26. April 2020 / 19:23 Uhr

Ein voller Erfolg: So schön war der #stayathomemarathon in und um Hannover 

Ein voller Erfolg: So schön war der #stayathomemarathon in und um Hannover 

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Isabella (von links oben im Uhrzeigersinn), Guido und Luna, Stefanie und Felix haben erfolgreich am #stayathomemarathon teilgenommen. 
Isabella (von links oben im Uhrzeigersinn), Guido und Luna, Stefanie und Felix haben erfolgreich am #stayathomemarathon teilgenommen.  © privat
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Eigentlich hätten sich an diesem Sonntag tausende Marathonis am Friedrichswall in Hannover versammelt, um den HAJ-Marathon zu laufen. Aufgrund der Corona-Pandemie war dieses Vorhaben zwar nicht möglich, aber dafür planten die Veranstalter um und organisierten den #stayathomemarathon, bei dem die Läufer ihre Strecken privat abspulen konnten. Wir haben ein paar Geschichten für euch zusammengetragen. 

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Die Turmuhr des Neuen Rathauses am Trammplatz schlägt in aller Seelenruhe neunmal. Man hört sie, weil drum herum nichts los ist. Normalerweise hätte man um diese Uhrzeit sein eigenes Wort nicht verstanden. Tausende Marathonis hätten sich am Friedrichswall dicht aneinander gedrängelt und auf den Startschuss für die 42,195 Kilometer gewartet, Zehntausende hätten an der Strecke gestanden und die Läufer beim Jubiläums-Marathon angefeuert.

Stattdessen ist der Trammplatz am Morgen wie leer gefegt, auf dem Friedrichswall fährt kaum ein Auto. Nur Michael Kramer, der Mitorganisator des HAJ-Hannover-Marathons, ist da und schaut nach dem Rechten. Seine Frau, Organisationschefin Stefanie Eichel, zieht es vor, im Agenturbüro zu sitzen. Aus emotionaler Sicht ist es dort für sie besser, am Trammplatz wären wohl zu viele Emotionen über sie hereingebrochen. Zu schwer wiegt immer noch die Enttäuschung über die coronabedingte Absage des 30. Hannover-Marathons. Aber es schwingt auch die Vorfreude auf den alternativen Sololauf mit, den #stayathomemarathon.

"Es wäre ein schönes Drehbuch gewesen, nun ja..."

„Es sind schon viele Tränen geflossen diese Woche“, gesteht Kramer. Jetzt ist er gefasst, Kramer guckt, ob sich entgegen des Appells Laufgruppen am Rathaus treffen. Auch zwei Polizisten auf ihrem Motorrad fahren kurz vor. Doch es gibt keinen Anlass einzuschreiten. Nur ganz vereinzelt tauchen Läufer auf und posieren für ein Erinnerungsfoto vor der Rathauskulisse. Felix Bibow aus Hannover wäre eigentlich gleich den Marathon gelaufen. „Es wäre mein erster gewesen. Ich bin vor Kurzem 30 Jahre alt geworden, das hätte gut gepasst mit dem Marathon-Jubiläum. Es wäre ein schönes Drehbuch gewesen, nun ja“, sagt Bibow und hebt die Schultern. Mit seinem Kumpel fährt er gleich zum Mittellandkanal. Da will das Duo wenigstens einen Halbmarathon zurücklegen.

Die halbe Strecke hatten sich Pilar Carbonel und Fabiola Köhne vorgenommen. Auch sie knipsen noch schnell ein paar Fotos, natürlich mit Sicherheitsabstand. „Ich liebe laufen“ und „Par los enfermos del Covid-19“ steht auf den Startnummernschildern der Peruanerinnen. „Für die Erkrankten“, heißt die bewegende Botschaft übersetzt. „Wir laufen jetzt aber nur zehn Kilometer“, sagen die beiden und machen sich winkend auf den Weg.

