04. Januar 2022 / 21:00 Uhr

Starke Charaktere, starke Tänzer: Leipziger Kombinations-Paar unter den besten Deutschlands

Starke Charaktere, starke Tänzer: Leipziger Kombinations-Paar unter den besten Deutschlands

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
Zehn-Tänze-Paar Max Naumann und Konstanze Freitag vom TC Rot-Weiss Leipzig.
Zehn-Tänze-Paar Max Naumann und Konstanze Freitag vom TC Rot-Weiss Leipzig. © Rebecca Unger
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Das Leipziger Zehn-Tänze-Paar Konstanze Freitag und Max Naumann hat sich bei den Deutschen Meisterschaften ins Finale getanzt. Dabei haben die vergangenen zwei Pandemie-Jahre das Duo herausgefordert.

Leipzig. „Wenn wir tanzen, ist der Puls schnell bei 180 oder 200.“ Circa zwei Minuten dreht sich dann das Leipziger Zehn-Tänze-Paar auf dem Parkett. Konstanze Freitag und Max Naumann schwingen das Tanzbein in der Königsdisziplin. Heißt: Das Duo absolviert alle zehn klassischen Turniertänze in einem Wettbewerb – je fünf Standard- und Lateintänze. Die Pausen zwischen den Runden sind kurz. Konstanzes Kleider müssen in kürzester Zeit gewechselt werden. Nicht nur das Outfit muss sitzen, sondern auch der Wechsel zwischen den Kombinationen – Kopf und Korpus müssen voll da sein.

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Da bedarf es eines eingespielten Teams. Das Tanzpaar von Rot-Weiss Leipzig schwebt seit vier Jahren gemeinsam durch die Säle. Die Chemie habe von Anfang an gestimmt. „Wie die Faust aufs Auge“, macht Max klar, der mit seinen 20 Lenzen ein Jahr jünger ist als die Partnerin. Das Schicksal führte die beiden zueinander. Max überlegte einst, das „zeitintensive, kostenintensive und schöne Hobby aufzugeben“, so der Sachse. Doch mögliche vertane Chancen bewegten ihn zum Weitermachen. Bei Konstanze zeichnete sich die Trennung von ihrem damaligen Tanzpartner ab. So fanden sich beide nach einem Probetag.

Um keinen Flachs verlegen

Seither pendelt Max von seiner Geburtsstadt Dresden an die Pleiße. Entfernungen sind normal in diesem Sport. Leipzig wurde der Anlaufort. In die Messestadt würden viele nationale und internationale Trainer kommen, begründet Max die Entscheidung. Das Duo trainiert Standard unter den Fittichen von DDR-Meister Fred Jörgens und Bundesjugendtrainer Sven Traut, Latein gibt Laurens Mechelke. Max ist gerade dabei, sich in der Finanzberatung selbstständig zu machen und könne daher noch nicht fest nach Leipzig ziehen. Konstanze studiert an der Uni Leipzig Slawistik. Geprägt durch das Elternhaus spricht sie Russisch und Polnisch, lernt derzeit noch Tschechisch. „Ich habe Glück, dass ich bei meiner Mutter lebe. Anders würde es mit Tanzen und Studium nicht funktionieren.“

Trainiert wird dienstags, mittwochs und an den Wochenenden, Privatstunden kommen hinzu. In Leipzig erhält Max Unterschlupf bei Familie Freitag. Die Tänzer leben den Alltag neben dem Sport also teils gemeinsam, wenn auch nicht liiert. Dass beide harmonieren und um keinen Flachs verlegen sind, ist offensichtlich. „Wir sind wie eine Sitcom“, sagt Konstanze, „ein lustiges Tanzpaar“, fügt Max hinzu. Beide bekräftigen, dass sie sehr unterschiedlich seien. „Max liebt es, im Mittelpunkt zu stehen und ist impulsiv“, beschreibt Konstanze ihren Partner. Max seine Kollegin: „Sie ist viel introvertierter und überlegt mehr. Wir ecken manchmal bisschen aneinander. Aber das macht uns aus.“ Ihre Gemeinsamkeit: Beide sind starke Charaktere. Es fallen auch klare Worte. Dann gehen sie einen Schritt zurück oder aufeinander zu.

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Internationale und nationale Auftritte

Schwierig verliefen jedoch die Pandemiejahre. 2019 feierten sie noch den nationalen U21-Titel. Dann kam Corona. Landes- und Bundeskader haben während der Lockdowns einen Sonderstatus. „Allein im Saal wussten wir erstmals nicht, was wir miteinander anfangen sollten. Wir durften trainieren, alle rundherum nicht. Wir sollten eigentlich glücklich sein. Von außen kommt noch der Druck, dass Du Dich weiterentwickeln musst“, so Konstanze über den Start in die Pandemie.

Kurzum setzte sich das Paar eigene Ziele. „Wir haben auf das Bundeskader-Training hintrainiert und uns gepusht“, erklärt Max. „Wir wollten unsere Leistung verbessern, unser Ziel nie aus den Augen verlieren“, so Konstanze. Beide wollen sich perspektivisch in den B-Kader tanzen. Zudem lernten sie das Tanzen im freien Training. Das hat sich ausgezahlt. Einen internationalen Auftritt legte das Paar 2021 in Italien hin und gehörte zu den erfolgreichsten deutschen Akteuren auf dem Parkett. Dann stand nach verschobenen Turnieren ein nationaler Tanzmarathon an, drei Wettbewerbe innerhalb von drei Wochen.

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Bilanz: Das Paar erreichte das Viertelfinale bei den Meisterschaften in Latein und tanzte sich gar ins Finale der Deutschen Meisterschaft über zehn Tänze. Rang sechs stand zu Buche. Beide gehören nun zu den besten deutschen Kombinations-Paaren. Ihre Stärke: die Standard-Sektion. Über die Festtage galt es kurz abzuschalten. Dennoch stand die Planung für 2022 ins Haus. „Du hast das Tanzen permanent im Kopf, denkst über Planung, Stunden, Turniere und das Finanzielle nach.“ Das Monetäre ist in dem Leistungssport nicht unerheblich. In Konstanzes Kleiderschrank hängen geschneiderte Kleider im Wert von mehreren Tausend Euro.

Welche Ambitionen legt das Paar an den Tag? Das Gespann setzt sich realistische Jahresziele, plant aber nicht langfristig. Mehr globale Turniere stehen anno 2022 auf dem Plan. „Das Entscheidende ist: Wir wollen uns verbessern und Paare, die vor uns liegen, schlagen“, sagt Konstanze. Max ergänzt: „Uns aufs Treppchen tanzen.“

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