27. Januar 2022 / 17:39 Uhr

Startelf oder nicht? Wie Diabetes Wolfsburgs Sandra Starke vor besondere Probleme stellt

Startelf oder nicht? Wie Diabetes Wolfsburgs Sandra Starke vor besondere Probleme stellt

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Spricht offen über ihre Diabetes-Erkrankung: Sandra Starke vom VfL Wolfsburg.
Spricht offen über ihre Diabetes-Erkrankung: Sandra Starke vom VfL Wolfsburg. © Roland Hermstein
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Sandra Starke vom VfL Wolfsburg spricht offen über ihre Diabetes-Erkrankung - auch um für mehr Aufmerksamkeit für die Krankheit zu werben. So verriet die 28-Jährige nun, war ihr nach dem Wechsel nach Wolfsburg schwerfiel.

Trotz ihrer Diabetes-Typ-1-Erkrankung hat es Sandra Starke vom VfL Wolfsburg bis in die Spitze des Fußballs geschafft. Im vergangenen Jahr ging die Nationalspielerin mit ihrer Krankheit an die Öffentlichkeit - und setzt sich weiterhin für mehr Aufmerksamkeit dafür ein. Die Wolfsburgerin spritzt sich täglich Insulin, um ihren Zuckerwert stabil zu halten. Im Interview mit "11Freunde" gab sie nun weitere Einblicke in ihren Alltag und die damit verbundenen Rechnereien - denn je nach Spielzeit muss die 28-Jährige ihre Mahlzeiten umplanen.

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In Freiburg beispielsweise frühstückte die Mittelfeld-Allrounderin, die 2018 ihre Diagnose bekam, immer vier Stunden vor Spielbeginn, in Wolfsburg trifft sich die Mannschaft aber erst drei Stunden vor Anpfiff - so brauchte Starke eine andere Routine, um ihren Blutzuckerwert zum Spiel hin stabil zu halten. "Als ich die ersten Male in der Startelf stand, war das für mich zunächst ein innerer Kampf", so Starke. In ihrer Anfangszeit beim VfL, so erzählt sie, "habe ich sogar noch zu Hause gegessen und dann im Hotel nichts mehr, aber wir früh­stü­cken als Mann­schaft auch bei Aus­wärts­spielen zusammen und auf dem Hotel­zimmer kannst du dir schlecht was zu essen machen. Des­wegen habe ich mir gesagt: Du musst das jetzt auch so hin­kriegen."

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Bei Startelf-Einsätzen sei die Planung einfacher, weil sie dann genau weiß, wann es für sie losgeht. Starke: "Wenn ich nicht in der Startelf stehe, muss ich anders berechnen. Werde ich zum Bei­spiel in der Halb­zeit­-Pause ein­ge­wech­selt, dann spritze ich noch mal kurz Insulin und esse etwas Kleines." Spiele sie wiederum nur zehn Minuten, "mache ich dahin­ge­hend eigent­lich nichts. Ich bin da auch noch ein wenig in der Fin­dungs­phase und tau­sche mich mit dem Mann­schafts­arzt - aber vor allem mit meiner Dia­betes-Bera­terin - aus."

Dass Diabetes im Profisport immer noch selten thematisiert wird, bedauert Starke. "Ich glaube schon, dass bei vielen Sport­le­rinnen und Sport­lern noch die Denke ist: Ich habe eine Schwäche und das will ich nicht raus­po­saunen. Man will sich aber auch nicht immer wieder erklären müssen." Aber: "Ich merke, dass ich Leuten auch die Angst nehmen kann. Auf Insta­gram kriege ich zum Bei­spiel immer mal wieder Nach­richten von Men­schen, die auch Typ-1-Dia­betes haben, Fuß­ball spielen und bei denen es noch nicht so gut klappt. Auch das ist Dia­betes, jeder Körper reagiert ein biss­chen anders. In sol­chen Fällen teile ich aber sehr gerne meine Erfah­rungen."

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Auf dem Platz gibt Starke weiter Vollgas, absolvierte in der laufenden Saison 15 Pflichtspiele für den VfL, in denen ihr zwei Treffer gelangen. Mit dem Vizemeister kämpft sie in der Bundesliga um die Meisterschaft, Wolfsburg ist zudem im DFB-Pokal- und Champions-League-Viertelfinale vertreten. Es gibt für Starke aber auch noch ein anderes großes Ziel: mit Deutschland die anstehende Europameisterschaft in England in diesem Sommer zu spielen.

2019 wurde sie erstmals für die DFB-Auswahl berufen. "Alles geht - trotz Diabetes", so Starke. "Ich kann nicht leugnen, dass es mein Traum ist, bei so einem Tur­nier mit­zu­spielen. Ich habe jetzt noch ein halbes Jahr Zeit und werde alles dafür geben, am Ende dabei zu sein. Sicher­lich wäre das Ganze noch mal eine tolle Geschichte und ich würde mich brutal freuen, aber nicht, weil ich Dia­be­ti­kerin bin, son­dern ein­fach für mich selbst."

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