18. November 2020 / 17:19 Uhr

Zahlen, bitte! Statistikkapriolen aus der Zeit zwischen zwei Lockdowns

Zahlen, bitte! Statistikkapriolen aus der Zeit zwischen zwei Lockdowns

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der TV Jahn Leveste (links) sind die Schützenkönige, der FC Wacker Neustadt kann es auswärts nicht.
Der TV Jahn Leveste (links) sind die Schützenkönige, der FC Wacker Neustadt kann es auswärts nicht. © Stefan Zwing/Christian Hanke
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Mit den Tabellen von der Regionalliga Nord bis hinab zur Kreisliga lässt sich so manch schöne Zahlenjonglage betreiben. Der SPORTBUZZER hat Statistikkapriolen aus der Zeit zwischen zwei Lockdowns zusammengetragen.

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Statistik sei die mathematische Methode, Irrtümer zu verschleiern, hat Georges Elgozy mal gesagt. Die Wiederaufnahme des Amateurfußballs in der Region Hannover wird der frühere Generalinspektor der Volkswirtschaft und Präsident des Europäischen Komitees für wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit damit eher nicht gemeint haben. Und ein Irrtum war der Restart des Spielbetriebs nach dem ersten Corona-Lockdown sicher auch nicht. Auf jeden Fall lässt sich mit den Tabellen von der Regionalliga Nord bis hinab zur Kreisliga so manch schöne Zahlenjonglage betreiben.

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Ohne Spielausfälle sind bislang nur wenige Mannschaften aus dem Umland der Region Hannover davongekommen. Am ärgsten hat es die TSV Burgdorf in der Landesliga Nord erwischt. Erst ganze viermal durfte die Mannschaft von Coach Frank Weber um Punkte spielen. Ein Sieg gelang ihr dabei indes nicht, was den zu Jahresbeginn 2020 aus Celle zur TSV gekommenen Weber unlängst dazu veranlasste, sich scherzhaft selbst als den erfolglosesten Trainer des Jahres zu bezeichnen.

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. Zur Galerie
Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Auch die TSG Ahlten sowie der Mellendorfer TV sind nach der Sommerpause mit Überlänge noch nicht wieder richtig in Fahrt gekommen. So ist die in der Kreisliga 1 ebenfalls noch sieglose TSG mit lediglich vier erzielten Toren (in allerdings auch nur fünf Partien) die torungefährlichste Umlandmannschaft Hannovers. Der MTV brachte es in der Bezirksliga 4 zwar auf ein Törchen mehr, konnte damit allerdings noch keinen einzigen Punkt holen.

34 Tore erzielen die Schützenkönige

Auf der anderen Seite befinden sich mit dem TV Jahn Leveste die Schützenkönige. Stolze 34 Mal langten die Akteure von Trainer Holger Schwabe hin. Doch selbst ein Schnitt von 4,25 Toren pro Partie ist kein Garant für den Meistertitel, die Jahnler sind aktuell „bloß“ Dritter der Kreisliga 3.

Und wenn es eines weiteren Beweises bedarf, dass sich Erfolg vor allem durch ein ausgewogenes Verhältnis von eigenen und kassierten Treffern einstellt, empfiehlt sich ein Blick aufs Tableau der Bezirksliga 7.

Da hat der SV Ihme-Roloven (19 Tore) zwar dreimal häufiger ins Schwarze gezielt als der SV Gehrden. Nichtsdestotrotz sind die Ihmer mit sechs Punkten Vorletzter. Der Grund: 37 Gegentreffer sind umlandweit der unliebsame Rekordwert. Es gibt fraglos angenehmere Jobs als die der beiden Keeper Ionut Placinta und Leon Wietrychowski, die sich ihr Leid aber immerhin fast brüderlich teilten.

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SV Gehrden spielt sechsmal zu null

Die Gehrdener wiederum sind mit ihren geschossenen 16 Toren, von denen der mit einem Knöchelbruch noch länger ausfallende Roman Busse die Hälfte erzielte, und 17 Punkten auch deswegen im oberen Bereich der Tabelle angesiedelt, weil die Schlussmänner Fabian Alexander Bochynek und Christian Wigele insgesamt sechs Partien zu null beendeten und überhaupt nur zweimal hinter sich greifen mussten. Auswärts blieb der SVG sogar komplett ohne Gegentreffer (13:0 Tore bei voller Punkteausbeute).

Ganz im Gegensatz zum FC Wacker Neustadt. Von allen drei Auswärtspartien der Kreisliga 2 ging es mit schlechter Laune wieder heim: 0:7 Tore und kein Zähler – da ist noch Luft nach oben. Auch Sparta Langenhagen fühlt sich an der heimischen Emil-Berliner-Straße wohler als in der Fremde: Rang eins in der Heimtabelle der Kreisliga 5 steht der vorletzte Platz auswärts gegenüber.

Unbezwungenen sind nicht Tabellenführer

Die einzigen Umlandteams, die sich stets am Punktebüfett labten und nie leer ausgingen, sind der TSV Mühlenfeld (sechs Siege, zwei Unentschieden) und der TSV Kolenfeld (vier Erfolge, drei Remis) aus der Bezirksliga 4. Kurios: Keiner der beiden Unbezwungenen führt die Tabelle an. Dort steht der TuS Garbsen.

„Statistik ist die exakteste der trügerischen Wissenschaften“, hat der französische Schriftsteller Jean Cau gesagt. Ganz genau! Denn bei aller Rechnerei: „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.“ Diese Weisheit wiederum stammt von Alfred Preißler, der in den Fünfzigerjahren für Borussia Dortmund kickte. Hoffentlich kann das bald wieder bewiesen werden.