22. April 2020 / 15:15 Uhr

"Zehn Kilometer gehen immer": #stayathomemarathon - für Dieter Baumann eine Ehrensache

"Zehn Kilometer gehen immer": #stayathomemarathon - für Dieter Baumann eine Ehrensache

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Olympiasieg 1992 in Barcelona liegt in der Vergangenheit von Dieter Baumann. Die nahe Zukunft heißt: Teilnahme am #stayathomemarathon!
Der Olympiasieg 1992 in Barcelona liegt in der Vergangenheit von Dieter Baumann. Die nahe Zukunft heißt: Teilnahme am #stayathomemarathon! © Anja Schneider/imagoimages/AFLOSPORT
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1992 hat Dieter Baumann bei den Olympischen Spielen in Barcelona Gold über 5000 Meter gewonnen. Mittlerweile schaut der 55-Jährige nicht mehr auf seine Zeiten, wenngleich er immer noch aus Leidenschaft läuft. Ehrensache, dass er beim #stayathomemarathon am Sonntag mit von der Partie ist.

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Dieter Baumann läuft noch immer aus Leidenschaft, auch wenn die Profikarriere schon seit fast 20 Jahren vorbei ist. „Ich bin absoluter Freizeitläufer, zähle keine Zeiten oder Kilometer mehr, schaue nicht auf Durchgangszeiten“, sagt der einstige Olympionike, „aber Laufen bringt mir Energie.“

"Wir Läufer sind privilegiert"

Und Freude natürlich. Die wollte er auch beim Hannover-Marathon erleben, mit Tausenden anderen Startern auf die Strecke gehen. Doch die Corona-Absage machte ihm einen Strich durch die Laufrechnung. Dafür macht Baumann beim #stayathomemarathon am 26. April mit – in Gedanken in Hannover, und mit den Laufschuhen in der heimischen Garage.

Über die 5000 Meter gewann Baumann 1992 Olympiagold in Barcelona, hielt lange den Europarekord. Rekordzeiten jagt der 55-Jährige schon lange nicht mehr, aber das Runner’s High liebt er bis heute. Daran ändert auch die Corona-Krise nichts. Baumann geht (oder besser: läuft) regelmäßig in die Natur. „Wir Läufer sind privilegiert, in Deutschland dürfen wir ja Gott sei Dank uneingeschränkt raus“, freut sich der einstige Topathlet, der mittlerweile auch als Kabarettist auftritt.

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So oft es geht, läuft Baumann in der Natur. Ganz ohne den einstigen Ehrgeiz, aber sehr wohl mit Hintergedanken. „Ich ziehe aus dem Laufen die Kraft für den restlichen Tag. Mich fit zu halten, spielt eher eine untergeordnete Rolle.“ Und was ist mit Erschöpfung? „Wenn du eine Stunde durch den Wald läufst, denkst du ja eigentlich, dass du müde bist. Aber Bewegung bringt mir Balance“, sagt Baumann. Ehrensache also, dass er beim #stayathomemarathon mitmacht.

Das Ersatz-Konzept für den eigentlich abgesagten Hannover-Marathon findet großen Anklang. Knapp 8000 Teilnehmer haben sich schon gemeldet, laufen am Sonntag (26. April) mit - der SPORTBUZZER berichtet im Liveblog. Dabei geht’s nicht um Rekorde, Zeiten oder möglichst weite Strecken, sondern einfach ums Zusammengehörigkeitsgefühl. Ein ganzer Marathon wird von niemandem erwartet, jeder soll so weit laufen, wie er mag.

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Für Baumann heißt das: zehn Kilometer. Die Strecke wollte er auch beim HAJ-Marathon absolvieren, jetzt läuft er sie eben zu Hause. „Zehn Kilometer gehen immer“, sagt „Hobbyathlet“ Baumann. Die läuft er aber nicht in der Natur, sondern auf dem Laufband in der Garage. „Wir sind ja alle eingeschränkt – im Sport, im Alltag, im Beruf“, sagt Baumann. Da dürfe man seine Laufband-Strecke ruhig sinnbildlich verstehen: als Einschränkung und Verzicht, aber eben auch als sportliche Improvisation.

Eine, die die Strecke auch ein kleines bisschen einfacher macht. „Ich muss ja nur die Beine heben, brauche keinen Vorwärtstrieb. Für die Beine ist es leichter, vom Kopf aber ein bisschen anstrengender.“ Eine Wunschzeit hat Baumann aber natürlich trotzdem auch dies mal nicht: „Völlig egal“, sagt er. „Ich lauf‘ halt einfach.“ Eben, weil’s einfach Spaß macht.