12. Oktober 2021 / 22:46 Uhr

Starke Fair-Play-Aktion: FC Hevesen gibt dem TSV Ahnsen das Führungstor zurück

Starke Fair-Play-Aktion: FC Hevesen gibt dem TSV Ahnsen das Führungstor zurück

Uwe Kläfker
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Ein verrücktes Spiel: Dennis Kleiber (Nummer 11) bringt den FC Hevesen mit 4:3 in Führung, Tom Vauth (rechts) jubelt mit. Aber der TSV Ahnsen schlägt in der Nachspielzeit zurück. © Uwe Kläfker
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Verrückte Kreisliga-Partie auf der Achumer Wiese wird durch denkwürdige Fair-Play-Aktion lange in Erinnerung bleiben. "Wir möchten auch so behandelt werden", sagt der 19-jährige Torschütze.

ACHUM. Es gibt Fußballspiele, die sind besonders, bleiben länger in Erinnerung – und sei es nur durch eine einzige Aktion. In der Schaumburger Kreisliga gehört das Derby zwischen dem FC Hevesen und dem TSV Ahnsen vom vergangenen Sonntag in diese Kategorie. Der FCH zauberte dabei eine ungewöhnliche Fair-Play-Aktion auf die Achumer Wiese. Was war passiert? Ein Spieler des gegnerischen Teams wurde durchgewunken, um ohne Widerstand ein Tor erzielen zu können. Das zählt auch auf einschlägigen Fußballportalen eher zu den Kuriositäten. „Hut ab!“, zollte der Ahnser Coach Ralf Zoberbier dem Gegner Respekt. Aber der Reihe nach.

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Etwa 20 Spielminuten vor dem Abpfiff durch Schiedsrichter Jens Krowiorz (TSV Hagenburg), die Gäste führten 2:1, verletzte sich der Heveser Niklas Wehage nach einem Zweikampf an der Schulter, blieb in der Ahnser Spielhälfte in Nähe der Seitenlinie liegen und musste später ins Klinikum transportiert werden. „Das Spiel ist dann noch kurz weitergelaufen. Der Ahnser Pit Jessen hatte den Ball, Tom Vauth spitzelte ihm den vom Fuß und hat dann gleich aufs Tor geschossen“, erinnert sich FCH-Coach Denis Reinhardt an die Ausgangslage.

Der Ball lag pötzlich im Tor und die Ahnser regten sich fürchterlich auf.

„Die Ahnser haben wohl damit gerechnet, dass der Ball ins Aus geschossen wird, weil einer von uns am Boden lag“, sagt Reinhardt. Es sei aber alles sehr schnell gegangen, und auch der Ahnser Keeper Nisret Sardas habe nicht reagiert, so der Coach. Der von Vauth aus Höhe der Mittellinie locker Richtung Tor gekickte Ball „lag plötzlich im Tor, und die Ahnser regten sich fürchterlich auf.“ Obwohl das Spiel vom Unparteiischen gar nicht unterbrochen war, hatten die Gäste das Spielen eingestellt. „Die Situation war nicht geklärt, es war nicht für alle ersichtlich, dass da ein Spieler schwer verletzt liegt“, sagt Reinhardt und gibt zu bedenken: „Ich kann mich doch nicht darauf verlassen, dass der Ball sofort ins Aus gespielt wird.“

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Und was sagt eigentlich Tom Vauth dazu, der den Ball sozusagen ins Rollen brachte? „Gesehen habe ich nichts. Ich würde aber lügen, wenn sagen würde, ich hätte nichts gemerkt. Aber ich war auch voll im Fokus“, sagt der 19-Jährige. Er habe beim Rückstand schnell schalten wollen und aufs Tor geschossen. „Allerdings lag Niklas Wehage auch auf der anderen Seite des Spielfeldes – ganz weit weg“, stellt Vauth klar.

