder schriftlich nachgereicht werden.

Zweiter Anlauf

Ritterhude unternimmt mit dem Vorstoß in der Bundeshauptstadt innerhalb kurzer Zeit den zweiten Versuch, Fördergelder für die Sanierung des Stadions Moormannskamp zu erhalten. Im vergangenen Jahr hatten Verwaltung und Rat auf den europäischen Geldtopf namens ZILE gesetzt: Zuwendungen für die integrierte ländliche Entwicklung. Doch die Initiative scheiterte, weil der EU-Fördertopf die erhebliche Nachfrage nicht befriedigen konnte. Die Folge: Die Hamme-Gemeinde ging leer aus. Der Landkreis Osterholz hatte zuvor ohnehin vor allzu großen Erwartungen gewarnt. Allein einen Kunstrasenplatz bauen zu wollen, sei noch kein ausreichendes Argument, um Fördergelder zu erhalten, hatte es seinerzeit von dort geheißen.

Ein Kunstrasen statt eines Naturrasens spielt auch jetzt die zentrale Rolle bei der geplanten Sanierung des Moormannskamp-Stadions. Das schlagende Argument liefert das Bremerhavener Planungsbüro Lüder Hoppe. Bei guter Pflege halte ein Naturrasen eine Belastung von rund 400 Stunden im Jahr aus, heißt es in einer Machbarkeitsstudie. Die Grasfläche im Stadion Moormannskamp aber werde jährlich 1890 Stunden strapaziert. Folgerung des Landschaftsarchitekten aus der Seestadt: Der Wunsch der Sportler nach einem Kunstrasensystem sei gut nachvollziehbar.

Sanierungsbedarf gebe es allerdings nicht nur für das Spielfeld, sondern auch für alle anderen, mittlerweile rund 38 Jahre alten Breitensport-Einrichtungen im Stadion wie etwa Laufbahn und Sprunganlagen, betont die Gemeindeverwaltung in der Beschlussvorlage. Ein sicherer Sportbetrieb sei nicht mehr zu gewährleisten. Kürzlich musste bereits eine schadhafte Laufbahn wegen Unfallgefahr gesperrt werden.

Auf Förderung angewiesen

Die Klagen über zu wenige und zu stark belastete Sportplätze in der Gemeinde gibt es bereits seit rund zwei Jahrzehnten. Als die SG Platjenwerbe 2012 darauf hoffen durfte, an der Straße Heidkamp eine Sportanlage zu erhalten, scheiterte das Projekt an einer kurzfristig initiierten Bürgerbefragung. Heute ist die 4,5 Hektar große Fläche zwischen Wohnbebauung und Autobahn als Gewerbegebiet im Gespräch.

Um eine Sanierung des Stadions am Moormannskamp überhaupt realisieren zu können, ist die Gemeinde Ritterhude aufgrund der Haushaltsmisere auf Fördertöpfe angewiesen. Daraus macht Ute Marquardt kein Hehl. Von dem Aufruf des Bundesinnenministeriums an Kommunen und Städte, um Mittel aus dem Topf zur „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ zu werben, hat sie nach eigenen Worten erst Mitte August erfahren. Mit dem Budget von 100 Millionen Euro will der Bund 102 Projekte fördern. Knapp die Hälfte soll bereits den Zuschlag erhalten haben. Die Nachfrage ist also offensichtlich ebenso groß wie seinerzeit bei ZILE. Für die Ritterhuder und insbesondere die Sportvereine, die im Stadion Moormanskamp Heimrecht genießen, bleibt zunächst nur die Hoffnung. Denn aus eigener Finanzkraft könne Ritterhude das Sanierungsvorhaben nicht stemmen, bekräftigt Marquardt.

Der Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport will sich am heutigen Montag um 16 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses mit dem Zustand der Ritterhuder Sportanlagen und den Sanierungsplänen der Verwaltung befassen.