03. April 2022 / 11:05 Uhr

Der größte Star ist Deutscher: Wie ein belgischer Underdog an einem Fußball-Märchen schreibt

Der größte Star ist Deutscher: Wie ein belgischer Underdog an einem Fußball-Märchen schreibt

Alexis Menuge 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Deniz Undav (Vordergrund, links) greift mit Royale Union Saint-Gilloise nach der Meisterschaft in Belgien.
Deniz Undav (Vordergrund, links) greift mit Royale Union Saint-Gilloise nach der Meisterschaft in Belgien. © IMAGO/Belga
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Deniz Undav steht vor seinem ersten Meistertitel im Profi-Fußball - in Belgien, mit einem Aufsteiger. Der Deutsche greift mit Royale Union Saint-Gilloise sensationell nach der Meisterschaft.

Royale Union Saint-Gilloise sorgt gerade für eine der größten Sensationen der europäischen Fußballgeschichte: Der 1897 gegründete Traditionsklub aus dem Brüsseler Südwesten, der elfmal, zuletzt 1935, die Meisterschaft gewonnen hat, steht souverän an der Tabellenspitze der belgischen Liga mit zwei Zählern Vorsprung auf den FC Brügge. Ein entscheidender Faktor in dieser Erfolgsgeschichte ist ein Deutscher: Deniz Undav, geboren in Achim und früher mal beim SV Meppen unter Vertrag, erzielte bisher 25 Tore in der laufenden Saison. Der 23 Jahre alte Stürmer, der beim KRC Genk das Fußballspielen gelernt hat, ist gerade der Shootingstar der Jupiler Pro League.

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Als Väter der jetzigen Union-Erfolgssträhne gelten Trainer Felice Mazzù sowie Sportdirektor Chris O’Loughlin. Der gebürtige Nordire hat nicht nur beim Transfer von Undav ein glückliches Händchen bewiesen. Auch andere Stammkräfte wie etwa Torhüter Anthony Moris und den ebenfalls vom Zweitligisten Royal Excelsior Virton im Südosten des Landes zu Union gewechselten madagassischen Nationalspieler Loïc Lapoussin konnte O’Loughlin für wenig Geld in die belgische Hauptstadt locken. Nur wenige der heutigen Spieler waren übrigens schon 2019 im Verein, wie zum Beispiel der vom jetzigen französischen Zweitligisten USL Dunkerque gekommene Verteidiger Ismaël Kandouss.

Co-Trainer erklärt Erfolgsrezept von Royale Union Saint-Gilloise

Topeinkauf des Vereins ist zweifellos der Coach. Unter Mazzú gelang Union Saint-Gilloise nach 48 Jahren in der abgelaufenen Saison der Wiederaufstieg in die höchste belgische Liga. Mazzù schaffte es, aus einer Mannschaft der Namenlosen eine verschworene Gemeinschaft zu formen mit einer unglaublichen Unbekümmertheit und Effektivität. Co-Trainer Karel Geraerts verriet unlängst das Erfolgsrezept des Trainers: "Die Leidenschaft, mit der Felice auf einem Fußballplatz steht, ist der Schlüssel unseres Erfolgs. Bei jedem Spiel, im Training oder bei einer Übungseinheit spricht er zu den Spielern, als spielten wir ein Finale. Da ziehen die Jungs voll mit, bei jeder Trainingseinheit und bei jeder Partie. Jeder weiß in diesem Team, dass wir gerade eine fantastische Erfolgsgeschichte schreiben. Alle geben alles, damit sie noch lange bestehen bleibt."

Der Vielgepriesene sieht selbst als einen Erfolgsfaktor die familiäre Atmosphäre im Klub und im heimischen Stadion. "Hier riecht es nach Gras, Hamburgern und Fritten", erzählte Mazzù. "Wir sind eine eingeschworene Einheit, eine Elf, die authentisch und pragmatisch spielt und arbeitet. Wir sind nicht zufällig da oben." Während der Trainer auf dem Erdboden des Rasenplatzes bleiben will und nach wie vor, zumindest offiziell, den Klassenerhalt als oberstes Ziel dieser Spielzeit propagiert, wird rings um den Parc Duden schon über einen möglichen Titelgewinn spekuliert. So wird verwiesen auf das Beispiel des inzwischen ganz von der Bildfläche verschwundenen SK Lierse, der 1996/1997 sensationell belgischer Meister wurde. Noch besser als Vorbild dürfte indes der wie Union traditionsbeladene 1. FC Kaiserslautern passen. Er gewann im Jahr eins nach dem Aufstieg 1997/1998 mit der Trainerlegende Otto Rehhagel in der Bundesliga die Meisterschale.

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"Diese Geschichte ist schlicht wunderschön und tut gut in dieser merkwürdigen Welt", meinte Jean-Marie Pfaff, der ehemalige Torwart des FC Bayern München. "Die Meisterschaft ist mehr denn je aktuell, und vielleicht oder sogar höchstwahrscheinlich wird sich eine solche Chance nicht so schnell erneut ergeben. Deswegen gehe ich davon aus, dass Union seine Frische und seine Bodenständigkeit bis zum Saisonende beibehalten wird. Hoffen wir, aus neutraler Sicht, dass sie nicht verkrampfen, aber es sieht gerade nicht danach aus."

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