Bilder vom #stayathomemarathon in und um Hannover:

Margaret lässt nach dem Lauf ihren Gefühlen freien Lauf: Ich bin so überwältigt. Es war ein toller Lauftag und ich bin weinend im Ziel angekommen. Weinend vor Freude, da meine Tochter Missy, meine Bekannten, Freunde und sogar Nachbarn mich so bejubelt haben. Zur Galerie
Margaret lässt nach dem Lauf ihren Gefühlen freien Lauf: "Ich bin so überwältigt. Es war ein toller Lauftag und ich bin weinend im Ziel angekommen. Weinend vor Freude, da meine Tochter Missy, meine Bekannten, Freunde und sogar Nachbarn mich so bejubelt haben." ©

Sieben Maschseerunden ins Glück

Auch Andreas Schacht macht noch schnell ein Selfie, dann will er es durchziehen. Die volle Original-Strecke. „Es wäre mein 31. Marathon.“ Wie er es alleine und ohne Verpflegung schaffen will? „Meine Familie weiß übers Handy über meinen Standort Bescheid, die reichen mir dann irgendwann irgendwo Wasser“, sagt Schacht und flitzt los.

Am Hotspot Maschsee sind um 9.30 Uhr schon etliche Läufer unterwegs. Mit oder ohne Startnummer. Aber auch hier Entwarnung: keine Gruppen. Alles im erlaubten Rahmen. Eine Frau mittleren Alters winkt. Sie will siebenmal den See umrunden – das ist die ungefähre Marathon-Länge. Ein Auto fährt hupend am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer entlang, die Beifahrerin reckt sich aus dem Fenster und feuert einen Läufer auf dem Schotterweg an. Hier am See und auch anderswo hätten sich die Läufer im Allgemeinen an die Abstandsbestimmungen gehalten, hieß es seitens der Polizei.

Umdrehen wär jetzt auch blöd! Also lauf, Kathi!"

Auch im Georgengarten zeigen sich am Vormittag viele Läufer und ihre Begleiter. Auch hier: alles mit gebotenem Abstand. „Quäl dich, du Lappen!“, steht auf einem selbst gebastelten Schild an der Graft. Katharina Hackmann ist dort zweimal dran vorbeigelaufen. Sie hatte sich ursprünglich für die Zehn-Kilometer-Strecke angemeldet. Für den Sololauf legte sie sich einfach ihre eigene Route vor der Haustür zurecht.

Die 22-Jährige aus der Nordstadt war um 9 Uhr am Welfengarten gestartet, jetzt hat sie auf der Allee nur noch wenige Meter vor sich. „Los, du packst das, super“, motiviert ihre Schwester Stefanie, die sie auf dem Fahrrad begleitet. „Umdrehen wär jetzt auch blöd! Also lauf, Kathi!“, steht auf ihrem Pappschild am Gepäckträger. „Ich bin echt froh, dass ich dich dabeihatte“, sagt Katharina, als sie nach dem virtuellen Zielsprint mitten auf der Allee verschnauft. „Ich bin noch nie so weit gelaufen“, sagt sie glücklich. Ihr Freund läuft parallel den Halbmarathon, „der ist wahrscheinlich gerade irgendwo an der Ihme unterwegs“.

Mehr zum #stayathomemarathon

Mehr als 10 000 Teilnehmer sorgen für eine gelungene Aktion

Die Sololäufer verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet und die Region, bundesweit und sogar im Ausland – jeder in seinem Revier. Mehr als 10­ 000 hatten sich für die Aktion angemeldet. Eine gewaltige Resonanz, die Stefanie Eichel und ihr Team motiviert, die Arbeit für das verschobene Jubiläum aufzunehmen. Klar, verbindlich planen kann den Jubiläums-Lauf in diesen Corona-Zeiten niemand. Vorgesehen für die 30. Ausgabe des Hannover-Marathons ist aber der 18. April 2021.

Der Liveticker zum Nachlesen:

Vielen Dank an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen!