13. April 2021 / 15:27 Uhr

Stahl-Wittstock-Trainer Dietmar Andree: "Wir sind nur die kleinen Dödel"

Stahl-Wittstock-Trainer Dietmar Andree: "Wir sind nur die kleinen Dödel"

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Hängen am Stahlsportplatz noch ein Jahr ran: Co-Trainer Ingolf Thon (l.) und Cheftrainer Dietmar Andree.
Hängen am Stahlsportplatz noch ein Jahr ran: Co-Trainer Ingolf Thon (l.) und Cheftrainer Dietmar Andree. © Marius Böttcher
Anzeige

Kreisoberliga Prignitz/Ruppin: Nach dem Saisonabbruch hängt das Urgestein gemeinsam mit Co-Trainer Ingolf Thon noch ein Jahr ran.

Anzeige

Die Kreisoberliga-Kicker von Stahl Wittstock lagen aussichtsreich im Rennen – wurden aber von der Corona-Pandemie und dem Saisonabbruch gestoppt. So will sich Dietmar Andree als Trainer von seinen Stählernen einfach nicht verabschieden, wie der 59-Jährige im Interview mit dem SPORTBUZZER verrät.

Anzeige

Vor etwas mehr als zwei Wochen beschloss der Fußball-Landesverband den Saisonabbruch. Direkt im Anschluss übten Sie Kritik daran, dass keine Staffelsieger benannt werden. Bleiben Sie ihrer Meinung auch mit etwas Abstand treu?

Dietmar Andree: Ja, um ehrlich zu sein schon. Weil es meiner Meinung nach ein Unding ist, dass die Saison 2019/20 und die Saison 2020/21 so unterschiedlich bewertet werden. Im Vorjahr ließ der Verband noch Aufsteiger aus allen Spielklassen zu. Jetzt, wo wir nur ein paar Spiele weniger absolviert haben, wird alles auf Null gesetzt. Meine Jungs haben gekämpft und sich im Training den Arsch aufgerissen, stehen nun aber mit leeren Händen da. Uns ging es ja nicht vorrangig um den Aufstieg, über den Staffelsieg hätten wir uns aber schon gefreut.



Kreisoberliga Prignitz/Ruppin: Stahl Wittstock schlägt Union Neuruppin II mit 1:0.

Nach hartem Kampf mit zwei Roten Karten unterliegt Union Neuruppin II dem Tabellenführer Stahl Wittstock mit 0:1. Zur Galerie
Nach hartem Kampf mit zwei Roten Karten unterliegt Union Neuruppin II dem Tabellenführer Stahl Wittstock mit 0:1. © Dirk Becker

Fühlen Sie sich unfair behandelt?

In gewisser Weise. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir benachteiligt oder zumindest nicht wirklich beachtet werden. Als wir vor drei Jahren in Zernitz zum Nachholspiel gereist sind, zog Oliver Goldberg (ehemals Gießel, Anm. d. Red.) in der Torschützenliste noch am Zernitzer Markus Bröker vorbei. Der eine erzielte 44 Treffer, der andere einen weniger. Da hätte doch mal jemand vom Kreis kommen können, um das zu würdigen. Sollte der MSV Neuruppin mit sieben absolvierten Partien tatsächlich noch in die Oberliga aufsteigen, wäre das für mich nicht nachvollziehbar. Aber wir sind auch nur die kleinen Dödel, mit denen man sowas machen kann.

Die Inzidenzzahlen gehen hoch, das Impftempo ist zudem überschaubar – gab es denn Alternativen zur vorzeitigen Beendigung?

Der Abbruch an sich ist absolut legitim, uns Menschen soll es ja gut gehen und die Gesundheit steht im Vordergrund. Die Corona-Situation war für alle neu, wobei das Impftempo ja wirklich langsamer als eine Schildkröte ist. Ich finde aber trotzdem, dass man zumindest die Tabellenführer und vielleicht auch die Führenden in der Torschützenliste prämieren hätte können.