Reinhardts Pendant Ralf Zoberbier mischte in der anschließenden Diskussion während der Behandlungspause munter mit. „Ich war voll sauer, habe mich – auch lautstark – echauffiert“, räumt der Ahnser Trainer ein. Es seien verschiedene Rufe wie „Spiel den Ball ins Aus, da liegt einer von euch!“ oder auch „Schieß aufs Tor!“ zu hören gewesen, so Zoberbier. „Unser Keeper Nisret Sardas hätte den Ball auch einfach aufnehmen können, dann hätte es vielleicht einen anderen Spielverlauf gegeben“, sagt Zoberbier und räumt ein: „Wenn der Gegner auf dem 2:2 bestanden hätte, hätten wir nichts machen können.“ Der Schiedsrichter habe richtig entschieden und das Tor anerkannt. „Ich finde die Aktion des FC Hevesen besonders, das macht nicht jeder“, so der 61-Jährige.

Ich hätte den nächsten Tag nicht in den Spiegel schauen können.

Auf dem Platz beschlossen die Gastgeber, den Ahnsern ein Tor zu ermöglichen. „Im Grunde waren wir uns einig, meine Spieler sind den Weg mitgegangen“, sagt Reinhardt. Das sei gelebtes Fair Play, so der Lehrer. „Ich hätte den nächsten Tag auch nicht in den Spiegel schauen können, wenn wir auf diese Weise 2:2 gespielt hätten.“ Das sieht auch Tom Vauth so: „Als Mannschaft bereuen wir die Aktion nicht, weil wir auch gerne so behandelt werden würden.“


So wurde aufseiten des Tabellenletzten Julius Freymüller dazu auserkoren, das Werk zu vollenden und sein Team – im Spalier des FCH – mit 3:2 in Führung zu schießen.
Der neue Spielstand hatte aber nicht lange Bestand, die Heveser waren jetzt erst recht angestachelt. „Jeder hat zehn Prozent mehr gegeben“, sagt Reinhardt, dessen Team durch – wie passend – Tom Vauth und Dennis Kleiber den Spielverlauf in eine 4:3-Führung drehte. „Schade, dass wir das Ergebnis nicht gehalten haben. Es wäre die optimale Lösung gewesen, und wir hätten alles richtig gemacht“, sagt Reinhardt.

Aber der Fußballgott ist derzeit kein Anhänger der FCH-Defensive, wenige Sekunden vor dem Abpfiff der Nachspielzeit lag der Ball zum 4:4 im Netz. Den Treffer erzielte, richtig, Julius Freymüller. „Wir müssen bis zur 98. Spielminute hellwach sein“, ärgerte sich Reinhardt über fehlende Cleverness seiner Akteure. Dass der zuvor gefoulte Dennis Kleiber dann an der Grundlinie liegend auch noch das Abseits aufgehoben habe, passte irgendwie zum Nachmittag.

Der Tabellenletzte freute sich dagegen nach kuriosen Spielverlauf mit 2:0-Führung und vergebenen Chancen noch über einen Punkt in einem besonderen Spiel, das auch durch äußere Umstände eine gewisse Brisanz hatte.

Gegen den FCH ist für mich immer ein Extra-Spiel.

Der Heveser Tim Finke spielte im vergangenen Jahr noch in Ahnsen, Pit Jessen im FCH-Dress. Und auch Zoberbier war bis September 2013 Trainer auf der Achumer Wiese, ehe der Aufstiegscoach von den eigenen Spielern abgesägt wurde. Eine Aktion, die in keinem Lehrbuch steht. „Gegen den FCH ist für mich immer ein Extra-Spiel, aber die Geschichte ist schon lange her“, sagt Zoberbier.

Auch Denis Reinhardt ist mit sich im Reinen. „Letztlich hatten wir es in der eigenen Hand, das Ding für uns zu entscheiden.“ Er fühle sich auf jeden Fall als „Fair Player“, sagt der Coach und lacht.