28. August 2022 / 14:11 Uhr

Starker Saisonstart von Werder Bremen: Wie sich der Aufsteiger neu erfunden hat

Starker Saisonstart von Werder Bremen: Wie sich der Aufsteiger neu erfunden hat

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jubel: Die Bremer Jens Stage, Marvin Ducksch und Leonardo Bittencourt (von links) nach dem Sieg bei Borussia Dortmund.
Jubel: Die Bremer Jens Stage, Marvin Ducksch und Leonardo Bittencourt (von links) nach dem Sieg bei Borussia Dortmund. © IMAGO/Moritz Müller
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Der SV Werder Bremen hat mit fünf Punkten aus drei Spielen einen prima Saisonstart nach dem Wiederaufstieg hingelegt. Ein ganz wichtiger Grund: Trainer Ole Werner. Aber wie weit kann die Euphorie die Bremer trotz ihres schmalen Budgets noch tragen?

Das gab es lange nicht mehr in Bremen: Werder-Trikots sind ausverkauft. Weder die grün-weiße Variante noch das pfirsichfarbene Auswärtsjersey sind vor November wieder zu erhalten. Ein Indiz, welche Begeisterung der Saisonstart geweckt hat. Der Pflichtaufgabe im Pokal (2:1 bei Energie Cottbus) folgten in der Liga zwei Unentschieden (je 2:2 beim VfL Wolfsburg und gegen VfB Stuttgart), ehe die Sensation (3:2 bei Borussia Dortmund) an beste Bremer Tage erinnerte.

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Fühlte es sich doch fast wie das nächste Wunder von der Weser an. Mit wie viel Mut und Überzeugung der SV Werder erstmals in der Bundesliga-Geschichte einen 0:2-Rückstand ab der 89. Minute noch in einen Sieg wendete, vergrößert die Lust aufs Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an diesem Sonntag (17.30 Uhr/DAZN). Nun auch den Europa-League-Sieger zu bezwingen würde den nächsten Jubelrausch bedeuten.

An Baumann festzuhalten, war richtig

Und es würde die Gewissheit im Weserstadion stärken, fester Bestandteil der Bundesliga bleiben zu können. Nicht auszudenken, welche Verzwergung der Dritte der Ewigen Tabelle hätte einleiten müssen, wenn der Aufstieg nicht auf Anhieb gelungen wäre. Die Beispiele der Nordrivalen Hannover 96 und des Hamburger SV lassen grüßen. Insofern war es richtig, dass nach einem verpatzten Zweitligastart am vor einem Jahr ausgebuhten Sport-Geschäftsführer Frank Baumann festgehalten wurde, der nun für seine Transferpolitik abgefeiert wird

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"Wir versuchen immer wieder, Spieler emotional zu packen, zeigen ihnen zum Beispiel Videos, in denen wir ihnen klarmachen, für welche Werte wir stehen“, erklärt Baumann einen Coup wie mit Gratisstürmer Oliver Burke, der mit zwei Last-Minute-Treffern schon für mehr Aufsehen gesorgt hat als in seiner gesamten Zeit bei RB Leipzig 2016/2017. Die Sachsen hatten für den schnellen Schotten damals noch mehr als 15 Millionen Euro Ablöse bezahlt.

Trotz des auf fast 30 Millionen Euro abgeschmolzenen Lizenzspieleretats gelang es Werder, die Verträge mit Torwart Jiri Pavlenka, Abwehrchef Marco Friedl und Torjäger Niclas Füllkrug zu verlängern, eine Stütze wie Amos Pieper (kam von Absteiger Arminia Bielefeld) zu verpflichten oder auch Mitchell Weiser (bei Bayer Leverkusen überzählig) fest zu binden. Eine relevante Ablöse kostete allein der dänische Mittelfeldspieler Jens Stage (für 4 Millionen Euro vom FC Kopenhagen). Anders als früher hatte Werder seinen Kader somit früh zusammen.

Werner wichtigste Weichenstellung

Die wichtigste Weichenstellung erfolgte indes im Herbst vergangenen Jahres auf der Trainerposition. Eigentlich war ja zunächst Markus Anfang eine Mission anvertraut worden, die sich noch "Wiederaufbau statt Wiederaufstieg“ nannte. Nach holprigem Start stolperte der Rheinländer über seinen gefälschten Impfpass – und der Weg war frei für Ole Werner. Mit welcher Überzeugung, Ruhe und Klarheit der 34-Jährige als jüngster Trainer im deutschen Profifußball seitdem das Werder-Schiff steuert, ist bemerkenswert. Die Abläufe sitzen.

Werner ist mehr als nur Pragmatiker: Sein norddeutsches Naturell, seine unaufgeregte Art, aber auch sein mutiger Fußball sind wie gemacht für den Traditionsverein. Zwar ist fraglich, ob er mal eine Trainerinstitution wird wie Otto Rehhagel oder Thomas Schaaf, doch die Fähigkeiten hat er. "Ole hat in Kiel schon gezeigt, welche Spielidee er vermitteln kann, deshalb passt Werner zu Werder wie die Faust aufs Auge“, lobt Baumann.

Angesichts des knappen Budgets – in den kommenden Jahren sind Transfererlöse unerlässlich, um eine Anleihe bis 2026 zu bedienen – verbietet es sich, über andere Ziele als den Klassenerhalt zu sprechen, doch mit Angreifer Füllkrug merkte einer von Werders Wortführern an, "dass wir vielleicht sogar überraschen können, wenn wir von unserer Art und Weise überzeugt bleiben". Der 29-Jährige weiß auch, dass die Zeiten so schnell nicht wiederkommen, als er als Jugendspieler aus dem Werder-Internat regelmäßig Champions-League-Spiele am Osterdeich erlebte. Auch wenn die Atmosphäre beim Gastspiel des Europapokalsiegers aus Frankfurt am Sonntag vielleicht an diese Zeiten erinnert.

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