01. Juli 2019 / 11:02 Uhr

Starkes Spitzentrio in der Kreisoberliga

Starkes Spitzentrio in der Kreisoberliga

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Der Frohburger Alexander Steinbach (grünes Trikot, Fünfter von rechts) köpft gegen Leisnig den Ball aus der Gefahrenzone.
Der Frohburger Alexander Steinbach (grünes Trikot, Fünfter von rechts) köpft gegen Leisnig den Ball aus der Gefahrenzone. © Wolfgang Riedel
Anzeige

Die Saison 2018/2019 der Fußball-Kreisoberliga in der Bilanz: Bennewitz, Frohburg und Borna beweisen die höchste Qualität.

Borna. Ein Spitzentrio, das in einer eigenen Liga zu spielen schien. Ein Meister, der das Aufstiegsrecht wahrnahm und das Double verpasste. Ein Vorjahreschampion, der noch eine Schippe drauf legte und dennoch lediglich Vize wurde. Ein Absteiger, der sich bei ebenfalls nur zwölf Punkten Verlust mit Bronze begnügen musste und das Pokalfinale gewann. Ein Sextett im Tabellenmittelfeld, das praktisch jederzeit jenseits von Gut und Böse war. Ein lang gezogenes, um den Klassenerhalt kämpfendes Teilnehmerfeld, in dem es letztlich ein Quartett erwischte. – Das Spieljahr 2018/19 in der Fußball-Kreisoberliga der Männer bot allerhand Gesprächsstoff. Und 759-mal Grund zum Jubeln, als die Kugel den Weg ins Netz fand. Weitere interessante Zahlen zur abgelaufenen Saison im folgenden Fakten-Check.

Anzeige

Überragendes Spitzentrio

Nach 2009 und 2013 kletterte der SV Blau-Weiß Bennewitz (1./81 Punkte) erneut eine Etage höher. Womit der Wunsch des Vereinsvorstandes in Erfüllung ging. Das Trainerteam um Frank Wimberger wollte in erster Linie attraktiven Fußball spielen lassen, letztlich war er vor allem erfolgreich. Für den Vorjahresdritten ging es im Verlauf der Saison stetig nach oben. Nach der ersten Halbserie noch in Lauerstellung, wurde später als beste Rückrunden- und Auswärtsmannschaft (jeweils ohne Niederlage) der Gipfel erklommen. Routinier Marco Kuntzsch hat von seiner Gefährlichkeit absolut nichts eingebüßt und wurde mit 28 Treffern Zweiter der Torschützenliste.

Beileibe nicht alle Experten hatten dem BSV Einheit Frohburg (2./78) ein weiteres Spieljahr auf höchstem Niveau zugetraut. Die Rennstädter belehrten alle Skeptiker eines Besseren, wenngleich es zur Titelverteidigung nicht ganz reichte. Sie waren mit sagenhaften 112 erzielten Treffern die Tormaschine der Staffel und boten mit mickrigen 20 Gegentreffern die Betonabwehr der Liga auf. Außer in Runde 1 war der spätere Hinrunden-Meister (bis dahin ohne Niederlage) stets auf den vorderen zwei Plätzen zu finden, wurde ohne Feldverweis sowie mit lediglich 28 gelben Karten Sieger der Fairplay-Tabelle und zog zu Hause die meisten Zuschauer (128 im Schnitt) an. Philipp Jacob eroberte mit 33 Treffern die Torjägerkanone, sein Teamkollege Christian Geißler (22) belegte in dieser Wertung den dritten Platz. Im August beginnt ohne Coach Tom Krauspe – welcher Erfolgsgarant und Sympathieträger in einer Person war – nach fünf Jahren eine neue Zeitrechnung am Erligtweg.

Auf dem Treppchen wollte der aus der Landesklasse gekommene Bornaer SV (3./78) auf jeden Fall landen, insgesamt 28-mal stand man auf dem Podest. Der sofortige Sprung zurück in Liga sieben blieb den Zwiebelstädtern allerdings verwehrt. Trotz der besten Heimbilanz und der stattlichen 15 Treffer von Tom Haase. In der kommenden Saison zählt die Mannschaft von Trainer Marco Gruhne auch wegen der soliden Nachwuchsarbeit (die A-Junioren zum Beispiel wurden Landesklasse-Meister) definitiv zu den Top-Favoriten.

Sören Pauls zweiter Frühling

Die beste Platzierung seit Zugehörigkeit zur Kreisoberliga (2013) fuhr der SV Blau-Weiß Deutzen (4./49) ein. Im vorherigen Spieljahr Siebenter geworden, ordnete sich das Team von Coach Rolf Tröger diesmal mit gehörigem „Sicherheitsabstand“ unmittelbar hinter der unangefochtenen Führungsgruppe ein. Mit erhöhtem Augenmerk auf die Defensivarbeit und einer beinahe atemberaubend starken zweiten Halbserie. Michael Günther konnte von seinen Gegenspielern 14-mal nicht am Torerfolg gehindert werden.

