10. Dezember 2021 / 11:59 Uhr

Einlass, Stimmung, Besonderheiten: So läuft ein Spiel im WM-Gastgeberland Katar

Einlass, Stimmung, Besonderheiten: So läuft ein Spiel im WM-Gastgeberland Katar

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fans beim Spiel des Arab-Cups zwischen Katar und Oman.
Fans beim Spiel des Arab-Cups zwischen Katar und Oman. © IMAGO/Laci Perenyi (Montage)
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Die Weltmeisterschaft in Katar beginnt im Winter 2022. Zurzeit läuft in dem Wüstenstaat der Arab-Cup als Testlauf für das Turnier. Der SPORTBUZZER hat sich ein Spiel des Gastgebers gegen den Oman vor Ort angeschaut und den Test gemacht, was den Fan im nächsten Jahr in einem Stadion erwartet. 

Im Tunnel zum Al-Rayyan-Stadion in Doha (Katar) dröhnt es in englischer Sprache aus den Lautsprechern: "Langsamer fahren, Stau!“ Nicht verwunderlich. Vier Autos pro katarische Familie sind in dem Land am Persischen Golf nicht unüblich. Und gefühlt fährt an diesem Tag jedes Familienmitglied im eigenen Vehikel zur Arena – anstatt zusammen in einem Auto. Es kostet also viel Geduld, bis man es endlich zur Partie zwischen Gastgeber Katar und dem Oman (2:1) schafft.

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In dem Wüstenstaat findet gerade der Arab-Cup statt. Es ist der Testlauf für die Weltmeisterschaft im Winter 2022. Doch was erwartet den Fußballfan in rund zwölf Monaten in einem katarischen Stadion? Was ist ungewohnt im Vergleich zum Fußball hierzulande? Der SPORTBUZZER hat den Check vor Ort gemacht.

Der Einlass

Ist der Parkplatz gefunden, werden die Zuschauer von Einsatzkräften in Richtung Stadion geleitet. Unterwegs dorthin werden Einheimische mit Schwenkfahnen ausgestattet. Am Stadion angekommen, geht es wie am Flughafen in Schlangenlinien durch die Absperrungen bis zum Securitycheck. Dort werden das Ticket und eigentlich auch eine sogenannte Fan-ID kontrolliert, ein Ausweis mit Foto. Weil es aber bei der Onlineerstellung oft zu technischen Pro­ble­men kam – Fans mussten Reisepass, Hotelbestätigung und mehr hochladen –, wurde sie wieder abgeschafft. Fraglich, ob sie bei der WM zum Einsatz kommt.

Ebenfalls wird mithilfe einer App, die jeder Fan auf dem Handy haben muss, der Impfstatus kontrolliert. Es gilt die 2G-Regel. Die Anreise in öffentlichen Verkehrsmitteln indes ist nicht coronakonform. Die Straßenbahnen sind voll. Abstände können nicht gewährleistet werden. Frauen und Männer werden am Stadioneingang getrennt kontrolliert. Abgetastet wird vorsichtig – da ist man in Deutschland Zupackenderes gewohnt.

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Das Wetter

Das Argument, die WM im Winter stattfinden zu lassen, ist die Hitze. Im Sommer sind mehr als 50 Grad Celsius der Normalfall. Wenn die WM am 21. November beginnt, steigen die Temperaturen allerdings nur selten über 30 Grad. Am Abend kann es durch Wüstenwinde sogar kühl werden. Für die Spieler sind die Bedingungen ideal.

Wie weit ist Katar? Ein Stimmungsbild aus dem Gastgeberland der WM 2022

Die Stimmung

Trainerlegende Ottmar Hitzfeld hatte jüngst skeptisch auf die WM geblickt. "Ich habe dort zwar schon Urlaub gemacht, aber es ist keine Fußballnation“, sagte er im Sport-1-Podcast "Meine Bayern-Woche“ mit Blick auf die Wüsten-WM. Sein Fußballherz habe die Entscheidung pro Katar nicht verstanden. Und es wäre in der Tat zu viel, von WM-Stimmung zu sprechen. Immerhin gibt es im Al-Rayyan-Stadion (dort finden acht WM-Spiele statt) einen Block, in dem Fans Stimmung machen und singen. Über ein Megafon des Anführers werden sie animiert. Nach 20 Minuten gibt es zum ersten Mal La Ola – sie schafft es nicht durch die Arena.

Immerhin: Spielt Gastgeber Katar, wird es laut in dem 40 .000 Zuschauer fassenden Stadion, das an diesem Tag zu zwei Dritteln gefüllt ist. Einige Fans tragen die Trikots der katarischen Nationalmannschaft, die meisten Männer sind mit der "Thawb" gekleidet, einem weißen Gewand. Auch Frauen sind im Stadion – einige komplett verschleiert. Auffällig: In der Arena hängen keine Spruchbänder, wie wir sie aus Deutschland kennen.

Essen/Trinken

Im Stadion herrscht Alkoholverbot. Das soll auch bei der WM der Fall sein. Eine Cola kostet 10 Katar-Riyal, umgerechnet etwa 2,50 Eu­ro, ein halber Liter Wasser die Hälfte. Schweinefleisch gibt es in dem muslimischen Land nicht, ein Rindfleisch-Burger kostet etwa 4,50 Eu­ro, vegane Gemüsesticks mit Hummus gibt es für 2 Euro. Nicht so fortschrittlich: Burger, Sandwiches und Hot Dogs werden in sehr viel Alufolie verpackt, was Unmengen an Müll produziert. Gezahlt werden kann aktuell nur mit einer Visa-Kreditkarte. Die Ausgabe dauert sehr lange.

Besonderheiten

Wenn das Spiel in die Zeit des Gebets fällt, das fünfmal täglich abgehalten wird, absolvieren die Gläubigen dieses im Stadion. Es gibt Extraräume, viele knien im Stadion nieder und beten dort. Auffällig ist, dass die Kataris nicht den Anspruch haben, pünktlich im Stadion zu sein. Manche schlendern erst zur Halbzeit in die Arena.

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