"Da hätte noch viel passieren können"

Acht Spiele, sechs Siege, zwei Remis – so lautete die beeindruckende Statistik ihres Teams, welches die Kreisoberliga-Tabelle anführte. Wer hätte Stahl Wittstock in dieser Saison gefährlich werden können?

Vermutlich bloß wir uns selbst (lacht). Nein, Spaß beiseite. Wustrau, Zernitz, Wusterhausen – da waren noch einige Truppen, die nicht zu unterschätzen sind. Jede Mannschaft hätte sicher noch irgendwo Punkte gelassen. Ich bin auch nicht so vermessen zu sagen, dass wir eindeutig Meister geworden wären. Da hätte noch viel passieren können.

Im Sommer wechselten mit Oliver Drott und Jochen Meier zwei Kicker mit Landesliga-Erfahrung von Hansa Wittstock die Straßenseite. Philip Gerstmann, der von Prignitz Maulbeerwalde zum Stahlsportplatz kam, hatte keine Anlaufschwierigkeiten. Ist diese Mannschaft die qualitativ beste, die der Verein je hatte?

Oha, schwierige Frage. Das kann durchaus sein, wir hatten aber schon einmal so ein Superjahr, als wir in die Kreisoberliga aufgestiegen sind. Da waren wir auch personell stark besetzt und sind auch im Pokal weit gekommen. Aber es stimmt schon: Die aktuelle Mannschaft ist eine Klasse für sich.

Mehr Sport aus Prignitz/Ruppin

Sie sprechen den Cup-Wettbewerb an. Dieser soll ja noch ausgetragen werden.

Na wenn wir schon für die Leistung in der Liga nichts bekommen, wollen wir wenigstens den Pokal holen. Da haben wir ja auch immerhin Union Neuruppin besiegt. Wir müssen im Viertelfinale nach Wustrau – ein ganz schweres Los, aber wir gehen optimistisch an die Sache. Es bleibt abzuwarten, ob das wirklich so funktioniert, die Spieler bräuchten einige Wochen Vorbereitungszeit, weil ansonsten die Verletzungsgefahr zu groß wäre.

Hand aufs Herz: Hätte Stahl den Schritt in die Landesklasse gewagt?

Anzeige

Das kann ich wirklich nicht beantworten, das hätte die Mannschaft entschieden. Und wenn die Mannschaft das gewollt hätte, dann hätten wir das gemacht. Mit der Prämisse natürlich, dass man sich dieser Herausforderung stellt, durch Brandenburg zu tingeln und auch samstags zu spielen. Einige Dinge sprachen aber durchaus dafür – beispielsweise die junge Mannschaft, die Qualität und der Wille.

Duo Andree/Thon macht noch ein Jahr weiter

Für Sie wäre die Zeit an der Seitenlinie dann vorbei gewesen?

Ja, ins Land gehe ich nicht mit. Ingolf (Co-Trainer Thon, Anm. d. Red.) und ich hätten den Staffelstab dann weiter gereicht.

Und nun? Ändern sich die Pläne?

Nun hängen wir noch ein Jahr ran, um das zu schaffen, was wir in diesem Jahr nicht geschafft haben. Und um die Anderen noch ein Jahr länger zu ärgern, wobei ich das mit vorgehaltener Hand sage.

Verstärkungen sind möglich: "Aber nicht mit Geld"

In der Saison 2021/22 lautet das Ziel also Meisterschaft?

Wenn wir schon mal so weit oben standen, dann wäre es ja Quatsch, das nicht mehr als Ziel auszugeben. Ich gehe auch davon aus, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Wo soll man jetzt auch hingehen?

Verstärkungen sind demnach auch nicht geplant?

Doch, doch. Verstärkungen kommen immer in Frage. Aber nicht auf Teufel komm raus – und vor allem nicht mit Geld, so wie es an anderen Orten vielleicht läuft.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!