01. August 2020 / 17:22 Uhr

Star-Spieler Leon Draisaitl vor dem NHL-Start im Porträt: Vater Peter erklärt die Karriere seines Sohnes

Star-Spieler Leon Draisaitl vor dem NHL-Start im Porträt: Vater Peter erklärt die Karriere seines Sohnes

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wie der Vater - so der Sohn: Peter Draisaitl (Zweiter von rechts) war einst selbst Eishockey-Profi. Sein Sohn Leon Draisaitl (Zweiter von links) ist inzwischen ein großer Star in der NHL.
Wie der Vater - so der Sohn: Peter Draisaitl (Zweiter von rechts) war einst selbst Eishockey-Profi. Sein Sohn Leon Draisaitl (Zweiter von links) ist inzwischen ein großer Star in der NHL. © Herbert Bucco/Imago Images
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Leon Draisaitl startet am Samstag mit seinen Edmonton Oilers gegen die Chicago Blackhawks in die NHL-Play-offs. Sein Vater Peter Draisaitl erklärt die herausragende Entwicklung seines Sohnes und verrät einige Geheimnisse.

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Es gab in der Kindheit von Leon Draisaitl Momente, die alles hätten auf den Kopf stellen können. „Es kam einige Male vor, dass er voll angezogen plötzlich nicht mehr spielen wollte, und wir wieder nach Hause gefahren sind“, erzählt sein Vater Peter: „Mit sieben, acht Jahren hatte er mal ganz aufgehört zu spielen und es mit Fußball probiert.“ Laut Peter Draisaitl sei sein Sohn schon immer sehr talentiert gewesen. Doch dass es sogar zu einer Weltkarriere reichen würde, war keinesfalls sicher. Heute ist der Kölner einer der besten Eishockey-Spieler der Welt – und steht ab dem Re-Start der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL an diesem Samstag besonders im Fokus, wenn es gegen die Chicago Blackhawks geht.

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Draisaitl wurde gleich für zwei bedeutende Trophäen nominiert. Neben dem Ted Lindsay Award (vergeben durch die Spielergewerkschaft NHLPA) ist er auch für die Hart Memorial Trophy nominiert – in beiden Fällen wird der beste Spieler der Saison ausgezeichnet. Noch nie in der Geschichte kam ein Deutscher überhaupt unter die letzten Drei. Draisaitl schickt sich an, einer der ganz Großen seines Sports zu werden, der „Dirk Nowitzki des Eishockeys“, wie in Anlehnung an die deutsche Basketball-Legende schon früher einmal über ihn zu lesen war. „Dieser Wille, etwas durchzuziehen und dort hinzugehen, wo es richtig drauf ankommt – das haben beide gemeinsam“, sagt Papa Draisatil, der früher selbst Profi war. Der beste Scorer der abgebrochenen Hauptsaison ist sein Sohn bereits – dies schaffte noch nie ein Deutscher vor ihm. Die Statistik in der wegen der Corona-Pandemie verkürzten Hauptrunde spricht Bände: 110 Scorerpunkte (43 Tore, 67 Vorbereitungen) in nur 71 Partien sammelte er.

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Vater Draisaitl lobt mentale Stärle von Leon

Mit 24 Jahren hat er zum Start der Playoffs seinen vorläufigen Karriere-Höhepunkt erreicht – weil er sich durchgebissen hat. „Leon hatte schon immer die Fähigkeit, sich den Herausforderungen anzupassen und sich immer wieder auf das höhere Niveau zu steigern. Er brauchte immer etwas Zeit, um sich umzugucken, aber er hat sich immer anpassen können. Er hat die Fähigkeit, sich aus dem Dreck zu ziehen. Er hat eine überragende mentale Stärke. Das ist der vielleicht entscheidende Punkt“, erklärt sein Vater. So war es als er 2014 von den Edmonton Oilers an dritter Stelle der Talente-Ziehung nach Kanada geholt, aber erst einmal aufs Abstellgleis gestellt wurde. Draisaitl gewöhnte sich an das hohe Niveau, und ist seit 2015 aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. „Er will lernen und adaptieren. Er hat sein Spiel immer wieder verändert und angepasst. Er kann sich gut einschätzen und weiß, was er seinem Spiel hinzufügen muss“, sagt sein Vater, der als Trainer arbeitet. Inzwischen ist Leon Draisatil in Nordamerika ein absoluter Star. „Davon lässt er sich aber nicht verrückt machen“, sagt Peter Draisaitl.

Von Draisaitl sieht man wenige Fotos in den sozialen Netzwerken. Wenn, dann sind es Bilder mit seinem Hund,  seiner Freundin, Kumpels und Familie. Manchmal sieht man ihn golfen. „Ich wäre weniger begeistert, wenn er mit einem Lamborghini durch die Gegend fahren und das bei Instagram posten würde. Ich bin der Meinung, dass man nicht unbedingt irgendwelche schwachsinnigen Posts machen muss, um bekannt zu werden“, sagt sein Vater. Der Eishockey-Profi hat es sich zu Herzen genommen, ist in Gesprächen zurückhaltend, will nicht zu viel preisgeben.

Draisaitl, der Familienmensch

Privat hingegen ist Draisaitl offener. Zwar sei er kein Partygänger, wie sein Vater erzählt: „Aber er ist ein normaler junger Mann, der gern mit den Jungs um die Häuser zieht.“ Dann könne der „Kölsche Jung“ auch mal einen Tisch allein unterhalten. Aber die eingebaute Handbremse hatte er schon immer – wild wurde es um ihn nie. „Leon bietet wenig Angriffsfläche. Er ist relativ ausgeglichen und gechillt – wir wissen immer noch nicht, von wem er das hat“, scherzt sein Vater. Nur wenn es um seine Familie geht, kann er auch lauter werden. Dann setzt der Beschützer-Instinkt ein. Draisaitl, der Familienmensch.

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Dies sei schon immer so gewesen – dennoch zog es ihn weg. Früh in seiner Jugend wechselte er von den Kölner Haien zu den Adlern Mannheim, dem damals besten Eishockey-Klub Deutschlands. Als 16-Jähriger ging es für ihn nach Kanada. Seinem Traum vom Profi-Dasein ordnete er alles unter. „Wir haben ihn ziehen lassen“, sagt sein Vater. „Ich komme aus dem Business und weiß, dass man den Weg zu 100 Prozent gehen muss. Ich wusste, dass er immer dahingehen wird, wo er für sich die besten Entwicklungsmöglichkeiten sieht.“ Dass es allerdings so gekommen ist, wie jetzt, hätte selbst Papa Draisaitl „vor ein paar Jahren nicht kommen sehen“. Doch eines ist klar: „Alle persönlichen Errungenschaften würde er gegen einen Stanley-Cup-Titel eintauschen.“ Die Chance hat er nun, wenn er mit seinen Edmonton Oilers gegen die Chicago Blackhawks in die NHL-Play-offs startet.