Mit der Zielstellung „oben mitspielen“ war es für den SV Ostrau (5./46) so eine Sache. Wenn man das dominante Dreiergespann ausklammert, darf die Umsetzung des Vorhabens durchaus als gelungen bezeichnet werden. Immerhin ging es für Matthias Donaths Truppe im Vergleich zum Vorjahr einen Rang hoch, und den Begriff Fahrstuhlmannschaft kennen die Jahnataler mittlerweile nur noch vom Hörensagen. Einmal waren die Blau-Gelben Sechster, ansonsten stets Vierter oder Fünfter. Und keinesfalls leicht auszurechnen, denn ein echter Goalgetter kristallisierte sich nicht heraus. Patrick Fromme führt mit sieben Treffern die interne Hitliste an.


Den angepeilten einstelligen Tabellenplatz schaffte der SV Regis-Breitingen (6. / 45) letztlich locker, obwohl ein Rang eingebüßt wurde. Die Grün-Weißen waren eines der typischen Mittelfeldteams. Eher ungewöhnlich für die achte Leistungsklasse war die Tatsache, dass im Verlauf der Saison gleich drei Trainer den Hut auf hatten. Nach dem überraschenden Rücktritt von Swen Licht in der Winterpause amtierte zunächst Sven Streitberg als mitspielender Coach, bevor Jochen Schulz aus Zeitz kam und das Kommando an der Seitenlinie übernahm. Der zwischenzeitlich sogar zwischen den Pfosten aushelfende Sören Paul erlebte mit 17 erzielten Toren seinen zweiten Frühling.

Im Schnitt 22 Zuschauer

Ein weitestgehend stressfreies Spieljahr absolvierte der SV Chemie Böhlen (7./38). Zu Saisonbeginn hatten die Pleißestädter als zweimaliger Tabellenführer sogar für mächtig Furore gesorgt. Schlussendlich machten sie gegenüber 2018 drei Ränge wett und ordneten sich ziemlich ungefährdet in der vorderen Hälfte des Klassements ein. Das Experiment mit Spielertrainer Toni Röder – welcher den Staffelstab von Interimscoach Sören Zborala übernahm – hielt der Belastungsprobe stand. Wobei in puncto Leistungskontinuität Reserven offen geblieben sind. Marcel Schoppa schlug dagegen mit 14 Treffern sofort ein.

Der Abzug von sechs Zählern wegen Nichterfüllung des Schiedsrichter-Solls hat dem TSV Großsteinberg (8./37) nicht das Genick gebrochen. Allerdings waren die Muldentaler sechsmal im Besitz der roten Laterne, hielten das Schlusslicht auch zum Ausklang der Hinrunde in der Hand. Das Ziel 10. Platz schien unerreichbar, ehe die Mannschaft von Trainer Andreas Thimm das Feld von hinten aufrollte und den nicht für möglich gehaltenen Sprung in den oberen Abschnitt des Klassements vollzog. Der Tabellenzwölfte der Vorsaison blieb ohne Platzverweis und hatte mit Benjamin Holletzek (17 Tore) einen zuverlässigen Vollstrecker.

Mehr aus der Kreisoberliga

Demgegenüber konnte der SV Tresenwald Machern (9./35) sein Niveau nicht in gewünschtem Maße halten. Vierter war man vor zwölf Monaten, mindestens Sechster bis Achter wollte man diesmal werden, Neunter wurde man schließlich. Wobei zu keiner Zeit eine echte Gefahr bestand, in die bedrohte Zone hinein zu rutschen. Dagegen mussten sich Coach Steffen Teichmann und seine Schützlinge öfter als ihnen lieb war mit Personalproblemen herumschlagen. Ein Lichtblick wiederum war Torsten Mikusch, welcher zehn Treffer erzielte. All dies zog nur wenig Zuschauerinteresse nach sich, denn mit 22 Besuchern pro Heimspiel hatte der SV Tresenwald den geringsten Schnitt in der Staffel.

Geithain verhindert Schlimmeres

Auch Aufsteiger VfB Leisnig (10./33) geriet in keiner Phase der Saison hinsichtlich eines eventuellen Abstiegskampfes in ernste Bedrängnis. Die Rot-Weißen hatten sich nach einigen Anpassungsschwierigkeiten genügend Winterspeck zugelegt und konnten während einer Frühjahrs-Flaute davon zehren. Spielerisch waren die ihre Möglichkeiten sehr ordentlich ausschöpfenden Muldestädter ohnehin eine Bereicherung der Liga, der Klassenerhalt der Lohn für nimmermüde Anstrengungen. Patrick Hußner und Toni Schulz hatten im Team von Coach Rico Meister mit jeweils neun Toren die Schussstiefel am festesten geschnürt.

