10. September 2019 / 12:21 Uhr

Protest gegen Stadionverbot für Frauen: Iranerin erliegt schweren Verletzungen

Protest gegen Stadionverbot für Frauen: Iranerin erliegt schweren Verletzungen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Frauen sind in iranischen Fußball-Stadien im Regelfall unerwünscht. Auf diesem Archivfoto verfolgt eine Frau im Juni 2019 durch einen Schutzzaun eine Partie von Esteghlal Teheran.
Frauen sind in iranischen Fußball-Stadien im Regelfall unerwünscht. Auf diesem Archivfoto verfolgt eine Frau im Juni 2019 durch einen Schutzzaun eine Partie von Esteghlal Teheran. © imago images / Amirhossein Kheirkhah
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Eine junge Frau ist nach einer Protestaktion gegen das Stadionverbot für Frauen im Iran gestorben - an Verletzungen, die sie sich selbst zugefügt hat. Die Frau war von der Polizei festgenommen worden, nachdem sie versucht hatte, bei einem Spiel von Esteghlal Teheran ins Stadion zu gelangen.

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Eine junge Frau ist nach einer Protestaktion gegen das Stadionverbot für Frauen im Iran gestorben. Sie hatte sich in der vergangenen Woche vor einem Teheraner Gericht mit Benzin übergossen und angezündet. Am Montagabend erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen, wie iranische Medien am Dienstag berichteten. Die Frau war von der Polizei festgenommen worden, nachdem sie versucht hatte, bei einem Spiel von Esteghlal Teheran in Asiens Champions League ins Stadion zu gelangen.

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Im Iran ist Frauen der Besuch von Fußballspielen im Stadion untersagt. Vom Gericht wurde sie zudem wegen Beamtenbeleidigung zu sechs Monaten Haft verurteilt. Aus Protest gegen die Verurteilung zündete sich die junge Frau an.

Präsident Ruhani gegen Verbot - aber ohne Macht gegen erzkonservativen Klerus

Ihr Tod führte zu einer Protestwelle der Iraner in den sozialen Netzwerken gegen Polizei und Justiz. Das Stadionverbot für Frauen sorgt schon seit vier Jahrzehnten für Diskussionen im Iran. Obwohl auch Präsident Hassan Ruhani gegen das Verbot ist, konnte er sich bis jetzt nicht gegen den erzkonservativen Klerus des Landes durchsetzen. Zuletzt hatte eine Entscheidung des Staatsfernsehens für internationales Aufsehen gesorgt: Der Sender zeigte das Bundesliga-Spiel zwischen dem FC Bayern und Augsburg (3:2) im Februar nicht, weil Bibiana Steinhaus die Partie als Schiedsrichterin leitete.

Zuletzt gab es Berichte über hohe Haftstrafen für sechs Frauen, die sich - als Männer verkleidet - ins Asadi-Stadion geschlichen hatten. Eine der Frauen, eine Journalistin, habe sie dabei auch fotografiert. Zwar wurden alle auf Kaution wieder freigelassen, aber die hohen Haftstrafen wurden im Iran als Einschüchterung bewertet. Viele Iraner fordern von FIFA-Präsident Gianni Infantino, die iranische Nationalmannschaft wegen der Diskriminierung der Frauen im Land für die WM 2022 in Katar zu disqualifizieren.

Wir berichten in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden, gibt es Hilfe. Unter der kostenlosen Hotline 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 können Sie anonym mit der Telefonseelsorge sprechen, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnte.

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