Ein ähnlich energischer Zwischenspurt verschaffte ebenso dem TSV Burkartshain (11./29) den Erhalt der Liga. Zuvor hatte die Mannschaft von Trainer Maik Lichtenberger fünfmal die rote Laterne in ihrem Besitz. Auch die letzten Ränge in der Auswärts- und Fairnesswertung (78 gelbe, vier gelb-rote und vier rote Karten!) waren beileibe kein Aushängeschild. Letztlich allerdings konnte die Truppe ihr Abschneiden der Vorsaison wiederholen und es daher locker verschmerzen, sich stets in der hinteren Hälfte des Klassements aufgehalten zu haben. Zumal Lars Metzner mit 14 Treffern eine erstaunliche Duftmarke setzte.

Nach Platz neun im vergangenem Jahr sollte es für den FSV Alemannia Geithain (12./27) ein Stückchen nach oben gehen. Stattdessen schlitterten die Gelb-Schwarzen – welche als Tabellenzweiter gestartet waren – ungebremst in die andere Richtung. Ab Runde 9 hielt man sich durchweg im unteren Bereich des Klassements auf, neunmal sogar auf einem Abstiegsrang. Der Klassenerhalt war dann eine glückliche Fügung für die Truppe von Coach Marco Seifert. Punktemäßig wurde der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 2005 (damals waren es 32) noch unterboten, eine dermaßen bescheidene Abschlussplatzierung gab es zuletzt 2006. Kilian Helbig (bestritt alle Partien) und Toni Duschinski verhinderten mit jeweils neun Toren Schlimmeres.

Abstiegsquartett

Neuling TuS Pegau (13./25) wollte sich in der Staffel etablieren und war durchaus eine Bereicherung der selbigen. Spielertrainer Marcus Wolf (half als Keeper aus) legte viel Wert auf die technische Komponente. Der geflügelte Satz „Gewogen und für zu leicht befunden“ traf auf die Elsterstädter keineswegs zu. Und dennoch konnte die Klasse nicht gehalten werden, weil die stattliche Anzahl von vier Teams den Weg in die A-Liga antreten muss. Letztlich wurde den Blau-Gelben – welche dreimal in der oberen Tabellenhälfte standen und ohne Feldverweis blieben – vor allem die fehlende Cleverness, insbesondere bei der Chancenverwertung, zum Verhängnis. An den lediglich 31 erzielten Treffern (Schlusslicht in dieser Rangfolge) hatte Hans Jerke mit deren sieben den Löwenanteil.

Anzeige

Frühlingsgefühle wollten beim BC Hartha (14./25) als Tabellenletzter des Klassements der zweiten Halbserie partout nicht aufkommen. Selbst der Wechsel auf der Trainerbank (A-Junioren-Coach Peter Eigenwillig übernahm den Posten vom zurückgetretenen Benjamin Bamburski) konnte die Talfahrt trotz positiver Ansätze nicht mehr stoppen. Ab Runde 4 befand sich der 13. der Vorsaison im hinteren Tabellenabschnitt, womit das Schicksal vorprogrammiert war. Sogar die beachtlichen neun Tore von Robin Fritzsche reichten nicht aus, um den rettenden Hafen rechtzeitig zu erreichen.

Auch Aufsteiger Otterwischer SV (15./23) war der angestrebte Klassenerhalt nicht vergönnt. Am 3. Spieltag rutschte man in die untere Hälfte des Klassements und kam von dort nicht mehr weg. Stattdessen befand sich achtmal die rote Laterne im Besitz der Muldentaler. Die 96 Gegentreffer bewiesen ungeschminkt, dass die Defensivabteilung des OSV nicht ligatauglich war. In der Offensive haperte es für die Mannschaft von Trainer Volker Sturm weitaus weniger, Robin Marz hatte mit elf Toren am häufigsten vom Zielwasser genascht. Max Leuschner war zudem ein Dauerbrenner. Er bestritt nicht nur alle Kreisoberliga-Begegnungen, sondern absolvierte obendrein die meisten Einsatzminuten aller eingesetzten Akteure der Staffel.

Nach fünf ereignisreichen Jahren in der Kreisoberliga haben die Burgherren Teile ihrer Rüstung abgelegt. Den Weggang beziehungsweise Ausfall einiger Leistungsträger konnte die SG Gnandstein (16./21) nicht kompensieren. Acht Plätze ging es runter, sowohl in der Hinrunden- als auch der Rückrundentabelle war die SG Schlusslicht. An elf Spieltagen leuchtete die rote Laterne, nur dreimal befand man sich auf einem Nichtabstiegsrang. Coach Enrico Kühn hatte im Spätherbst das Handtuch geworfen, Teammanager Frank Lederer die Zeit bis zur Winterpause überbrückt. Die Verpflichtung von Lutz Sporbert brachte neuen Schwung, doch das Steuer konnte wegen der hohen Wellen nicht mehr herumgerissen werden. Wenngleich es Florian Weber auf satte 17 Treffer brachte.